Im Profil Felix Droese — engagierter Künstler und Aldi-Zulieferer

Er hat 10.000 Bilder über Deutschlands Großdiscounter abgesetzt, doch Felix Droese schert sich nicht um die Gesetze des Marktes.

Von Von Gottfried Knapp

(SZ vom 03.12.2003) — Nach einer Vietnam-Demonstration 1972 war er verhaftet und wegen Landfriedensbruch angeklagt worden.

Zwei Jahre später wurde er zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung, bei der Berufungsverhandlung dann zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war Felix Droese in Polizeikreisen sehr viel bekannter als in der Kunstszene.

Seit seinem Eintritt 1970 in die Kunstakademie Düsseldorf, wo er zum engeren Kreis um Joseph Beuys gehörte, hat sich Droese in linken Studenten- und Künstlervereinigungen, aber auch als Autor in Zeitschriften und einmal sogar als Kandidat der Alternativen Liste direkt politisch betätigt.

Gefeierter Nachwuchs

Bis heute ist in all seinen künstlerischen Äußerungen etwas vom alten Engagement zu spüren, doch seit den ersten Erfolgen hat sich die Taktik ins Karnevalistisch-Satirische gewandelt. Wenn Droese etwa ein "Anhörungsrecht für alle Tiere im Bundestag" verlangt, bringt er zumindest die Ironie-Begabten auf seine Seite.

Seinen Stil als Künstler hat Droese, 1950 als Sohn eines altkatholischen Pfarrers geboren und in Friesland aufgewachsen, 1977 gefunden, als er die Technik des Scherenschnitts, mit der er schon länger experimentiert hatte, auf große Bildformate übertrug.

Die wandhohen Schattenrisse expressiv abstrahierter Szenen, die sich sozialpolitisch ausdeuten lassen, aber auch ohne assoziatives Beiwerk hohe grafische Reize entwickeln, eroberten innerhalb weniger Jahre den Kunstmarkt.

Bei der "Westkunst"-Schau 1981 in Köln wurde Droese in die Riege des gefeierten Nachwuchses aufgenommen. Mit der Papierschnitt-Installation "Ich habe Anne Frank umgebracht" ist er dann 1982 auf der documenta7 international bekannt geworden.

Auf der fünften Biennale von Sydney 1984 hat er mit elf zerschnittenen Rinderfellen, die in den Rundbögen des Ausstellungsgebäudes hingen - Titel: "Wir sind keine amerikanischen Lampenschirme" -, gegen Tierversuche protestiert.

Und 1988 konnte er als offizieller Gesandter der Bundesrepublik auf der Biennale in Venedig im Deutschen Pavillon sein "Haus der Waffenlosigkeit" eröffnen.

Wider die Preispolitik

Als er im gleichen Jahr mit dem "Omnibus für direkte Demokratie" von West- nach Ost-Berlin übersetzte, erklärte er die Aktion mit den Worten: "Die Verwandlung dieses öffentlichen Verkehrsmittels in den Träger einer die demokratische Öffentlichkeit betreffenden Idee ist Kunst."

Kunst also, die Stellung bezieht, aber sich nicht vom Markt dominieren lässt — dass Felix Droese, der in den siebziger Jahren mit dem Kommunistischen Studentenverband geliebäugelt hat, heute beim Billiganbieter Aldi Kunst zum Schnäppchenpreis verkauft, ist keineswegs ein Widerspruch.

Droese hat die Gesetze des Markts nie anerkannt: 1996 hat er selber auf einer Ausstellung Kunstwerke zum symbolischen Nonsenspreis von 80 Pfennig oder aber 18.000 Mark angeboten, um so die Preispolitik der Galerien lächerlich zu machen.

Gewinn bei der Aldi-Aktion - der 10.000-fachen Vermehrung zweier Billigdrucke - macht allenfalls das Unternehmen: Es lässt dem Künstler einen Euro pro Blatt zukommen, verlangt für das gerahmte Ding aber 12,99 Euro.