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Ikea: Steuerflucht und Leiharbeit:Erst seit 2010 tariflich gebunden

"Dennoch ist gut jeder zweite Mitarbeiter an der Kasse ein Leiharbeiter", sagt Grawunder. Das liege daran, dass es in anderen Abteilungen gar keine Zeitarbeit gibt. "Manche verdienen so wenig, dass sie über Hartz IV aufstocken müssen", sagt er.

Zu den Gewerkschaften pflegt der Konzern in seinem Heimatland Schweden eigentlich ein gutes Verhältnis. Dass das Unternehmen in Deutschland kritisiert wird, weil es viele Leiharbeiter beschäftigt, hört man bei der schwedischen Handelsgewerkschaft mit Verwunderung.

In Schweden bemühe sich Ikea ehrlich darum, seine Warenhäuser möglichst mit eigenem Personal zu betreiben, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Damit unterscheide sich Ikea von vielen anderen Handelsunternehmen.

Leiharbeit wird auch in Schweden immer beliebter. Bei der deutschen Ikea-Zentrale beteuert man, dass man auch hierzulande nur in Ausnahmefällen auf externe Kräfte zurückgreife, etwa um Urlaubszeiten zu überbrücken. Im Schnitt werden nach Unternehmensangaben in den deutschen Möbelhäusern weniger als drei Prozent der Arbeitsstunden von Leiharbeitern geleistet.

"Wir beobachten Ikea sehr kritisch"

Ikea sei seit mehr als 30 Jahren in Deutschland tätig, aber erst seit diesem Jahr ein tariflich gebundenes Unternehmen, sagt Verdi-Einzelhandelsexperte Dalibor. Firmen, die in der Tarifbindung sind, müssen sich an die Tarifverträge halten. Dies mache Ikea. "Doch wir beobachten Ikea sehr kritisch", so Dalibor. Denn vieles, was am deutschen Stammsitz in Wallau ausprobiert werde, sei Maßstab für andere Möbelhäuser.

Der Ikea-Konzern gehört gemeinsam mit dem Holzmöbelhersteller Swedwood und dem Spanplattenproduzenten Swedspan zu 100 Prozent der niederländischen Stiftung Stichting Ingka Holding B.V. Laut Stiftungszweck soll die Ingka Holding die finanzielle Unabhängigkeit von Ikea sichern und gemeinnützige Zwecke verfolgen.

Die Rechte an der Marke und dem Ikea-Konzept gehören der Unternehmensgruppe Inter Ikea Systems B.V., die vom Konzern unabhängig ist und ihren Sitz ebenfalls in den Niederlanden hat. Hinter dem Geflecht aus Stiftungen und Tochterfirmen dürften jedenfalls letztlich Firmengründer Ingvar Kamprad und seine drei Söhne das Möbelimperium beherrschen.

© SZ vom 12.08.2010/pak
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