Indexpolicen:Teurer Mischmasch

Die Versicherungsbranche bietet neue Kombiprodukte wie Indexpolicen an. Doch die Renditen sind gering und die Verträge komplex.

Von Christian Bellmann

Renditestark und kostengünstig. Wer etwas Risikobereitschaft hat, greift als Anleger heute gerne zu börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, ETF). Dabei handelt es sich um Fonds, die einen Aktienindex wie den Dax nachbilden. Sparer können so ihr Geld breit streuen und von den Renditechancen der Aktienmärkte profitieren. Auch die Lebensversicherer wollen von dem positiven Image der Fonds profitieren und legen neue Produkte wie Indexpolicen auf. Doch Verbraucherschützer raten von den Kombiprodukten ab.

Jahrelang haben die Gesellschaften vor allem klassische Verträge mit Garantiezins verkauft. Im Niedrigzinsumfeld werfen diese aber kaum noch Rendite ab - die garantierte Verzinsung für neue Verträge ist von vier Prozent in den Neunzigerjahren auf heute nur noch 0,9 Prozent gesunken. Auch die Überschüsse, an denen die Versicherer ihre Kunden beteiligen, fallen immer geringer aus.

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Sichere Vorhersagen gibt es an der Börse nicht. Doch komplexe Kombiprodukte sind in der Regel teuer.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Als Ersatz für die unattraktiv gewordene klassische Lebensversicherung haben die Anbieter neue Produkte entwickelt, darunter auch Indexpolicen. Die größten Anbieter sind die Allianz, die Stuttgarter Lebensversicherung und der Volkswohl Bund. Indexpolicen sollen das Beste aus beiden Welten kombinieren, so das Versprechen: die Sicherheit einer Lebensversicherung mit der Rendite eines Investmentfonds. "Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall", sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten (BdV). Aus seiner Sicht stellen Index-Policen vielmehr eine Kombination aus einer renditeschwachen und teuren kapitalbildenden Lebensversicherung und einer volatilen, schwer planbaren Risikoanlage dar.

Zu diesem Ergebnis kam auch die Ratingagentur Assekurata. Für die Kunden waren die vergangenen vier Jahre unterm Strich ein Nullsummenspiel, hat das Unternehmen errechnet. Überdurchschnittliche Renditen konnten sie vor allem im starken Börsenjahr 2017 erzielen. Von 2014 bis 2018 haben die Verträge aber größtenteils keine zusätzliche Rendite geliefert.

Besonders schlecht lief es im Jahr 2018, das für den Dax mit einem Minus von 18 Prozent endete. Hier konnten 80 Prozent der von Assekurata untersuchten Tarife keine positive Gutschrift erzielen. Auch wenn Indexpolicen an einzelnen Stichtagen Gutschriften von zehn Prozent oder mehr boten, waren die Verträge mit einer durchschnittlichen Rendite von 2,8 Prozent zuletzt nicht rentabler als klassische Policen mit 2,84 Prozent.

Verbrauchern ist oft nicht klar, in welchem Umfang die Beteiligung an einem Index erfolgt. "Die Annahme, dass immer die gesamten Versicherungsbeiträge von der Wertentwicklung des Index profitieren, ist falsch", sagt Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherzentrale Hamburg. Handelt es sich um eine Index-Rentenversicherung, bei der der Versicherer die Beiträge in sichere Anlagen investiert, bekommen die Kunden zwar die eingezahlten Beträge garantiert. Das bedeutet aber, dass für die Anlage in den Index nur die Überschüsse zur Verfügung stehen, die der Anbieter mit sicheren, aber renditeschwachen Anlagen erwirtschaftet. "Das ist in der Regel nicht viel", so Hußmann-Funk.

Verbraucherschützer kritisieren zudem, dass die Anbieter bei vielen Varianten die Gewinne einseitig zu ihren Gunsten deckeln: "Die meisten Indexpolicen enthalten einen sogenannten Cap, der die Rendite für den Kunden in der Höhe begrenzt", erläutert BdV-Chef Kleinlein.

Auch die hohen Verwaltungskosten, die Komplexität der Produkte und die mangelnde Vergleichbarkeit der Tarife sind BdV-Chef Kleinlein ein Dorn im Auge. "Kaum ein Kunde versteht, was er da kauft", kritisiert er. Möglich sind auch fondsgebundene Rentenversicherungen, bei der die Beiträge in einen börsengehandelten Fonds (ETF) fließen. Allerdings garantiert der Versicherer - wie bei Fondspolicen üblich - nicht den Erhalt der gezahlten Beiträge, sondern nur den sogenannten Rentenfaktor. Dieser gibt an, wie viel Monatsrente der Kunde später für je 10 000 Euro angespartes Fondsguthaben erhält.

Eine verlässliche Garantie ist das aber nicht immer. Den Versicherern ist es grundsätzlich erlaubt, den Rentenfaktor während der Laufzeit anzupassen, wenn es zu einer Änderung der Sterbetafeln kommt. Diese verwenden die Lebens- und Rentenversicherer, um zu berechnen, wie lange die Kunden durchschnittlich leben und damit auch Rente erhalten.

"Die Versicherer behalten es sich immer öfter vor, den Rentenfaktor nicht festzuschreiben", sagt Kleinlein. Nicht selten enthalten die Vertragsbedingungen eine Klausel, die es dem Anbieter auch unabhängig von einer Änderung der Sterbetafel erlaubt, den Rentenfaktor während der Vertragslaufzeit anzupassen. Die spätere Rente kann dadurch möglicherweise deutlich geringer ausfallen, als die Versicherten sich das vorgestellt haben.

Aber auch ein fester Verrentungsfaktor verbessert die Situation für den Kunden nicht unbedingt. "Der Versicherer bietet dann eben einen entsprechend geringeren Rentenfaktor", sagt Kleinlein. Bei vielen Verträgen müsste ein Kunde weit über 100 Jahre alt werden, um die Summe der eingezahlten Beiträge über die Rentenzahlungen zurückzuerhalten. "Planbarkeit ist mit diesen Produkten nicht möglich", so das Fazit des BdV-Chefs. "Die Verbraucher sollten sich von dem Mythos lösen, dass sie mit Versicherungsprodukten sinnvoll ihre Altersvorsorge gestalten können."

Auch die Steuervorteile, die Fondspolicen bieten sollen, sind kein Argument, findet Kleinlein. "Viele Verbraucher lassen sich von der vermeintlichen Steuerersparnis locken", sagt er. "Die Gebühren der Anbieter betragen aber oft ein Vielfaches der eingesparten Steuern."

Die Versicherer führen die Sicherheit an, die ihre Policen im Gegensatz zu Direktanlagen in Fonds bieten. "Die Kunden haben immer die Gewissheit, dass sie ihre Beiträge und auch die Gewinne aus den Vorjahren nicht verlieren können, selbst wenn der Index sich negativ entwickelt", betont eine Allianz-Sprecherin und sagt: "Wir garantieren schon bei Vertragsabschluss eine Mindestrente, mit der ein Kunde sicher planen kann." Außerdem sichere der Anbieter Kunden zu, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge bereitstehen. "Und wir zahlen die Rente, wie bei jeder Rentenversicherung, immer lebenslang." Die Hamburger Verbraucherschützerin Hußmann-Funk rät dennoch von Indexpolicen ab. "Wir empfehlen als Alternative einen einfach gestalteten, transparenten und preiswerten Fondssparplan auf ETF-Basis."

Altersvorsorge

Verantwortlich: Peter Fahrenholz

Redaktion: Katharina Wetzel

Anzeigen: Jürgen Maukner

© SZ vom 11.05.2019
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