Holzfäller Möbelhaus Ikea kauft sich einen Wald

Damit kann man Ikea-Möbel zusammenbauen, auch die aus Holz.

(Foto: Michael Dalder/Reuters)

Billy kann nicht ohne, Lack braucht es auch, und Malm sowieso - ohne Holz wären die Warenlager von Ikea leer. Die Möbelkette hat nun einen Forst in Rumänien erworben.

Von Felicitas Wilke

Malm kann nicht ohne, Lack braucht es auch, Ivar und Billy sowieso -ohne Holz wären die großen Warenlager der Ikea-Filialen ziemlich leer. Etwa zwei Drittel der verkauften Produkte der schwedischen Möbelhauskette enthalten den Rohstoff. Jetzt wird Ikea vom Nutzer zum Produzenten. In Rumänien hat das Unternehmen einen Wald erworben, den es selbst bewirtschaften will.

Wie das Wall Street Journal berichtet, ist das Waldstück im Nordosten Rumäniens knapp 336 Quadratkilometer groß. Genug Platz, um den Holzbedarf für die Möbel der Bukarester Ikea-Filiale zu decken, ließ das Unternehmen wissen. Der Kauf ist aber nicht nur für den rumänischen Markt von Bedeutung: Ikea deutete an, in Zukunft vermehrt auf Holz aus eigenen Wäldern setzen zu wollen. Wald selbst zu bewirtschaften habe den Vorteil, den Rohstoff Holz auf lange Sicht nachhaltig anbauen zu können. Ikea bemüht sich seit Jahren öffentlichkeitswirksam um Nachhaltigkeit und hat zuletzt Solarzellen auf Firmengebäuden installiert und Windkraftanlagen gekauft. Auch den Umgang mit Holz spricht Ikea an. Auf seiner Webseite bezeichnet sich das schwedische Unternehmen als "echter Holzliebhaber" und betont die Verantwortung, die es als einer der größten Nutzer des Rohstoffs trage.

Da passte es so gar nicht ins Bild, als vor drei Jahren bekannt wurde, dass Ikea in Wäldern in der nordrussischen Region Karelien Holz aus bis zu 600 Jahre altem Baumbestand für die Möbelherstellung verwendet haben soll. Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council (FSC), die Ikea für nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert, hatte das Zertifikat für Ikea daraufhin Anfang des Jahres ausgesetzt. Nachdem das Unternehmen Einspruch gegen das Urteil eingelegt hatte, überprüfte FSC die Vorwürfe erneut und stufte sie anschließend umstrittenerweise als "weniger schwerwiegend" ein. Trotzdem bezieht Ikea mittlerweile kein Holz mehr aus der Region.

Holz wird weltweit teurer

Dass das Unternehmen nun selbst unter die Holzproduzenten geht, hat nicht nur mit Nachhaltigkeit zu tun. Es gibt auch finanzielle Gründe: Experten rechnen damit, dass die Preise für Holz weltweit steigen, weil die Weltbevölkerung zunimmt und die Nachfrage für Biomasse zur Energiegewinnung steigt.

Ikea benötigt in Zukunft auch noch mehr Holz als bisher, will das Unternehmen doch bis zum Jahr 2020 seinen Umsatz auf 50 Milliarden Euro verdoppeln. Doppelt so viel Umsatz heißt auch, dass Ikea mehr als doppelt so viele Produkte wie bisher verkaufen muss - schließlich muss das Unternehmen seine Preise immer wieder senken. Doppelt so viel Holz wolle Ikea aber nicht verbrauchen, sagt der Konzernverantwortliche für Nachhaltigkeit, Steve Howard, dem Wall Street Journal. Um mit weniger Holz auszukommen, hat Ikea angekündigt, den Baum als Rohstoff besser nutzen zu wollen. So plant die Möbelkette, für Tische von nun an sowohl dunkles als auch helles Holz der zweifarbigen Akazie zu nutzen. Bislang bestanden diese meist nur aus dunklem Holz. Auch sollen Spanplatten, die als Rückwände für Schränke dienen, in Zukunft je nach Belastungsgrad an unterschiedlichen Stellen dünner oder dicker gepresst werden.

Der Wald, den Ikea jetzt in Rumänien erworben hat, ist nicht der erste. Der Konzern besitzt bereits Wälder in Estland, Lettland und Litauen, die er aber nicht selbst nutzt. Der rumänische Wald hat einen prominenten Vorbesitzer: Die US-Eliteuniversität Harvard wollte das Land wegen eines Korruptionsskandals um einen der Vertragspartner loswerden. Ikea hofft auf weniger Stress - und ganz viel Holz.