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Ifo-Chef Sinn:Mehr Hartz IV für Berlin, weniger für Hoyerswerda

Ein Hartz-IV-Satz für die gesamte Republik? Ungerecht, findet das Ifo-Chef Hans-Werner Sinn - und fordert, die Beträge müssten "regionalisiert" werden.

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland variieren stark: In Berlin lässt es sich deutlich günstiger leben als etwa in München. Diese Tatsache sollte auch bei der Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze Beachtung finden, sagt Hans-Werner Sinn, der Chef des im teuren München beheimateten Ifo-Instituts.

Hans-Werner Sinn, Foto: Schellnegger

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn fordert "regionalisierte" Hartz-IV-Sätze.

(Foto: Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Wirtschaftsforscher hat daher die Bundesregierung dazu aufgerufen, die Hartz-IV-Sätze künftig regional zu staffeln. "Es kann nicht sein, dass der Hartz-IV-Empfänger in Ostberlin dasselbe kriegt wie der in Hoyerswerda, obwohl er in Berlin mehr für die Lebenshaltung bezahlen muss", sagte Sinn der Financial Times Deutschland zufolge. Die Regelsätze müssten "regionalisiert und an das Preisniveau vor Ort angepasst werden".

Langzeitarbeitslose in strukturschwächeren Regionen würden demnach niedrigere Regelsätze erhalten als Betroffene in teureren Gebieten wie den Ballungsräumen.

"Gegenseitig zu teuer"

Die Stagnation der Binnenwirtschaft in Ostdeutschland bereite 20 Jahre nach dem Mauerfall weiterhin große Sorgen: "Die Ostdeutschen sind sich gegenseitig zu teuer", sagte Sinn demnach weiter.

Für viele Ost-Unternehmen sei das Lohnniveau zu hoch. Vor allem deshalb gebe es in Ostdeutschland eine deutlich höhere Arbeitslosenquote als im Westen.

Die Hartz-IV-Sätze wirkten dabei wie ein Mindestlohn. "Ich würde außerdem die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei Hartz IV deutlich verbessern, um auch so stärkere regionale Lohnunterschiede zu ermöglichen, die den Standortbedingungen entsprechen", wurde Sinn zitiert.

Weiter sagte der Ifo-Chef, die Angleichung der Lebensverhältnisse der Ostdeutschen an Westniveau sei bereits vor 14 Jahren de facto zum Erliegen gekommen. Wenn es seit 1995 beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf noch eine geringfügige Angleichung gegeben habe, dann "ausschließlich durch die massive Abwanderung der Ostdeutschen, also die Verringerung der Zahl der Köpfe".

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