Heute schon über die Inflation geärgert? Viele Deutsche tun dies bekanntlich gern beim Dönerkauf. Das hat vielleicht auch etwas mit der Verträglichkeit zu tun: So teuer das Fleisch im Brot auch geworden sein mag, hin und wieder leisten können es sich die meisten dann doch. Schwerer hat es, wer heutzutage ein Haus kaufen will. Wenn hier die Preise um wenige Prozente steigen, bedeutet das gleich viele Tausend Euro Aufpreis. Da gäbe es dann eine ganze Reihe Döner für.
Wie viel teurer die Immobilien genau geworden sind, hat nun der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) ermittelt. Der sammelt die Daten von mehr als 700 Kreditinstituten ein, die Immobilienkäufe finanziert haben. Daraus berechnet der Verband jedes Quartal relativ genau, wie hoch die Immobilienpreise gestiegen sind. Die neusten Zahlen lagen der Süddeutschen Zeitung vor Veröffentlichung zur Auswertung vor. Und sie liefern dieses Ergebnis: Um etwa 4,2 Prozent sind Wohnhäuser und Eigentumswohnungen von Ende 2024 bis Ende 2025 teurer geworden.
Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen den Städten. Unter den sieben größten Städten Deutschlands war der Anstieg in Frankfurt am größten, dort lagen die Immobilienpreise um fast 5,7 Prozent höher als im Vorjahr. In Berlin lag der Anstieg nur einen halben Prozentpunkt über dem deutschlandweiten Durchschnitt – dafür sind die Preise hier insgesamt höher als vielerorts sonst.
Preise für Gewerbe-Immobilien sind nicht so stark gestiegen
Der Anstieg der Kaufpreise reiht sich ein in einen längeren Trend: Von Anfang 2010 bis Ende 2025 sind die Preise für Wohnimmobilien um mehr als 100 Prozent gestiegen. Sie verdoppelten sich also. Deutlich weniger nach oben gingen dafür die Preise von Gewerbe-Immobilien wie Läden oder Büros. Sie stiegen um etwa 35 Prozent.
Wie kommt das? VDP-Sprecher Carsten Dickhut sagt, letztlich sei alles eine Frage von Angebot und Nachfrage. In Läden und Büros schlage sich die noch immer schwache Wirtschaftslage auf den Preis nieder. Weniger Menschen sind daran interessiert, ein neues Geschäft aufzumachen, während andere ihres aufgeben und die Fläche frei wird. Außerdem machten sich die Home-Office-Regeln nach der Corona-Pandemie bemerkbar: Vielerorts werde weniger Bürofläche gebraucht, dadurch erhöhe sich das Angebot an Immobilien, und der Preis bleibt niedrig.
Auf dem Wohnungsmarkt hingegen gibt es immer noch wenig Häuser und noch weniger Neubauten, obwohl viele Menschen gern ein Eigenheim hätten. Also steigen die Preise für die vorhandenen Immobilien. In Berlin stiegen die Preise von 2010 bis Ende vergangenen Jahres sogar um fast 220 Prozent – also auf das Dreifache des damaligen Preises.
Nur nach Beginn des Ukraine-Krieges sanken die Preise zwischenzeitlich. Den meisten Kaufinteressenten half das allerdings wenig: Dickhut zufolge war der Hauptgrund für die fallenden Preise, dass damals die Zinsen stark gestiegen waren. Weil viele Menschen deshalb zögerten, Häuser zu kaufen, wurden die etwas billiger. Mittlerweile hätten sich die Zinsen aber wieder eingependelt und die Käufer daran gewöhnt, was die wieder gestiegene Nachfrage und den damit höheren Preis erkläre. Der ist nun etwa so hoch wie vor Beginn des russischen Angriffs.

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Sollten Kaufinteressenten jetzt also zuschlagen – oder doch besser abwarten, bis der Preis wieder fällt? Wer sein Traumhaus bereits im Blick und die Finanzierung dafür geklärt hat, sollte den Zeitpunkt jetzt nutzen, rät Dickhut. „Perspektivisch können die Preise eigentlich nur weiter nach oben gehen.“ Selbst wenn wieder mehr Neubauten geschaffen würden, werde sich das erst in ein paar Jahren auswirken. Und bisher sehe es noch wenig danach aus.
Mietpreise steigen am stärksten in Berlin
Nun will längst nicht jeder eine Immobilie kaufen, vielen dürfte schlicht das Geld dafür fehlen. Auswirkungen haben die gestiegenen Kaufpreise aber auch für sie: Die Mieten werden ebenfalls teurer. Um etwa 84 Prozent sind die Kaltmieten seit 2010 in neuen Verträgen gestiegen, auch das ergibt die Auswertung des VDP. In Berlin stiegen sie sogar um 140 Prozent, also fast das Zweieinhalbfache des Mietpreises von 2010.
Wenn man daran etwas Positives ablesen will: Wer nur mietet, ist über die Jahre von den Preisanstiegen nicht ganz so sehr betroffen wie alle, die kaufen wollen. Da war der Anstieg seit 2010 mit mehr als 100 Prozent ja noch stärker. Und auch innerhalb des vergangenen Jahres stiegen die Mieten nicht ganz so sehr wie die Kaufpreise.
Man kann den Vergleich der Zahlen aber auch negativer auslegen: Die Mieten steigen, egal was passiert. Während interessierte Hauskäufer geschickt sparen und dann sogar von hohen Zinsen profitieren könnten, gehen die Mietpreise einfach immer weiter hoch. Und es spricht alles dafür, dass das auch in den nächsten Jahren noch so weitergeht.

