Immobilien Baufirmen finden kaum noch Flächen für neue Wohnungen

Mietshäuser in Hamburg (Archivbild): Vor allem in Städten ist der Wohnraum knapp.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)
  • Die Bundesregierung verfehlt ihr Ziel, jährlich 375 000 Wohnungen neu zu schaffen, nach Ansicht der privaten Immobilienwirtschaft deutlich.
  • Baufirmen beklagen einen Mangel an freien Flächen und nennen vor allem zwei Gründe dafür: Spekulanten, die ihre Grundstücke nicht bebauen und Kommunen, die immer weniger Flächen als Bauland ausweisen.
Von Andreas Remien, Berlin

Gut 1,5 Millionen Wohnungen will die Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode schaffen, das entspricht 375 000 pro Jahr. Dieses Ziel wird nach Auffassung der privaten Immobilienwirtschaft aber weit verfehlt. Es werden wohl kaum mehr als 250 000 neue Wohnungen jährlich gebaut, schätzt der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Das liegt vor allem daran, dass die Bauträger in vielen Städten kaum noch Flächen für den Wohnungsbau finden. Zu einem immer größeren Problem werden dabei auch Spekulanten, die Grundstücke kaufen oder schon besitzen, diese aber nicht bebauen lassen. Das zeigt eine Umfrage des BFW unter seinen 1600 Mitgliedsunternehmen, die etwa die Hälfte der Wohnungen in Deutschland planen und bauen.

Vor allem aus dem Ausland "fließt sehr viel Geld nach Deutschland", sagt BFW-Präsident Andreas Ibel. Wegen der niedrigen Zinsen wüssten viele internationale Anleger nicht, was sie mit ihrem Kapital machen sollten. "Das Geld geht dann oft in Grundstücke", berichtet Ibel. Die Käufer setzen darauf, dass die Preise für die Flächen weiter steigen - und haben an einer Bebauung kein großes Interesse. So beklagen der Umfrage zufolge 71 Prozent der befragten Bauträger, dass zunehmend mit Grundstücken spekuliert wird. Für die Wohnungsunternehmen ist das prekär, denn der Mangel an Bauland ist ohnehin schon ihr größtes Problem: Gut 95 Prozent der befragten Firmen geben an, dass die fehlende Verfügbarkeit von Grundstücken das größte Neubauhemmnis sei. Kritik übt die Branche auch an der Bundesregierung. Zum Thema Bauland habe der Wohngipfel im vergangenen Jahr "keinerlei Beschlüsse getroffen", bedauert Ibel. Stattdessen habe man das wichtige Thema an eine Baulandkommission wegdelegiert.

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Auch die Kommunen treten nach Ansicht der privaten Immobilienbranche auf die Bremse. So berichten fast 60 Prozent der privaten Bauträger, dass tendenziell nicht mehr, sondern weniger Bauland ausgewiesen wird. Immer wieder in der Kritik steht auch die Genehmigungspraxis: Zu lange Verfahren und eine umständliche Kommunikation mit den Behörden verteuern Neubauten laut BFW im Durchschnitt um zwölf Prozent.

Doch selbst wenn ein Grundstück gefunden und die Baugenehmigung da ist, können manche Wohnungsunternehmen nicht loslegen. Vom Lkw-Fahrer bis zum Fachplaner: Häufig fehlen den Firmen die nötigen Fachkräfte. Das zeigt auch die Umfrage unter den Bauträgern. Etwa 80 Prozent der Befragten finden es immer schwieriger, Arbeiter und Fachkräfte zu finden. Das liegt dem BFW zufolge auch daran, dass Bauen komplizierter wird. Immer mehr Auflagen führten außerdem dazu, dass die Kosten und damit am Ende auch die Preise und die Mieten steigen. "Das Baurecht muss dringend entschlackt und vereinfacht werden", fordert der BFW-Präsident.

Zumindest die Finanzierung ist für die Bauträger einfacher geworden. "Das ist aber auch der einzige positive Aspekt", sagt Ibel. Seit Jahren habe man auf bessere Rahmenbedingungen gehofft. "Es wird aber nicht besser", sagt er, "sondern schlechter."

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