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Ikea:Das Ikea-Testament

Ikea

Um Steuern zu sparen, hatte der Ikea-Gründer schon vor Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Ingvar Kamprads Kinder bekommen nur die Hälfte des Vermögens - überraschend ist, wem der Ikea-Gründer den Rest vermacht hat.

Von Silke Bigalke

Ingvar Kamprad schrieb sein Testament mit der Hand in Druckbuchstaben auf ein kariertes Blatt Papier. Seinen Kindern, den Söhnen Peter, Jonas und Mathias, sowie seiner Adoptivtochter Annika, vermachte der Ikea-Gründer in dem knappen Text ihren Pflichtanteil und damit nur die Hälfte seines Vermögens. Der Rest soll der Region Norrland in Schwedens Norden zugutekommen. Seinen letzten Willen, in dem auch nichts zu seiner Nachfolge steht, hat Kamprad im Herbst 2014 unterschrieben, schwedische Medien machten ihn nun öffentlich. Ingvar Kamprad war im Januar im Alter von 91 Jahren gestorben.

Dass der Möbelunternehmer seine Heimat Småland liebte, war bekannt, doch Småland liegt im Süden Schwedens. Kamprad war in dieser ländlichen, damals eher ärmlichen Gegend aufgewachsen, hatte dort sein Unternehmen aufgebaut und seinen Lebensabend verbracht. Im Jahr 2011 hat er die "Familie Kamprad Stiftung" (FKS) gegründet, die sich hauptsächlich darauf konzentrieren sollte, das Leben in Småland zu verbessern. Sie fördert dort etwa Unternehmertum, Forschung, Gesundheitsversorgung und Hilfe für Senioren. Mit dem Geld aus Kamprads Nachlass soll sich die Stiftung nun auch verstärkt um die riesige Region Norrland kümmern, die sich über mehr als die Hälfte des Landes erstreckt, wo aber nur etwa zwölf Prozent der Bevölkerung leben.

Trotzdem hat Ingvar Kamprad dort 2006 die nördlichste Ikea Filiale der Welt eröffnet, in der Gemeinde Haparanda. Die liegt an der Nordküste des Bottnischen Meerbusen, dem nördlichen Ausläufer des Ostsee, und gleich an der Grenze zu Finnland. Damals war Sven-Erik Bucht dort Bürgermeister, heute ist er als Minister für die ländlichen Regionen zuständig. Er war mit Kamprad befreundet, sprach nach dessen Tod von der "großen Wärme" des Unternehmers. "Ingvar hat sich immer um den kleinen Mann gekümmert." Sein Herz habe für das ländliche Schweden gebrannt, er habe sich vor allem für die alternde Bevölkerung auf dem Land einsetzen wollen. "Ingvar Kamprad hatte immer ein Interesse an Norrland und hat die Region oft besucht", sagte Per Heggenes, Direktor der FKS-Stiftung der Zeitung Dagens Nyheter, die das Testament zuerst veröffentlicht hatte. "Er wollte es jungen Menschen ermöglichen, dort zu leben und nicht wegziehen zu müssen."

Wie viel Geld Kamprad hinterlässt, ist nicht bekannt. Seine Unternehmen hatte er vor Jahrzehnten an Stiftungen vermacht, auch aus Steuergründen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat den Ikea-Wert mitgezählt, als sie Kamprad auf Platz acht der reichsten Menschen der Welt setzte, mit einem Nettovermögen von knapp 59 Milliarden Dollar. Sein privater Reichtum dürfte deutlich geringer gewesen sein.

© SZ vom 16.03.2018

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