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Immobilien:Die Mieten steigen

Der neue Immobilienmarktbericht zeigt, wie für Häuser in Deutschland die Preise immer weiter steigen. Gründe für den Boom sind vor allem die Wohnungsknappheit und die niedrigen Zinsen.

Von Kristiana Ludwig, Berlin

Wer viel freies Kapital hat, kann sich glücklich schätzen. Unterstützt von niedrigen Zinsen können Häuslebauer und gewerbliche Investoren von dem Immobilienboom profitieren. Das Nachsehen hat der ganz normale Großstadt-Mensch, der zur Miete wohnt - und dafür immer mehr aufwenden muss.

(Foto: imago)

Ein Haus in München oder doch lieber ein Privatjet? Mit Preisen von durchschnittlich 8500 Euro pro Quadratmeter ist ein Eigenheim in der bayerischen Landeshauptstadt zu einem Luxusgut geworden. Wie auch in anderen deutschen Großstädten setzt sich hier seit Jahren ein Preiswettlauf fort. Immer mehr Bürger, die vom Land in die Stadt ziehen, Zuwanderer so wie große, oft asiatische Investoren liefern sich einen Kampf um die Wohnfläche. Das zeigt der neue Immobilienmarktbericht der amtlichen Gutachterausschüsse, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Eine immer größere Rolle spielen dabei Häuser und Wohnungen, in denen die Käufer selbst leben wollen. Durch die niedrigen Zinsen, sagte Matthias Waltersbacher vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung, sei es nach wie vor attraktiv, Geld in Immobilien anzulegen. Die Daten der Gutachter zeigen, dass im vergangenen Jahr zwar weniger verkauft wurde als 2014, aber dafür insgesamt mehr Geld floss. Dies bedeute, dass die Wohnungsknappheit die Preise - und damit auch die Mieten - immer weiter nach oben treibe.

In großen Städten stiegen die Mieten in zehn Jahren von sieben auf zehn Euro je Quadratmeter

In großen Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern haben die Mietpreise in den vergangenen zehn Jahren eine steile Entwicklung hingelegt. Aus durchschnittlich sieben Euro pro Quadratmeter wurden mehr als zehn Euro im Jahr 2016; in München liegt der Preis noch höher. In kleineren Städten stiegen die Mieten im selben Zeitraum um nur einen Euro, von sechs auf sieben Euro pro Quadratmeter.

Die geschäftsführende SPD-Bauministerin Barbara Hendricks sagt, sie wolle künftig Sozialwohnungen fördern. Dafür dürften nicht mehr allein die Bundesländer für den Wohnungsbau verantwortlich sein, sondern auch der Bund. Man sollte dafür das Grundgesetz ändern, fordert sie. Auch Jan-Marco Luczak von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion will einen Grundfreibetrag bei der Grunderwerbsteuer von 100 000 Euro einführen, um junge Familien beim Hauskauf zu unterstützen: "Für jedes im Haushalt lebende Kind soll der Freibetrag um weitere 50 000 Euro erhöht werden", sagt er. Luczak will außerdem vermeiden, dass diese Förderung einfach auf die Verkaufspreise draufgeschlagen wird.

Immerhin seien keine Preissteigerungen durch spekulative Käufe erkennbar, sagt die Gutachterin Anja Dierst, die den Bericht für Bund und Länder verantwortet hat. Bei Wohnimmobilien gebe es zwar an einzelnen Orten "Preisübertreibungen". Eine bundesweite Blase sei jedoch nicht feststellbar. Eben weil die Preise in vergangenen Jahren kontinuierlich stiegen, seien Wohnimmobilien als Geldanlage reizvoll. Eine Trendumkehr sei "nicht in Sicht".

Handels- und Bürogebäude wurden 2016 überwiegend in den sieben großen Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München erworben. Auch hier liegt der Süden Deutschlands preislich auf den Spitzenplätzen. Der durchschnittliche Gebäudepreis lag im vergangenen Jahr in Berlin bei 13 Millionen Euro verkauft - in München bei 42 Millionen Euro.

"Der erhebliche Bedarf an Wohnraum in den großstädtischen Wohnungsmärkten" könne am schnellsten durch Mehrfamilienhäuser gedeckt werden, schrieben die Gutachter in ihren Bericht. Diese waren zwischen 2014 und 2016 offenbar weniger begehrt: Hier veränderten sich die Kaufpreise kaum.

© SZ vom 13.12.2017
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