Immobilien Es reicht nicht

In Berlin gibt es immer wieder Demonstrationen gegen "Miethaie". Der auf dem Plakat sieht freundlich aus.

(Foto: Christoph Soeder/dpa)

287 000 Wohnungen wurden 2018 in Deutschland fertiggestellt. Das liegt unter dem Ziel der Bundesregierung. Der Bedarf bei Sozialwohnungsbau ist viel höher.

Von Henrike Roßbach, Berlin

In Deutschland werden weiterhin weniger Wohnungen gebaut, als angesichts des Mangels notwendig wären - trotz des Baubooms. 287 000 Wohnungen seien 2018 fertig gestellt worden, sagte der Präsident der Bauindustrie, Peter Hübner, am Montag in Berlin. Dieses Jahr geht sein Verband von 300 000 fertig gestellten Wohnungen aus. Das Ziel der Bundesregierung aber sind 375 000 Wohnungen im Jahr. Der Wohnungswirtschaftsverband GdW bezifferte, ebenfalls am Montag, die Bedarfsdeckung beim Sozialwohnungsbau auf nur 34 Prozent. Von 2017 bis 2020 würden rund 172 000 Mietwohnungen aus der Sozialbindung herausfallen - mehr als seit 2008 insgesamt gebaut wurden.

Der knappe Wohnraum in den Städten, die steigenden Mieten, Immobilien- und Grundstückspreise stehen wieder einmal im Fokus. Für diesen Dienstag hat die Baubranche zum Tag der Bauindustrie geladen - just an dem Tag, an dem die Berliner Senatsregierung ihren umstrittenen Mietendeckel beschließen will. Fünf Jahre lang sollen die Mieten eingefroren werden.

In den vergangenen Jahren stand beim Tag der Bauindustrie oft die Bundeskanzlerin auf der Rednerliste; dieses Mal kommen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Angela Merkel (CDU) war stattdessen am Freitag auf dem Mietertag in Köln, wo sie davon sprach, dass bezahlbarer Wohnraum "ganz oben" auf der Tagesordnung der Regierung stehe, und dass es ansonsten nichts Gutes gebe, "außer man tut es", nämlich: bauen.

Dass gebaut wird, daran ließ Baupräsident Hübner am Montag keinen Zweifel. Für das laufende Jahr sagte er 8,5 Prozent nominales Umsatzwachstum voraus, statt der ursprünglich prognostizierten sechs Prozent. Real läge das Plus dann bei etwa drei Prozent. Der Verband rechnet derweil mit 20 000 neuen Arbeitsplätzen, dann wären 857 000 Menschen in der Branche beschäftigt. Am absoluten Tiefpunkt auf dem Bau, im Jahr 2009, waren es nur noch 705 000 gewesen. Gleichzeitig sitzt die Bauindustrie auf dem dicksten Auftragspolster ihrer Geschichte: 53 Milliarden Euro sind die Auftragsbestände derzeit wert. Und im ersten Quartal 2019 kamen noch einmal fast 18 Prozent mehr Aufträge rein als im ersten Vierteljahr 2018. "Alle Ampeln auf Grün", sagte Hübner.

Dass all das dennoch nicht reicht - daran will die Branche nicht schuld sein. An Kapazitätsengpässen jedenfalls liege es nicht, sagte Hübner und verwies auf die steigende Zahl der Beschäftigten, auch aus dem Ausland, und fast neun Prozent mehr Azubis. 2018 hätten sie fünf Prozent Produktionsplus gestemmt, da ließen sich die erwarteten drei Prozent dieses Jahr "problemlos bewältigen". Engpässe gebe es eher im Handwerk. Auch den Vorwurf überzogener Preissteigerungen weist die Branche von sich. 2018 seien die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes zwar um 5,6 Prozent gestiegen - vor allem aber wegen höhere Tariflöhne und Rohstoffkosten. "Wir haben auch höhere Margen", sagte Hübner, das wolle er nicht verhehlen. Die aber seien notwendig, um das Eigenkapital zu stärken und zu investieren. Für bezahlbaren Wohnraum müsse auch serielles und modulares Bauen gesetzt werden.

Dass der Wohnungsbau unter Plan liege, führt die Bauindustrie stattdessen auf zu wenig neu ausgeschriebenes Bauland und zu wenige Aufstockungen und Verdichtungen in den Städten zurück. Hinzu kommen noch Investoren, die sich den Neubau von Wohnungen zwar genehmigen lassen, dann aber erst einmal nicht bauen. Dieser "Planungsüberhang" liege bei einer halben Million genehmigter, aber nicht gebauter Wohnungen. Ein Grund sei, dass Investoren auf steigende Preise hofften und deshalb den Baubeginn verzögerten.