Immobilien Boom bei Neubauten könnte bald vorbei sein

In Deutschland wird aktuell noch viel gebaut.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Probleme der Baubranche sind vielfältig: Knappes Land, steigende Preise, fehlende Handwerker.
  • Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung warnt aber vor staatlichen Subventionen, die zu Mitnahmeeffekten führen können.
  • Gebäude aufstocken und Baulücken schließen sind zwei mögliche Maßnahmen.
Von Thomas Öchsner

Ob Dachdecker, Elektriker oder Heizungsinstallateur - die Wartezeiten für Handwerker haben sich 2017 enorm verlängert. Vor allem in den Großstädten und deren Umland kann es Wochen dauern, bis die Fachleute fürs Bauen anrücken. Und höhere Preise müssen die Kunden dann natürlich auch zahlen. Das dürfte vorerst so bleiben. Der Neubau von Wohnungen wird sich aber verlangsamen. Davon geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner neuen Prognose des Bauvolumens aus, die am Mittwoch offiziell veröffentlicht wird. "Im Wohnungsbau kündigt sich das Ende des Neubaubooms an", heißt es in der Studie des DIW, die das Berliner Institut jährlich im Auftrag des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung erstellt.

Die Bauwirtschaft gehört zu den maßgeblichen Treibern der guten Konjunktur in Deutschland. Das gilt vor allem für den Wohnungsneubau mit Zuwachsraten von jährlich teilweise mehr als zehn Prozent. 278 000 Wohnungen wurden 2016 neu errichtet. 2017 dürften es um die 300 000 gewesen sein. 2018 könnte die Zahl auf 320 000 steigen. Es geht also noch aufwärts, allerdings dürfte der Zuwachs "stark an Dynamik verlieren", stellen die DIW-Forscher Martin Gornig und Claus Michelsen in ihrer Untersuchung fest.

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Dafür sehen sie mehrere Gründe: Das ohnehin schon knappe Bauland in den gefragten Lagen der großen Städte wird noch knapper. Die Bauwirtschaft arbeitet an der Grenze ihrer Kapazitäten. Neues Personal einzustellen, fällt den Betrieben aber schwer, nicht nur weil der Nachwuchs in Deutschland fehlt. Auch anderswo in Europa sind Fachleute fürs Bauen zunehmend gesucht. "Konnten in den vergangenen Jahren fehlende Arbeitskräfte relativ problemlos aus der Europäischen Union rekrutiert werden, dürfte dies zunehmend schwerer fallen", heißt es daher in der Studie.

Hinzu kommt: Die Baupreise, die 2017 laut DIW um gut drei Prozent gestiegen sein dürften, werden wegen der starken Nachfrage auch 2018 und 2019 voraussichtlich um jährlich mehr als drei Prozent zulegen, gepaart mit höheren Preisen für Energie und Rohstoffe. Außerdem stagniert die Zahl der genehmigten Wohnungsneubauten. Bei den Genehmigungen zeichnet sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 ein Rückgang ab. "Der Eigenheimbau dürfte zudem unter den perspektivisch wieder steigenden Zinsen und den erheblich gestiegenen Bodenpreisen leiden", schreiben die DIW-Experten.

Unterm Strich werden der Prognose zufolge die Investitionen für den Wohnungsneubau nach Abzug der Preissteigerungen 2018 um knapp fünf Prozent und 2019 um nur noch knapp ein Prozent zulegen.

Der Mieterbund formuliert Forderungen

Was aber tun, wenn weiter nicht genug Wohnungen gebaut werden, um die Nachfrage zu decken? Was sollten Union und SPD beschließen, sollten sie erneut eine große Koalition bilden?

Der Deutsche Mieterbund spricht sich unter anderem für höhere Steuervorteile für Wohnungsinvestoren aus, verbunden mit einer neuen Mietpreisobergrenze. Der Präsident des GdW-Bundesverbands der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, sagt: "Die sinkenden Baugenehmigungszahlen sind ein Alarmsignal. Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau kann nur gestoppt werden, wenn zügig wirksame steuerliche Anreize gesetzt werden."

Die DIW-Forscher raten aber davon ab, schnell eine großzügige Förderung, wie etwa eine neue Sonderabschreibung für den Mietwohnungsbau, zu beschließen. Eine pauschale Förderung würde in der aktuellen konjunkturellen Lage nur dazu führen, dass Baufirmen und Verkäufer von Grundstücken und Immobilien noch höhere Preise verlangen. Großes Potenzial sehen sie dafür im Aufstocken von Gebäuden, der Bebauung in der zweiten Reihe und im Schließen von Baulücken. "Mit einer Investitionszulage für die Nachverdichtung könnte die Politik zusätzliche Investoren aktivieren", sagt Michelsen.

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