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Erweiterung des Sortiments:Warum Ikea jetzt Versicherungen verkauft

Ikea

Waren kompakt verpackt. Um das neueste Produkt mit nach Hause zu nehmen, braucht es wenigstens keine Sackkarre.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
  • Ikea bietet neben Möbeln nun auch Versicherungen.
  • Dahinter steckt das händeringende Bemühen vieler Versicherer, mit Kunden noch regelmäßig in Kontakt treten zu können.

Der schwedische Möbelhändler Ikea weitet sein Sortiment rund um Regale, Sessel und Köttbullar aus und steigt ins Versicherungsgeschäft ein. Ab sofort können Kunden in der Schweiz und in Singapur bei Ikea online Policen abschließen. "Hemsäker" heißt das Angebot - angelehnt an die schwedischen Wörter für "Zuhause" und "sicher". Die Police kombiniert den Hausratschutz mit einer privaten Haftpflichtversicherung. Schweizer Kunden können den Haftpflichtschutz abwählen, in Singapur ist er fester Teil des Angebots.

In einer Beispielrechnung kostet die Versicherung für einen Zweipersonenhaushalt in Bern, eine Dreizimmer-Mietwohnung mit durchschnittlicher Einrichtung, pro Jahr 205,70 Franken (193,66 Euro). Verändert der Nutzer die Leistungsbausteine, sinkt oder steigt der Preis. Mitglieder des Ikea-Family-Bonussystems erhalten einen Gutschein, wenn ihre Ikea-Versicherung ein Jahr lief und kein Schaden gemeldet wurde. Die Police ist jederzeit kündbar.

Über die Versicherung kann der Möbelriese seinen Kunden ein passgenaues Angebot präsentieren, das thematisch zum Kerngeschäft passt und einen Mehrwert bietet. Ikea positioniert sich darüber als Helfer im Alltag, der Versicherer tritt nur am Rande in Erscheinung.

Wenige Plätze in guten Netzwerken

Ikeas Partner bei dem Versicherungsangebot ist Iptiq, eine Tochtergesellschaft des Schweizer Rückversicherers Swiss Re. Iptiq wurde 2014 in Luxemburg gegründet und hat heute Niederlassungen in Deutschland, Irland, Großbritannien und den Niederlanden. Zunächst war das Unternehmen in der Lebens- und Krankenversicherung aktiv, 2019 kam die Sachversicherung hinzu. Die Luxemburger bieten ihren Partnern unter anderem an, mit ihnen neue Policen zu entwickeln, die auf die jeweilige Kundschaft zugeschnitten sind. Der Schwerpunkt liegt auf einfachen Versicherungen, die wenig Beratung erfordern und eine einfach gestaltete Tarif- und Preisstruktur haben.

Swiss Re wagt sich über die Tochter Iptiq in neue Bereiche. Das Kerngeschäft von Rückversicherern wie Swiss Re, Munich Re und Hannover Rück ist die Versicherung von Erstversicherern wie Allianz und Ergo. Sie springen ein, wenn ihre Kunden teure Schäden erleiden - etwa nach schweren Naturkatastrophen.

Die schwierige Marktlage drängt aktuell immer mehr Rückversicherer in neue, vielversprechende Geschäftsfelder. In ihrem Kerngeschäft setzt den Gesellschaften der anhaltende Niedrigzins zu, außerdem überfluten externe Investoren den Markt mit alternativem Rückversicherungskapital, was die Preise drückt.

Über die Kooperation ist ausgerechnet einem Rückversicherer ein Coup gelungen, von dem mancher Erstversicherer träumen dürfte. Das Unternehmen sichert sich den direkten Zugang zu Millionen von Kunden. Der Möbelkonzern kam 2019 mit Produkten, Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auf einen Einzelhandelsumsatz von 41,3 Milliarden Euro, 2018 waren es 38,8 Milliarden Euro.

Versicherer suchen derzeit händeringend nach Möglichkeiten, um mit den Kunden regelmäßig in Kontakt zu treten und in ihrem Alltag eine Rolle zu spielen. Das Problem: Die Kunden beschäftigen sich in der Regel ungern mit ihren Verträgen. Außer im Schadensfall findet wenig Interaktion mit den Anbietern statt. Eine Ausnahme ist die private Krankenversicherung, hier ist der Kontakt vergleichsweise rege.

Im regulären Geschäftsalltag verlieren die meisten Versicherer zunehmend den Kontakt zu ihren Kunden. Die Menschen besuchen nur im Ausnahmefall ihre Internetseiten, stattdessen tummeln sie sich auf Vergleichsportalen wie Check 24 oder Verivox.

Viele Risikoträger versuchen daher, strategische Plätze in Netzwerken rund um Lebensbereiche wie Mobilität, Gesundheit und Wohnen zu besetzen. Ihnen bleibt jedoch nur wenig Zeit, warnen Branchenkenner. Schon in drei bis fünf Jahren könnten die entscheidenden Positionen besetzt sein. Das Beispiel von Ikea zeigt, wie das geht.

© SZ vom 19.02.2020/hgn
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