Umweltschutz Indonesien schickt verunreinigten Plastikmüll zurück nach Deutschland

Erst vor wenigen Tagen entstand dieses Foto an einem Stausee in Indonesien. Das Land hat ein Problem mit Kunststoffabfällen, nun schickt es Müll-Lieferungen aus dem Ausland zurück.

(Foto: dpa)
  • Indonesien schickt 49 Container mit verunreinigtem Plastikmüll zurück in die Exportländer, darunter auch Deutschland.
  • Im Mai hatten 187 Nationen ein Abkommen unterzeichnet, nach dem der Export von Abfällen besser kontrolliert werden soll.
  • Bei den Abnehmern in Südostasien scheinen diese Kontrollen zu funktionieren, die Müllproduzenten dagegen scheinen noch nicht so genau hinzuschauen.
Von Vivien Timmler

Viele Meter hoch stapeln sich die Container im Hafen der Insel Batam, nur durch eine Meerenge getrennt vom Stadtstaat Singapur. Immer wieder kommen hier Lieferungen aus dem Westen an, so auch Anfang der Woche. Dutzende Container voll mit Plastikmüll waren es, besser gesagt: sollten es sein.

Denn bei der Kontrolle im Hafen stellte sich heraus, dass die Container neben wiederverwertbaren Plastikabfällen auch eine Menge Restmüll enthielten, dazu offenbar gefährliche Materialien. Das verstößt nicht nur gegen die Importbestimmungen Indonesiens, sondern auch gegen die Exportregeln, die sich westliche Länder selbst auferlegt haben. Indonesien schickt nun 49 Container dieses Mülls dahin zurück, wo er herkommt: nach Australien, Frankreich, die USA - und nach Deutschland.

Plastik Müller gegen Export
Plastikmüll

Müller gegen Export

Entwicklungshilfe-Minister Müller will eine schärfere Gangart gegenüber Müllexporten einschlagen.   Von Michael Bauchmüller

Erst China, dann Malaysia und nun Indonesien - immer mehr Länder wollen den Müll der Welt nicht mehr. Denn statt reinem Plastik, das sich wiederverwerten und weiterverkaufen lässt und für viele Firmen in Südostasien ein gutes Geschäft ist, verschiffen viele westliche Länder auch Müll, mit dem sich absolut nichts mehr anfangen lässt. Berichte von Umweltorganisationen haben gezeigt, dass dieser Müll allzu oft in der Natur landet oder unter offenen Himmel verbrannt wird. Ein funktionierendes Recycling-System gibt es nicht. Viele illegal handelnde Akteure haben das Geschäft mit dem Müll für sich entdeckt. Nun fangen die Länder an, sich zu wehren.

Das war nicht immer so: Noch vor zwei Jahren war China der wichtigste Abnehmer für Kunststoffabfälle, fast die Hälfte der weltweiten Handelsmenge landete dort. Hunderte Firmen hatten ein Geschäftsmodell rund um die ausgelöffelten Joghurtbecher, zerknitterten Folien und leeren Waschmittel-Behälter aufgebaut. Sie kauften den Müll anderen Staaten ab, sortierten recycelbares Plastik heraus, zerschredderten es und machten daraus sogenannte "Pellets". Das sind etwa daumennagelgroße Plastik-Plättchen, die wieder zu neuen Produkten zusammengeschmolzen werden können.

Zum 1. Januar 2018 aber stoppte China den Import von Plastikmüll aus dem Ausland. Die Welt verlor auf einen Schlag ihren wichtigsten Abnehmer für die Kunststoffabfälle - und machte sich auf die Suche nach neuen Importeuren. Die Länder wurden vor allem in Malaysia fündig, das binnen eines Jahres zum größten Importeur für Plastikmüll aufstieg, und auch in Indonesien, Thailand und Indien. Deutschland verschiffte in diese Länder im vergangenen Jahr mehr als 100 000 Tonnen.

Dass Indonesien nun 49 Container des verunreinigten Mülls zurückschickt, liegt auch an dem Druck von Umweltschützern. Organisationen wie Greenpeace drängen in den Ländern Südostasiens auf strengere Einfuhrbestimmungen, um Mensch und Natur nicht mit dem Müll zu belasten.

Die Kontrollen scheinen zu funktionieren - zumindest auf einer Seite

Hinzu kommt, dass 187 Staaten sich erst im Mai darauf verständigt hatten, genau den Müll, der nun in Indonesien gefunden wurde, nicht mehr zu exportieren. Im Rahmen der Basler Konvention, einem internationalen Umweltabkommen, haben sie neuen Regeln für die Entsorgung und den Export von stark verdreckten Kunststoffen zugestimmt. Sie besagen, dass jedes Land, das künftig noch Plastikmüll exportieren möchte, zuvor genau angeben muss, wie dieser zusammengesetzt ist. Bevor die Kunststoffballen einen Hafen gen Südostasien verlassen, soll so kontrolliert werden können, ob die Inhaltsstoffe den angegebenen Informationen entsprechen. "Der Erfolg des Beschlusses hängt nun von funktionierenden Kontrollen ab, sowohl im Plastikmüll exportierenden Europa, als auch in den Müll importierenden Ländern Südostasiens oder neuerdings auch der Türkei oder Indien", hatte Manfred Santen, Chemiker bei Greenpeace, unmittelbar nach dem Beschluss der 187 Vertragspartner gesagt.

Dass erste Länder den verunreinigten Müll nun zurückschicken, zeigt: Die Kontrollen zumindest in Südostasien scheinen zu funktionieren. Bereits Ende Mai hatte Malaysia 60 Container mit insgesamt 3000 Tonnen Kunststoff zurückschickt, nun gehen 49 Container aus Indonesien zurück. Die Länder machen also Gebrauch von ihrem Recht, nur noch das ins Land zu lassen, was Mensch und Umwelt nicht gefährdet. Gleichzeitig aber scheinen die Kontrollen im Rest der Welt und auch in Deutschland nicht zu funktionieren. Entweder, weil der Müll falsch deklariert wurde, oder aber, weil er nicht genau genug untersucht wurde. Und auch die Hoffnung der Umweltschützer, dass die neuen Exportregeln mittelfristig einem Exportstopp gleichkommen könnten, hat sich bisher noch nicht erfüllt.

Nachhaltigkeit Meilenstein für den Schutz von Mensch und Natur

Plastikmüll-Exporte

Meilenstein für den Schutz von Mensch und Natur

Plastikmüll aus reichen Ländern verschmutzt Strände in Südostasien. Ein Abkommen von 187 Staaten verschärft nun die Regeln für den Abfall-Export. Umweltschützer sind hocherfreut.   Von Vivien Timmler