Statistisches BundesamtMehr als 14 Prozent mehr Einfamilienhäuser

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In Deutschland wird wieder etwas mehr gebaut, vor allem Einfamilienhäuser. 
In Deutschland wird wieder etwas mehr gebaut, vor allem Einfamilienhäuser.  (Foto: Jan Woitas)

Der Wohnungsbau in Deutschland zieht wieder an, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus. Und eine Umfrage zeigt, dass viele junge Menschen das Ziel aufgegeben haben, auf ein Eigenheim zu sparen.

Nach langer Krise geht es im deutschen Wohnungsbau wieder bergauf. Die Zahl der Baugenehmigungen ging im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 Prozent nach oben. 110 000 neue Wohnungen wurden zwischen Januar und Juni gebaut, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allein im Juni wurden Zusagen für rund 19 000 Wohnungen erteilt und damit fast acht Prozent mehr als im Vorjahresmonat.  Allerdings ist es ein Wachstum von einem sehr niedrigen Niveau aus: 2024 war die Zahl der Baugenehmigungen – bezogen auf das erste Halbjahr – auf den niedrigsten Stand seit 2010 gesunken. Die infolge der Energie- und Inflationskrise gestiegenen Zinsen und teure Baumaterialien hatten den zuvor über Jahre anhaltenden Bauboom beendet.

Die Belebung in diesem Jahr geht nahezu ausschließlich die anziehende Nachfrage nach Einfamilienhäusern zurück. Hier gab es im ersten Halbjahr ein Plus von 14,1 Prozent, 21 300 neue Einheiten entstanden. Bei der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, den Mehrfamilienhäusern, stagnierte die Entwicklung aber nahezu: Hier wurden 57 300 Wohnungen genehmigt, ein mickriges Plus von nur 0,1 Prozent.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht noch keinen Grund zum Jubeln. „Denn der enorme Wohnungsmangel in Ballungsgebieten und ihrem Umland hält trotz hohem Bedarf weiter an“, sagte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Eines der größten Hemmnisse beim Wohnungsbau sei der Mangel an bezahlbarem Bauland.

Frische Impulse soll der sogenannte Bau-Turbo der Bundesregierung bringen. So sollen Kommunen die Möglichkeit erhalten, Genehmigungsverfahren zu straffen, indem sie von Bebauungsplänen abweichen können. Ziel ist es, dass schneller gebaut, nachverdichtet oder aufgestockt werden kann. Experten rechnen aber vorerst mit einem überschaubaren Effekt.

In Deutschland dürften im laufenden Jahr voraussichtlich 205 000 Wohnungen fertiggestellt werden und damit 19 Prozent weniger als 2024. Das sagt der Forschergruppe Euroconstruct voraus, zu der auch das Münchner Ifo-Institut gehört. Im kommenden Jahr, so prognostizieren die Wissenschaftler, soll es einen weiteren Rückgang von zehn Prozent auf 185 000 geben. Erst 2027 dürfte die Zahl der Fertigstellungen wieder steigen, auch dann soll es aber nur bei 195 000 liegen – weit weg vom Ziel von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr, das sich die Ampelregierung unter Führung von Olaf Scholz (SPD) einst gesetzt und klar verfehlt hatte.

Weil die Kosten für Grundstücke und Hausbau so stark gestiegen sind, träumen in Deutschland weniger Menschen als früher von den eigenen vier Wänden. Nur noch 33 Prozent der Befragten sagen, Wohneigentum zu erwerben, sei das Ziel beim Sparen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor. Besonders jüngere und mittlere Altersgruppen haben das Ziel Wohneigentum offenbar aufgegeben.  „Viele Menschen scheinen inzwischen zu glauben, dass Wohneigentum für sie ohnehin nicht mehr realistisch ist – und haben sich damit abgefunden“, sagt Christian König, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Bausparkassen, der die Umfrage in Auftrag gegeben hat.  Statt für Immobilien sparen die Menschen der Umfrage zufolge zunehmend für Altersvorsorge (60 Prozent) und Konsum (44 Prozent). Kapitalanlage liegt mit 34 Prozent auf Platz drei – während Wohneigentum auf Platz vier zurückgefallen ist.

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