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Nach Corona:Das Eigenheim bleibt teuer

Corona-Fragen

Eine Frage, eine Antwort: Warum steigen die Preise für Immobilien immer weiter?

Von Thomas Öchsner

Der Gedanke liegt ziemlich nahe, zumindest für diejenigen, die genug Geld auf dem Konto haben: Jetzt sollte eine gute Gelegenheit sein, eine Immobilie zu kaufen. Müssten doch in Zeiten von Corona und Wirtschaftskrise, in der das Bruttoinlandsprodukt um historische zehn Prozent gesunken ist, auch die Preise für Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäuser fallen. Um so größer ist die Enttäuschung, wirft man einen Blick auf die Immobilienangebote.

Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in München-Schwabing, gerade mal 41 Quadratmeter groß, Baujahr 1998, gibt's für 625 000 Euro. In Berlin-Wittenau kostet ein "Architektenhaus im Bauhausstil", fünf Zimmer, knapp 1,3 Millionen. Und selbst in Städten wie Augsburg oder Landsberg am Lech wird es immer teurer. Empirische Analysen bestätigen den subjektiven Eindruck: Die Immobilienpreise sind 2020, erst recht in den gefragten Standorten, weiter zum Teil kräftig gestiegen, daran hat auch die Pandemie zunächst nichts geändert. Nur, woran liegt das?

Neubauten in München – Eigentum ist hier für die meisten zu teuer.

(Foto: Catherina Hess)

Corona, darüber sind sich die Experten einig, hebt den Markt für Wohnimmobilien nicht aus den Angeln - gewohnt wird immer. Bezahlbare Wohnungen sind, vor allem in den Groß- und Universitätsstädten, eine knappe Ware. Was den seit mehr als einem Jahrzehnt währenden Immobilienboom in Deutschland beschleunigt hat, ist geblieben: Die Zinsen sind niedrig, Baukredite gibt es von den Banken und Sparkassen mittlerweile fast schon geschenkt. Bei den Notenbanken sitzen die Billionen locker. Es ist weltweit viel Geld im Markt, das angelegt werden muss - und höhere Renditen bringen soll als magere Zinsen für Anleihen oder Festgeld. Große Investoren, zum Teil aus dem Ausland, setzen deshalb auf den deutschen Markt für Wohnimmobilien - hier sehen sie immer noch Nachholpotenzial, nicht nur etwa in Berlin, auch außerhalb der Metropolen, in den sogenannten Schwarmstädten, in die es jetzt gerade junge Menschen zieht, die in den Großstädten keine für sie bezahlbare Wohnung mehr finden. Und die von manchen Experten schon vor Jahren prognostizierte Preisblase, vor der selbst die Bundesbank wiederholt gewarnt hat, ist auch nicht geplatzt: Weder gibt es ein Überangebot von Wohnungen, noch viele Notverkäufe, noch Hinweise darauf, dass sich Kreditnehmer mit Immobilienkrediten übernehmen und die Banken leichtfertig Kredite unters Volk verteilen.

Bleibt die bittere Erkenntnis: Die eigenen vier Wände bleiben für viele Menschen unbezahlbar.

© SZ vom 10.08.2020

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