Geldanlage Offene Immobilienfonds wissen nicht, wohin mit dem Geld

Immobilienfonds finden derzeit gar nicht genug Gebäude, um das viele Geld anzulegen. Im Bild: Ein Gebäudekomplex am Münchner Arabellapark.

(Foto: Robert Haas)
  • Wegen der niedrigen Sparzinsen sind offene Immobilienfonds bei Anlegern derzeit sehr beliebt - sie legen so viel darin an wie seit Jahren nicht mehr.
  • Für die Fonds wird es immer schwieriger, das viele Geld anzulegen. Die ersten Banken nehmen deshalb keine neuen Einzahlungen mehr an.
Von Benedikt Müller

Wer gerne in Immobilien investieren will, sich aber kein ganzes Haus leisten kann, dem bleibt eine Alternative: der offene Immobilienfonds. Der sammelt das Geld vieler Sparer und kauft davon Bürohäuser, Einkaufszentren oder Hotelgebäude. Wenn die Mieten steigen und die Gebäude an Wert gewinnen, profitiert der Anleger. Denn dann wird auch sein Fonds-Anteil wertvoller. Nach den Beben der Finanzkrise von 2008 funktioniert das wieder: Offene Immobilienfonds werfen zwei bis drei Prozent Rendite pro Jahr ab. Da gleichzeitig Sparzinsen gen null gehen und Aktienkurse stark schwanken, werden die Fonds bei Anlegern wieder beliebter.

Alleine im ersten Quartal 2016 haben Sparer in Deutschland 2,3 Milliarden Euro neu in offene Immobilienfonds angelegt, so viel wie seit sechs Jahren nicht mehr, berichtet der Bundesverband Investment und Asset Management.

Doch für die Fonds wird es schwieriger, das viele Geld anzulegen. Denn in Zeiten niedriger Zinsen konkurrieren Investoren weltweit um Immobilien in guten Lagen. Kaufpreise steigen vielerorts schneller als Mieten. Für Investoren bedeutet das: Die Renditen gehen zurück. "Die Fondsmanager wissen derzeit einfach nicht, wohin mit all dem Geld", sagt Sonja Knorr von der Ratingagentur Scope. Finden sie keine Kaufobjekte, dürfen sie das Geld zwar zum Teil in Tagesgeld oder sichere Anleihen anlegen. Doch dabei können sie Negativzinsen kaum entgehen.

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Immer mehr offene Immobilienfonds lehnen neue Einmal-Anlagen ab

Erste Anbieter haben deshalb einen "Cash-Stopp" verhängt. Bei der Volksbank können Kunden ihr Erspartes zurzeit nicht in Immobilienfonds anlegen. Denn das Fondshaus Union Investment nimmt "bis auf Weiteres" keine Einmal-Anlagen mehr an. Wann die Immobilienfonds wieder öffnen, ist unklar. "Das Geld muss erst mal wieder angelegt werden", heißt es. Nur wer einen Sparplan abgeschlossen hat, also jeden Monat einen kleinen Betrag in einen Immobilienfonds einzahlt, darf bei Union Investment noch einzahlen.

Ob man bei der Sparkasse in einen offenen Immobilienfonds einsteigen kann, kommt darauf an, in welcher Filiale man fragt. Das Fondshaus Deka vergibt Jahr für Jahr Kontingente, welche regionale Sparkasse wie viele neue Fonds-Anteile verkaufen darf. Bei Immobilienfonds sei man noch nicht komplett ausverkauft, heißt es bei Deka. Man werde die Nachfrage in diesem Jahr aber nicht komplett befriedigen können.