Industriepolitik in Europa Zwiespältig

In Italien hat eine aktive Industriepolitik Tradition: Vielen fällt es schwer, dass die EU-Vorgaben respektiert werden müssen - auch dem italienischen Premier Romano Prodi.

"Man kann nicht immer Beute sein." Diesen Satz hat der italienische Premier Romano Prodi in den vergangenen Monaten öfters fallen lassen. Zugleich versicherte er, die Regeln des Marktes seien zu respektieren.

Die Äußerungen zeigen, wie zwiespältig Italien auf die Globalisierung reagiert. Einerseits werden die Chancen für die Wirtschaft erkannt und - wie bei der Übernahme der deutschen HypoVereinsbank durch Unicredit - auch genutzt.

Andererseits sehen viele Politiker die Nation in Gefahr, wenn Ausländer bei großen italienischen Unternehmen einsteigen. Hintergrund ist die Industriegeschichte des Landes, in der Staatsholdings eine entscheidende Rolle spielen.

Italienische Tradition

Die Verflechtung von Wirtschaft und Politik hat Tradition, und vielen fällt es schwer, diese nun aufzugeben. So opponierte die Regierung Prodi gegen den Fusionsversuch des spanischen Konzerns Abertis und des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade.

Auch bei Telecom Italia möchten viele Regierungsmitglieder keine Ausländer an den Schaltstellen sehen. So sagte Infrastrukturminister Antonio Di Pietro jetzt zu dem Versuch des US-Konzerns AT&T, einen Teil der Telecom zu kaufen: "Wir müssen bereit sein, dieses Manöver zu unterbinden."

Da dürfte auch das Angebot der russischen Aeroflot, bei Alitalia einzusteigen, auf wenig Freude stoßen. Ein Trost bleibt Rom in diesen Tagen: In Spanien kommt nun der italienische Energiekonzern Enel zum Zug.