Süddeutsche Zeitung

Immobilien:Schöner wohnen in Hollywood

Lesezeit: 4 min

Traumrenditen mit Immobilien? Nichts leichter als das, zumindest für die Hollywood-Prominenz: einziehen, ausziehen, fertig ist der Wertzuwachs. Ein Einblick in einen herrlich verrückten Markt.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gibt ein witziges Spiel in Hollywood, das gerade seinen 20. Geburtstag feiert und bei dem jeder Schauspieler mit einer Nummer versehen wird. Six degrees of Kevin Bacon heißt es und geht auf die Behauptung von Bacon im Jahr 1994 zurück, quasi mit jedem Kollegen bereits gearbeitet zu haben.

Drei College-Studenten haben daraufhin eine Liste erstellt, wer auf welche Weise mit Kevin Bacon verbandelt ist. Elvis Presley etwa hat die Bacon-Nummer 1, weil er einst gemeinsam mit Edward Asner in "Change of Habit" vor der Kamera stand und Asner mit Bacon "JFK" drehte. Es gibt mittlerweile zahlreiche Ableger dieses Spiels. Die Internetseite whodatedwho.com zeigt Verbindungen von Stars aufgrund ihrer Techtelmechtel an.

Was allerdings auch möglich wäre: die Stars über ihre Immobilien zu verbinden. Die spielen derzeit ganz offensichtlich eine Mischung aus "Monopoly" und "Reise nach Jerusalem". Auf der Internetseite der Los Angeles Times gibt es gar eine eigene Rubrik für Promi-Häuser. Es folgt ein kurzer Überblick über die herrlich verrückten Besitzerwechsel der vergangenen Wochen:

Kaley Couco-Sweeting ("The Big Bang Theory") und ihr Ehemann, der Tennisprofi Ryan Sweeting, kauften kürzlich für 5,49 Millionen US-Dollar die Villa, in der zuvor Reality-Soap-Star Khloe Kardashian und der Basketballspieler Lamar Odom gewohnt hatten. Kardashian hat mittlerweile die Scheidung eingereicht, weshalb sie auch unbedingt dieses Haus loswerden wollte, das sie vor vier Jahren für 3,95 Millionen Dollar erworben hatten.

Cuoco-Sweeting dagegen möchte nun ihr südländisches 2,79-Millionen-Häuschen im Stadtteil Sherman Oaks verkaufen, was vielleicht interessant für den ehemaligen Footballspieler Keyshawn Johnson sein könnte. Der hat nämlich in der vergangenen Woche seine Villa für mehr als acht Millionen Dollar an Kardashians Schwester Kourtney verkauft.

Es gibt noch eine dritte Kardashian-Schwester: Kim hat gemeinsam mit dem Musiker Kanye West für elf Millionen Dollar ein gerade erst errichtetes Haus in Bel Air gekauft - und sie bauen es für sechs Millionen Dollar um. In der Serie "Keeping Up with the Kardashians" werden übrigens bei Außenaufnahmen gar nicht die Villen der Schwestern gezeigt. Das kam nun heraus, weil die mehr als 30 Kilometer entfernte Villa, die in der Serie immer wieder zu sehen ist, nun für 6,2 Millionen Dollar angeboten wird.

Khloe dagegen renoviert dagegen gerade das Haus, das sie kürzlich für 7,2 Millionen Dollar von Justin Bieber gekauft hat. Der hatte einst 6,5 Millionen Dollar dafür bezahlt, zog nun jedoch aus dieser Gegend lieber mal weg - er hatte das Haus der Nachbarn Jeffrey und Suzie Schwartz mit Eiern beworfen und dabei einen Schaden von mehr als 20 000 Dollar angerichtet. Suzie Schwartz sagte zum Verkauf: "Mir ist eine Kardashian an jedem Tag der Woche lieber als Bieber. Es wird bestimmt großartig für uns." Auch Britney Spears zieht aus der Bieber-Gegend weg, sie hat sich für 8,5 Millionen Dollar eine Villa im Vorort Sherman Oaks gekauft.

"Geld spielt dabei natürlich keine Rolle"

Und Bieber? Der wollte vor zwei Jahren das Öko-Hightech-Haus in den Hollywood Hills haben, in dem Ashton Kutcher zur Miete wohnte. Der hat die Junggesellenbude jedoch selbst für mehr als zehn Millionen Dollar erworben. "Er hat mich gezwungen, ein Haus zu kaufen. Ich wollte es nicht verlieren", jammerte Kutcher, der mittlerweile Schauspielerin Mila Kunis einen Heiratsantrag gemacht und sie gebeten hat, bei ihm einzuziehen.

Bieber dagegen ist gerade dabei, ein Haus auf der englischen Insel Isle of Wight zu kaufen. "Geld spielt dabei natürlich keine Rolle", sagte ein Bekannter der Promi-Sendung TMZ: "Er will nur einen Rückzugsort haben, wenn ihm alles zu viel wird." Nur ein ganz böser Mensch wird nun sagen: eine dauerhafte Bleibe also.

Weg aus Hollywood, weg aus Los Angeles - das gilt offenbar auch für Leonardo DiCaprio, der zuletzt bei der Oscar-Verleihung eine erneute Niederlage hat hinnehmen müssen. Er war zum vierten Mal nominiert und bekam schon wieder keine Statue. DiCaprio hat sein Strandhaus in Malibu für 17,3 Millionen Dollar verkauft und sich eine Villa in der Wüste zugelegt, zwei Stunden östlich von Los Angeles und in der Nähe der Betty-Ford-Klinik. Kaufpreis: 5,23 Millionen Dollar. Die Sängerin Dinah Shore wohnte einst darin.

Keine Krise bei den Reichen und Superreichen

So geht es derzeit zu auf dem Häusermarkt der Reichen und Schönen in Los Angeles, zumindest in diesem Preissegment scheint die Immobilienkrise vorbei zu sein - die Stars verkaufen ihre Häuser derzeit mit saftigem Gewinn. Und natürlich gibt es auch noch einen Markt der Superreichen: Der ehemalige Baseballspieler Barry Bonds möchte für sein Schloss in Beverly Park gerne 22 Millionen Dollar haben, der Footballspieler Tom Brady und das Model Gisele Bündchen fordern 50 Millionen Dollar für ihre Villa in Brentwood, die sie sich vor fünf Jahren für 11,75 Millionen Dollar zugelegt und seitdem ausgebaut hatten. Jamie McCourt, Unternehmerin und ehemalige Eigentümerin des Baseballklubs Los Angeles Dodgers, verlangt 55 Millionen Dollar für ihr Anwesen in der Nähe der Playboy Mansion.

Dieses muntere Häuserwechseln freilich stellt eine ganz andere Branche in Los Angeles vor arge Probleme. Auf dem Hollywood Boulevard lungern jeden Tag nicht nur ein Michael-Jackson-Imitator und ein Spiderman mit nicht zu übersehendem Bierbauch herum, sondern auch Menschen, die Landkarten feilbieten, auf denen die Häuser der Stars vermerkt sind.

Seit einigen Monaten darf auf dem Walk of Fame nur noch Starline Tours offiziell Fahrten zu den Häusern anbieten, das Unternehmen gilt als seriös und gut informiert über die Besitzerwechsel. "Es ist unglaublich, wie schnell derzeit die Anwesen den Besitzer wechseln", sagt ein Starline-Tours-Mitarbeiter. "Vor 20 Jahren war so eine Rundfahrt einfach, die Besitzer waren bekannt. Heutzutage muss ich quasi jeden Monat neu lernen, wer denn nun gerade wo wohnt - und warum eigentlich."

Da ist es doch beruhigend, dass es auch noch Promis gibt, die nicht ständig umziehen - sie haben bereits ein Haus gefunden, das aufgrund des einstigen Bewohners wie die Faust aufs Auge passt. George Clooney präsentierte kürzlich seine neue Freundin, die Anwältin Alam Alamuddin. Dennoch wird er in seinem Haus auf der Nordseite der Hollywood Hills bleiben.

In dieser Villa wohnte einst, ja wirklich: Clark Gable.

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Quelle:
SZ vom 27.03.2014
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