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Imker auf Wanderschaft:Wie der Klimawandel den Honig verknappt

In Umbrien haben sie mit den EU-Hilfen gute Erfahrungen gemacht. Seit drei Jahren reichen die Gelder nicht mehr für alle Antragsteller aus, sagt Romildo Beniamino von der örtlichen Imker-Genossenschaft. Die Imkerei ziehe heute viele junge Leute an. 2017 nahm er 28 neue Mitglieder in seiner Kooperative auf. Die Zahl der Bienenvölker wächst in der Region seit Jahren konstant. Es machte sich bemerkbar, dass Italien seit 2013 mit einem Freilandverbot für Pflanzengifte aus der Gruppe der Neonicotinoide vorangegangen war. Auf EU-Ebene wurde das Totalverbot erst vor wenigen Monaten verhängt. "Trotzdem verzeichneten wir keinen entsprechenden Anstieg der Honigproduktion", sagt Beniamino. Im Gegenteil. Schon seit vier Jahren gebe es keine normalen Erträge mehr. Schuld daran sei der Klimawandel. Extreme Wetterbedingungen seien die neue Normalität. Dieses Jahr war in Umbrien keine Ausnahme. Es hat den ganzen Frühling bis Ende Juni so viel geregnet, dass die Blüten förmlich ausgewaschen wurden.

Wie Parlog sind seit der Ost-Erweiterung der EU 2007 Hunderttausende Rumänen nach Italien gekommen. Heute stellen sie mit knapp 1,2 Millionen Zuwanderern die größte Ausländergruppe. Die gemeinsamen Wurzeln in der christlichen Kultur und in der lateinischen Sprache erleichtern die Integration sehr. Die Rumänen tragen ein Prozent zur italienischen Wirtschaftsleistung bei. Es gibt 24 000 Firmengründer rumänischer Abstammung. Die Unternehmen beider Länder haben sich stark verflochten. 250 Flüge verbinden Italien und Rumänien pro Woche.

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Die Familie Parlog lebt heute weit verstreut. Ein Bruder Cristians, der mit sieben Geschwistern aufgewachsen ist, arbeitet als Programmierer bei einem Auto-Zulieferer bei Köln. Seine Schwester hat in Rom Wirtschaft studiert und ist nun für den Bankkonzern Unicredit nach Rumänien zurückgekehrt. Einen Bruder hat es nach Zypern verschlagen. Ein anderer ist bei Facebook in Kalifornien tätig. Sein Arbeitgeber überwies ihm 10 000 Dollar für den Familiennachzug, um ihn zu halten.

Cristian hat im Italienischkurs in Amelia vor zehn Jahren seine ukrainische Frau kennengelernt. Die Ärztin hat ihren Studienabschluss in Italien wiederholt. Heute haben die beiden drei kleine Kinder. Auf der Entbindungsstation im Krankenhaus in Terni wurden die jungen Eltern stets herzlich aufgenommen. "Gut, dass es euch gibt", sagten Hebammen und Ärzte. Ohne die Ausländerinnen hätten sie in Italien kaum noch etwas zu tun. Das Land hat die niedrigste Geburtenrate der Welt. Zur Sicherung ihrer Renten sind die einst so kindervernarrten Italiener auf die Zuwanderung angewiesen. Die neuerdings stark rückläufige Immigration gefährde die Altersversorgung der Italiener, warnte kürzlich Tito Boeri, Chef der staatlichen Sozialversicherung INPS.

Nur Parlogs Schwiegermutter ist sauer. Sie habe große Opfer für das Medizinstudium ihrer Tochter erbracht und nun sei diese ständig schwanger. Cristian nimmt es mit Humor. "Ja wann denn, wenn nicht jetzt?", fragt er fröhlich.

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