Immobilienmarkt:Krise in China spitzt sich zu

Immobilienmarkt: Eines der Bauprojekte von Evergrande in der chinesischen Provinz Jiangsu: Das Unternehmen ist in existenzbedrohenden Turbulenzen.

Eines der Bauprojekte von Evergrande in der chinesischen Provinz Jiangsu: Das Unternehmen ist in existenzbedrohenden Turbulenzen.

(Foto: Jessica Yang/AFP)

Der hoch verschuldete Konzern Evergrande will Investoren jetzt mit Immobilien auszahlen. Die Führung hat Fehler zugegeben.

Der angeschlagene chinesische Immobilienkonzern Evergrande will in der Not Investoren mit Immobilien auszahlen. Man habe mit diesem Vorgehen bereits begonnen, teilte eine Unternehmenssparte mit. Über den Messengerdienst Wechat erklärte der Konzern, dass Anleger, die an der Rückgabe von Vermögensverwaltungsprodukten gegen Sachwerte interessiert sind, sich an ihre Anlageberater wenden oder eine lokale Niederlassung aufsuchen sollten.

Es geht um hohe Summen: Dem Finanzmagazin Caixin zufolge stehen bei Evergrande Vermögensverwaltungsprodukte im Volumen von schätzungsweise 40 Milliarden Yuan, das sind rund 5,3 Milliarden Euro, aus. Solche Produkte werden in der Regel von Kleinanlegern gehalten.

Spezifische Zahlungsmethoden und Details seien abhängig von den örtlichen Bedingungen, sagte ein Vertreter des Kundendienstes. Einem Vorschlag zufolge, der von Evergrande aber nicht bestätigt wurde, können die Anleger für die Rückzahlung zwischen vergünstigten Wohnungen, Büros, Einzelhandelsflächen oder Parkplätzen wählen.

Verspätete Zinszahlungen, dann brach der Kurs ein

Der zweitgrößte Immobilienentwickler in China bemüht sich derzeit händeringend, frische Mittel aufzutreiben, um seine zahlreichen Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Er leidet unter einer Schuldenlast von mehr als 300 Milliarden Dollar.

Am Samstag hatte der Konzern zudem Fehlverhalten einiger Führungskräfte eingeräumt. Sie hätten Investmentprodukte des Unternehmens vorzeitig abgelöst. Die Vorgänge seien sehr ernst und die Manager aufgefordert worden, die vorzeitig erhaltenen Gelder zurückzuzahlen.

Evergrande war im Juni mit Zinszahlungen für Anleihen in Verzug geraten. Die darauf folgenden Herabstufungen der Bonitätsnote durch Ratingagenturen hatten den Aktienkurs einbrechen lassen. Seit Jahresbeginn ist der Aktienwert des Konzerns um drei Viertel gefallen. An diesem Montag bleiben die Börsen in China feiertagsbedingt geschlossen. Die chinesische Zentralbank und die Finanzaufsicht riefen im August das Evergrande-Management dazu auf, Schulden zu reduzieren und den Konzern zu stabilisieren. Ob das gelingen kann, ist offen. Am Montag vergangener Woche hatten aufgebrachte Anleger die Lobby des Hauptsitzes von Evergrande in Shenzen gestürmt und ihr Geld zurückverlangt.

© SZ/Reuters
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