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Immobilien:Scout 24 schüttet sehr viel Geld aus

Wohnungsbesichtigung

Wohnungsbesichtigungen sind derzeit wegen der Corona-Krise nicht möglich - das spürt das Unternehmen.

(Foto: Lukas Schulze/dpa)

Die Onlinefirma plant Aktienrückkäufe in Höhe von fast 1,7 Milliarden Euro.

In sehr unruhigen Zeiten halten die Unternehmen ihr Geld gerne zusammen, um für alles gewappnet zu sein. So haben einige Firmen wie etwa Lufthansa bereits angekündigt, die Dividende ausfallen zu lassen, damit keine Liquidität abfließt, die in der Coronavirus-Krise vielleicht noch gebraucht wird. Bei der Scout 24-Gruppe, auf Online-Kleinanzeigen spezialisiert, sieht man das anders.

Das Unternehmen plant nach Angaben von Vorstandschef Tobias Hartmann inmitten der Wirtschaftsturbulenzen Aktienrückkäufe in Höhe von etwa 1,7 Milliarden Euro, das dürfte angesichts der Größe des Unternehmen fast einmalig sein, ist die Firma doch derzeit an der Börse 5,5 Milliarden Euro wert. Die Scout 24-Aktie, die zuletzt bis auf 42 Euro gefallen war, legte am Donnerstag um 1,6 Prozent auf 53,15 Euro zu. Scout-Chef Hartmann war zuletzt unter Druck von aggressiv auftretenden Investoren gekommen und hatte sich schließlich dazu entschlossen, einen Großteil des Geschäftes zu verkaufen.

So werden Autoscout und Finanzcheck an den Finanzinvestor Hellman & Friedman abgegeben, der zahlt dafür rund 2,8 Milliarden Euro. Das Geschäft soll im ersten Halbjahr abgeschlossen werden. Scout 24 konzentriert sich nun nur noch auf das Immobiliengeschäft. Der Erlös aus dem Autoscout-Verkauf soll größtenteils an die Aktionäre gehen. So wird zum einen die Dividende für 2019 auf 90 Cent pro Aktie angehoben, das schlägt mit 94 Millionen Euro zu Buche. Dann werden weitere Aktien für eine knappe halbe Milliarde Euro zurückgekauft. Die nächste Hauptversammlung soll zudem unter anderem eine Kapitalherabsetzung beschließen, so dass Anteile im Wert von einer Milliarde Euro eingezogen werden können. Auch sollen Verbindlichkeiten in Höhe von 780 Millionen Euro abgelöst werden, so dass Scout 24 damit nahezu schuldenfrei wäre.

Firmenchef Hartmann gestand gleichzeitig ein, dass die Corona-Epidemie auch das Geschäft treffen werde, eine Prognose für 2020 wollte er nicht mehr abgeben, die bisherigen Wachstumsziele wurden kassiert. "Wir sehen grundsätzlich kein Fragezeichen am Immobilienmarkt", sagte er aber. Immobilien zählten zu den beliebtesten Geldanlagen, der Motor werde wieder anspringen. Immoscout sei in Deutschland das "Google für Immobilien".

Gleichzeitig sind derzeit aber in der Regel weder Verkaufstermine beim Notar noch Besichtigungen für Miet-oder Kaufobjekte möglich. Das merke Scout 24. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen im fortgeführten Immobiliengeschäft ein Umsatzplus von knapp zehn Prozent auf 350 Millionen Euro und eine operative Marge von knapp 60 Prozent, was einem Gewinnanstieg um 10,9 Prozent auf 209 Millionen Euro bedeutet.

© SZ vom 27.03.2020
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