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Immobilien - Hannover:Trotz steigender Baukosten: Tausende neue Wohnungen geplant

Bremen
Susanne Schmitt (l), Verbandsdirektorin des Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen und Bremen. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Hannover (dpa/lni) - Der Verband der Wohnungswirtschaft (vdw) warnt vor weiter steigenden Baukosten in Niedersachsen und Bremen. Binnen vier Jahren seien die Preise am Bau um rund 15 Prozent gestiegen, sagte vdw-Direktorin Susanne Schmitt am Donnerstag in Hannover. In Ballungsregionen wie Hannover lägen die Neubaukosten teils schon deutlich über 5000 Euro pro Quadratmeter. Eine kostendeckende Miete betrage dann mindestens 12 Euro pro Quadratmeter. Als einen Grund nannte die Direktorin die geringe Verfügbarkeit von Bauland für mehrgeschossige Häuser. "Land und Kommunen müssen alles dafür tun, dass sich diese Preisspirale nicht weiterdreht", forderte Schmitt.

Dennoch ist der Verband optimistisch, bis 2022 Tausende neue Wohnungen errichten zu können. Im Jahr 2019 haben die 172 Mitglieder - Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften - fast 1,4 Milliarden Euro in Neubau und Modernisierung investiert (2018: 1,2 Mrd. Euro). Bis 2022 wollen sie mit dem Bau von rund 8000 weiteren Wohnungen in Niedersachsen beginnen, 40 Prozent davon mit Förderung des Landes. In Bremen sind 2000 neue Wohnungen geplant.

Das gesamte Neubauvolumen in Niedersachsen und Bremen in den nächsten drei Jahren liege dann bei etwa 2,5 Milliarden Euro. Dadurch entstehe auch mehr bezahlbarer Wohnraum, versicherte Schmitt. Die durchschnittliche Miete, die die vdw-Mitglieder aktuell verlangen, liegt den Angaben zufolge bei 5,80 Euro pro Quadratmeter in Niedersachsen und 5,75 Euro pro Quadratmeter in Bremen.

Niedersachsens Landesregierung hatte angekündigt, bis 2030 insgesamt 40 000 neue Sozialwohnungen zu schaffen und dafür größere Anreize für Investitionen zu liefern. Weil die entsprechenden Richtlinien jedoch erst im vergangenen Juli in Kraft traten, seien die Förderungen im Jahr 2019 noch hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Schmitt. Im neuen Jahr sei die Zielgröße von 4000 neu geförderten Wohnungen zusammen mit privaten Investoren aber zu schaffen.

Besonders groß sei die Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungsräumen Hannover, Wolfsburg/Braunschweig und Osnabrück sowie in Bremen. "Da fehlen wirklich Wohnungen." Gleichzeitig gebe es auch schrumpfende Regionen mit Leerständen, etwa den Harz und Bremerhaven.

Ein Problem sieht der Verband über alle Landesteile hinweg in der mangelnden Verfügbarkeit von Bauland, gerade für Mehrfamilienhäuser. Zudem erschwere der Fachkräftemangel den Neubau. "Die Kapazitäten im Handwerk und bei der Bauindustrie sind offenbar erschöpft - schon bei der Kalkulation und dann natürlich auch bei der Ausführung", sagte Schmitt. Für eine Entspannung auf dem Immobilienmarkt brauche es außerdem einen gesellschaftlichen Wandel beim Thema Mobilität, damit ländlichere Gebiete besser an die Städte angeschlossen werden können.

"Wir müssen als Gesellschaft auch wieder bereit werden, mal eine neue Infrastruktur vor der Haustür zu akzeptieren", sagte Schmitt. Derzeit gebe es bei allen größeren Neubauvorhaben Proteste der Nachbarn. Dabei sei das Interesse am ländlichen Raum für Niedersachsen "eine Riesenchance", denn dort gebe es noch bezahlbaren Wohnraum.

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