bedeckt München 27°

Immobilien:Nicht nur München wird  günstiger

Ein Aben im Büro

Bürohaus in Freiburg: Die Mietpreise für Büros könnten fallen.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Ökonomen rechnen mit einem starken Rückgang der Mieten und Kaufpreise für Büros - auch weil in Zukunft mehr zu Hause gearbeitet wird.

Von Thomas Öchsner

Die durch die Corona-Pandemie bedingte Wirtschaftskrise wird die Kaufpreise und Mieten für Büros in großen Städten weltweit und damit auch in Deutschland deutlich nach unten ziehen. Das geht aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Demnach könnten die Büromieten zum Beispiel in München, Düsseldorf oder Frankfurt um die 15 Prozent zurückgehen, in Berlin sogar um 20 Prozent. Bei den Kaufpreisen könnten die Abschläge noch höher sein. Dies geht aus einer Hochrechnung des IW hervor. Die Kölner Ökonomen berufen sich dabei auf frühere Erfahrungen mit Wirtschaftskrisen.

"Wir rechnen mit einem gravierenden Abschwung auf dem Büromarkt", sagt IW-Immobilienexperte und Studienautor Michael Voigtländer. Die Perspektiven für den Büromarkt bezeichnet er in der Analyse als "düster". Der Grund: Die Nachfrage nach Büros dürfte nicht nur vorübergehend, sondern langfristig nachlassen. Vielen Arbeitnehmern hätte das Home-Office während der Krise gefallen, sie drängten darauf auch in Zukunft mehr zu Hause arbeiten. "Weil die Arbeitgeber so Kosten sparen können, werden sie der Forderung mittelfristig auch nachgeben. Dieser Trend dürfte dazu führen, dass die Büromieten- und -preise auch dann niedrig bleiben, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt", teilt das Kölner Institut mit.

Unter den großen deutschen Städten wirkt sich das besonders stark bei den Kaufpreisen für Büroimmobilien aus. So könnten laut IW die Kaufpreise in Berlin bereits von diesem Jahr an um bis 35 Prozent fallen - deutlich stärker als in früheren Krisen in den vergangenen 30 Jahren. In München hält das Institut einen Rückgang der Kaufpreise um 23 Prozent für möglich, in Frankfurt sogar um 32 Prozent. Das IW räumt jedoch ein, dass die Ergebnisse für einzelne Städte "mit Vorsicht" zu betrachten sind, da lokale Faktoren nicht berücksichtigt seien. Außerdem habe man sich auf die "Trophäen-Objekte" am Büro-Immobilienmarkt konzentriert, und bei diesen reagierten die Preise immer stärker als auf dem Durchschnittsmarkt.

Bedarf für Büros wird es laut der Untersuchung aber auch in Zukunft geben. Nur müssten die Investoren dabei Räume entwerfen, die der neuen Arbeitswelt gerecht werden. "Viele Firmen sehen Büros immer mehr als einen Ort des kreativen Austauschs, weniger als reine Arbeitsstätte", sagt IW-Experte Voigtländer. Ideen auszutauschen gelinge besser, "wenn sich Menschen in einem Büro treffen", heißt es in der Studie. Dafür sei aber eine andere Architektur gefragt, die den Austausch fördert. Dabei werde sich zeigen, ob zentral gelegene Büros immer der beste Platz für die Benutzer seien. Man könnte auch Büros in Vororte der Großstädte verlegen, wo die Mieten günstiger sind, so Voigtländer.

Und was könnten Büroinvestoren tun, die neue Projekte entwickeln? Sie sollten prüfen, ob sie eine andere Verwendung gleich mitplanen - etwa durch den Einbau von Wasserleitungen. Dann könnten die Eigentümer ein Bürohaus leichter in ein Wohnhaus umbauen.

© SZ vom 19.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite