Immobilienmarkt:Im Kaufrausch

Der Immobilienkonzern TLG sammelt 100 Millionen Euro für weitere Zukäufe ein. Der Vermieter Vonovia setzt seine Einkaufstour fort und übernimmt die IVV-Gruppe.

Von Benedikt Müller

Es gab Zeiten, da war es in der Immobilienwirtschaft noch umstritten, ob ihr Geschäft skalierbar ist oder nicht: Machen wenige große Konzerne wirklich mehr Gewinn als viele kleine Firmen, die vor Ort gut positioniert sind? Ja, sagen die Konzerne heute. In Zeiten niedriger Zinsen können sie sich günstig verschulden; gleichzeitig legen Investoren viel Geld in die Branche an, weil Immobilien immer wertvoller werden. Die Konzerne nutzen das Kapital, um fleißig kleine Mitbewerber aufzukaufen.

Am Mittwoch hat der größte Vermieter des Landes, Vonovia, einen weiteren Zukauf bekannt gegeben. Der Dax-Konzern übernimmt zum Jahreswechsel die IVV-Gruppe, die 16 000 Wohnungen rund um Köln, Bonn und Düsseldorf verwaltet. Die IVV besitzt die Immobilien allerdings nicht. Vonovia übernimmt lediglich die Dienstleistungen, vom Callcenter bis hin zum Hausmeister. "Mit der Integration werden wir Synergien heben und Mehrwert im Sinne unserer Kunden schaffen", sagt Gerald Klinck, oberster Controller von Vonovia. Von den 70 IVV-Beschäftigten soll aber niemand entlassen werden.

Vor einer Woche hatte bereits der drittgrößte deutsche Vermieter LEG das Marktumfeld genutzt. Der Konzern, der aus der Entwicklungsgesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen hervorgangenen ist, gab neue Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Euro aus. Damit finanzierte die LEG den Kauf von gut 13 000 Einheiten.

Neben dem Handel mit Wohnungen boomt zurzeit auch der Markt für Büro- und Handelsimmobilien. Der Vermieter TLG sammelte in der Nacht zu Mittwoch gut 100 Millionen Euro von Investoren ein. Mit dem Geld will die frühere Tochter der Treuhandanstalt weitere Gewerbeimmobilien in Berlin und Ostdeutschland kaufen. Der Konzern prüfe bereits aussichtsreiche Objekte, heißt es.

Der Konzentrationsprozess auf dem deutschen Immobilienmarkt könnte Ende des Monats darin gipfeln, dass der Marktführer Vonovia den größten Mitbewerber Deutsche Wohnen übernimmt. Vertreter der Belegschaft kritisieren, die Fusionen nützten nur einigen wenigen Investoren. Stets gingen sie mit Einsparungen zulasten der Beschäftigten einher. Der Deutsche Mieterbund warnt, die Platzhirschen könnten ihre regionale Marktmacht für Mieterhöhungen nutzen. Vor allem aber entstehe durch die vielen Deals keine einzige neue Wohnung.

© SZ vom 19.11.2015
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