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Ikea:Kaufst du noch oder leihst du schon?

IKEA museum in Almhult

Nein, das ist nicht die aktuelle Wohnzimmer-Kollektion von Ikea, sondern ein Blick ins Museum des schwedischen Möbelhauses.

(Foto: Langvad/dpa)

Ikea will künftig Möbel zum Mieten anbieten - in der Schweiz beginnt nun ein Test, zunächst aber nur mit einigen Firmenkunden.

Ein paar Wochen dauert es noch, dann ist es so weit: Weltpremiere in der kleinen Schweiz. In dem Land, das sich mit läppischen neun Ikea-Märkten begnügen muss (in Deutschland sind es mehr als 50), kann man die Möbel des schwedischen Einrichtungshauses demnächst nicht nur kaufen, sondern auch mieten. Zuerst hatte die Schweizer Handelszeitung über die Premiere berichtet.

"Wir waren einfach ein bisschen schneller", antwortet ein Sprecher von Ikea Schweiz auf die Frage, warum es ausgerechnet in seinem Land mit der Möbel-Miete los geht. Auch andere Länder stünden kurz davor, mit ihren Mietmodellen an den Start zu gehen. Allerdings: Die Möbel-Miete ist im Moment nur für bestimmte Zielgruppen zu haben. Studenten etwa, junge Berufstätige, oder, wie in der Schweiz: Firmenkunden. "Das Ganze ist ein Test", erklärt der Sprecher. Und so sucht Ikea Schweiz seit wenigen Tagen Tester: "Wir haben gemerkt, dass sich viele Geschäftskunden eine höhere Flexibilität wünschen", heißt es in dem Internet-Aufruf des Unternehmens. "Reduzieren Sie die Investition in Einrichtung auf eine monatliche Nutzungsgebühr."

20 kleinere und mittlere Unternehmen aus der deutschsprachigen Schweiz sollen in der Pilotphase aus insgesamt 24 Produktpaketen auswählen. Sie können Möbel für einzelne Arbeitsplätze oder ganze Sitzgruppen für Meetings mieten. Das billigste Paket (Tisch, Stuhl, Schrank, Rollcontainer, Beleuchtung) kostet rund 70 Franken, das teuerste (ein Konferenztisch mit zehn gepolsterten Bürostühlen) knapp 270 Franken im Monat. Ein paar Wochen will Ikea sich nach Angaben des Sprechers noch Zeit geben für die Auswahl der Testfirmen, aber im Juli dürften die ersten Kunden wohl ihre Möbel-Abos abschließen. Mindestlaufzeit: 12 Monate. Lieferung, Montage und Abholung: im Angebot inbegriffen.

Zum ersten Mal hatte Ikea-CEO Jesper Brodin im Herbst 2018 von der Möbel-Miete gesprochen. Seither laufen die Vorbereitungen an den verschiedenen Ikea-Standorten auf Hochtouren. "Wir in der Schweiz haben zuerst qualitative Interviews mit Unternehmern geführt, um herauszufinden, welches Modell der Möbel-Vermietung passen könnte", sagt der Sprecher. Daraus sei das Test-Angebot entstanden. Technisch erfordere die Vermietung natürlich neue Lösungen, zum Beispiel ein Inventar der im Umlauf befindlichen Möbel. "Es ist sicher noch nicht alles perfekt", so der Sprecher, aber Ikea orientiere sich an den Arbeitsmethoden von Entwicklern: ausprobieren, Austausch mit den Kunden, anpassen, noch einmal ausprobieren. Wie lange der Test dauert, könne man deshalb nicht sagen.

Fest steht dafür, wo Ikea hinwill: Bis 2030 will der Konzern, dessen Produkte zwar als erschwinglich, aber nicht besonders langlebig gelten, sein gesamtes Geschäft auf "Kreislaufwirtschaft" umstellen. Ikea-Möbel sollen eine längere Lebensdauer erhalten, indem man sie besser reparieren, zurückgeben und eben auch mieten kann. Außerdem sollen langfristig nur noch erneuerbare und recycelte Materialien zum Einsatz kommen.

Völlig selbstlos dürften die Gründe für das neue Ikea-Angebot allerdings nicht sein. Der Konzern mit fast 40 Milliarden Jahresumsatz dringt damit in den wachsenden Leih- und Teilmarkt vor, auch dürfte er auf neue Kundenschichten hoffen, die das Geld für eine Büroeinrichtung oder eine Küche nicht auf einmal aufbringen und deshalb Leasing-Modelle bevorzugen. Dafür müsste Ikea die Preise allerdings noch anpassen: Mit mindestens 70 Franken (etwa 63 Euro) im Monat liegt die Gebühr für einen Arbeitsplatz relativ hoch.

Und wann können auch normale Kunden Ikea-Möbel mieten? Der Sprecher von Ikea Schweiz will sich nicht festlegen. Aber natürlich wolle man die neue Dienstleistung so bald wie möglich allen Kunden zur Verfügung stellen. "Unsere Interviews zeigen: Immer mehr Leute empfinden Besitz als Bürde."

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