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Industriellenfamilie Quandt:Die stille Wirtschaftsmacht

Der Börsengang von Altira rückt eine der mächtigsten Familien Deutschlands ins Rampenlicht. Doch eigentlich wollen die Quandts genau das vermeiden.

Paul Trummer

Am 7. Februar 2007 soll an der Frankfurter Börse die Vermögensverwaltungsgesellschaft Altira erstmals notieren. Knapp zehn Prozent an der Gesellschaft gehören Silvia Quandt, der ältesten Erbin der Quandt-Dynastie.

Family Business: Johanna Quandt und ihr Sohn Stephan sind die Hauptaktionäre beim Autobauer BMW.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Industriellenfamilie Quandt verdankt ihre Bedeutung dem Textilunternehmer Günther Quandt, der 1881 in Pritzwalk zur Welt kam. Schon kurz nach der Jahrhundertwende war er Prokurist und Mitinhaber mehrerer Tuchfabriken, nach dem ersten Weltkrieg Referent im Reichswirtschaftsministerium.

Batterien und Rüstung

Die dabei gewonnen Kontakte nutzte Quandt geschickt: Er wurde Generaldirektor der Akkumulatoren-Fabrik AG Berlin-Hagen und fasste im Rüstungsgeschäft Fuss: Er reorganisierte die Mauserwerke AG sowie die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik und baute daneben seine Beteiligungen in verschiedenen Industriezweigen und in der Versicherungswirtschaft aus.

In der Liebe war Günther Quandt weniger Glück beschieden: Er heiratete Antonie Ewald; 1908 bekam das Paar den ersten Sohn Hellmut. 1910 folgte Herbert. Doch schon 1918 verstarb Antonine.

1921 heiratete Günther Quandt die erheblich jüngere Magda Ritschel. Aus dieser Verbindung ging Sohn Sohn Harald hervor, doch 1929 wurde die Ehe geschieden. Magda Quandt wurde später die Frau von Joseph Goebbels.

Firmengeflecht mit 200 Beteiligungen

Nach dem Krieg musste Günther Quandt sich zunächst wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus vor einem Gericht in Starnberg verantworten, wurde aber als Mitläufer eingestuft.

Es gelang ihm, trotz großer Rückschläge wie der Demontage der Mauserwerke, seine einflussreiche Stellung im Wirtschaftsleben wiederzugewinnen und gründete schließlich zur Verwaltung seiner rund 200 Firmen umfassenden Unternehmensgruppe die Aktiengesellschaft für Industriebeteiligungen in Stuttgart-Zuffenhausen.

Als er 1954 auf einer Kairo-Reise starb, übernahmen die Söhne Söhne Herbert und Harald die Verwaltung der Beteiligungen gemeinsam. Diese verwalteten das Vermögen wie ihr Vater: still und diskret, aber zielstrebig. Während Herbert sich um die Beteiligungen bei Varta, Concordia oder Wintershall kümmerte, leitete Harald den Bereich Metall mit der Firmengruppe um die Industrie-Werke Karlsruhe AG (IWKA). Schon frühzeitig erkannte die Quandt-Familie die wirtschaftliche Bedeutung des Automobils. Beteiligungen bei BMW und Daimler-Benz waren die Folge.

Großaktionäre bei BMW

Nach dem plötzlichen Fliegertod Harald Quandts 1967 versuchte Herbert Quandt, die Gruppe organisatorisch neu auszurichten. 1973 wurde das Vermögen aufgeteilt: Die Familie Herbert Quandt bekam über 70 Prozent des Aktienkapitals an BMW, 65 Prozent an Varta und 40 Prozent an der IWKA.

Ebenfalls 40 Prozent an der IWKA erhielt die Witwe von Harald Quandt, Inge, die zwar Varta und BMW abgab, dafür aber zehn Prozent des Aktienkapitals an Daimler-Benz erhielt. Wenig später wechselte die Quandtsche Beteiligung an Daimler in einem spektakulären Geschäft den Besitzer: Die Regierung von Kuwait kaufte die Aktien - damals für etwa eine Milliarde Mark.

Johanna Quandt - reichste Frau Deutschlands

Als Herbert Quandt 1982 starb, hinterließ er sechs Kinder aus drei Ehen. Seine dritte Ehefrau, Johanna, erbte die Aktienpakete von BMW und Altana und gilt derzeit als reichste Frau Deutschlands, die ihr Vermögen gemeinsam mit ihren Kindern Susanne und Stephan geschickt weiter ausbaute. Der Wert ihrer Beteiligungen wird auf 4,1 Milliarden Euro geschätzt, ihre Kinder sollen gemeinsam über rund 12,3 Milliarden verfügen.

Seinen Kindern aus zweiter Ehe vermachte der Industrielle unter anderem die Firmengruppe Varta, die bei einem Verkauf geschätzte 160 Millionen Euro Erlös erbrachte.

Die älteste Tochter Silvia aus erster Ehe wurde ebenfalls mit zahlreichen Beteiligungen abgefunden. Wie ihr Vater und ihr Großvater meidet sie die Öffentlichkeit und entschied sich gegen eine Wirtschaftskarriere und für die Malerei.

Während sie in den 80ern vor allem auf den Malstil des phantastischen Realismus setzte, setzt sie nun auf etwas, das vor allem ihr Vater und ihr Großvater beherrschten: Beteiligungen in großem Stil.

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