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Immobilienmarkt:Preise für Immobilien im Umland großer Städte steigen extrem

Stadtansicht Stuttgart

Wohnen im Grünen ist nicht überall eine günstige Alternative zu den Innenstädten.

(Foto: Marijan Murat/dpa)
  • Vor allem Familien verlassen die großen Städte, um den hohen Preisen für Häuser und Wohnungen zu entkommen.
  • Das führt allerdings dazu, dass auch in den kleineren Städten im Umland die Preise extrem steigen.
  • Teilweise ist das Eigentum dort doppelt so teuer wie noch vor fünf Jahren.

Dass die Münchner an einem sündhaft teuren Flecken wohnen, daran haben sie sich schon gewöhnt. In keiner anderen deutschen Stadt sind die Immobilienpreise so hoch wie an der Isar. Nun zeigen Daten des Online-Portals Immowelt, wie stark das hohe Preisniveau inzwischen auf das Umland abfärbt. Jede größere Stadt, in der ein Regionalexpress nach München hält, hat demnach in den vergangenen Jahren einen Immobilienboom erlebt.

So kostet etwa in Rosenheim ein durchschnittlicher Quadratmeter Wohneigentum heute fast doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Die Stadt am Inn belegt inzwischen Rang drei der teuersten Mittelstädte Deutschlands, berichtet Immowelt. Das Portal hat die Angebotspreise von Häusern und Wohnungen in allen Städten mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern verglichen.

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Das Ergebnis: In Süddeutschland steigen die Preise besonders schnell. Rosenheim wird in der Statistik direkt gefolgt von Landshut, wo die Preise in den vergangenen fünf Jahren um 74 Prozent gestiegen sind. Die Hauptstadt Niederbayerns verzeichnet heute die höchste Einwohnerzahl ihrer Geschichte.

Bundesweit bemerken Forscher eine "unfreiwillige Stadtflucht": Immer mehr Inländer ziehen von den teuren Ballungszentren weg ins Umland. "Angesichts der hohen Preise in den Kernstädten suchen sich immer mehr Bauherren bezahlbare Alternativen außerhalb der Großstädte", sagt Harald Herrmann, Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Großstädte wie Frankfurt oder Düsseldorf wachsen zwar trotzdem, weil viele junge Menschen dort hinziehen; zudem ist die Zuwanderung aus dem Ausland gestiegen. Doch gerade Familien zieht es häufiger raus in die Vorstädte.

So kommt es, dass etwa in Bad Homburg die Immobilienpreise in den vergangenen fünf Jahren um 64 Prozent gestiegen sind. Die Stadt am Taunus ist sowohl mit der U-Bahn als auch mit der S-Bahn an Frankfurt angebunden - und gilt dort als beliebter Wohnort. Auch die nordrhein-westfälische Stadt Meerbusch findet sich unter den teuersten zehn Mittelstädten. Sie grenzt direkt an Düsseldorf und ist ans dortige Stadtbahnnetz angeschlossen.

Konstanz ist am teuersten und zieht sogar Käufer aus der Schweiz an

Seit dem Jahr 2010 steigen die Kaufpreise für Grundstücke, Häuser und Wohnungen in Deutschland kräftig an - vor allem, weil die Bauzinsen auf ein historisches Tief von weniger als zwei Prozent pro Jahr gefallen sind. Käufer und Bauherren können sich teurere Immobilien leisten, weil Kredite so günstig geworden sind. Allerdings ist der Boom sehr ungleich verteilt: Während es in Regionen mit viel Leerstand schwierig ist, Immobilienkäufer zu finden, steigen die Preise vor allem in Universitätsstädten in nie da gewesene Höhen.

Den Immowelt-Daten zufolge ist Tübingen inzwischen die zweitteuerste Mittelstadt Deutschlands, mit durchschnittlichen Preisen von mehr als 3800 Euro pro Quadratmeter. Genauso wie Waiblingen liegt das Hochschulstädtchen in günstiger Pendelentfernung zu Stuttgart.

Die teuerste Mittelstadt ist hingegen Konstanz, mit einem Schnitt von mehr als 4100 Euro pro Quadratmeter. Die Stadt am Bodensee zieht nicht nur Studenten, sondern auch Käufer aus der Schweiz an, deren Währung in den vergangenen zwei Jahren stark aufgewertet hat. Denn verglichen mit Preisen, die in anderen europäischen Großstädten wie Zürich oder London abgerufen werden, gelten Immobilien in Deutschland immer noch als günstig. So nehmen das zumindest ausländische Käufer wahr. Manche Inländer sehen sich hingegen zum Wegziehen gezwungen.

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