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Start-up:IDnow kauft Konkurrenten

Homeoffice

Die Dienstleistung von IDnow wird immer dann gebraucht, wenn ein Unternehmen sich sicher sein will, dass der Kunde auch der ist, der er vorgibt zu sein.

(Foto: dpa)

Das Münchner Unternehmen bietet Identifikationen im Internet an. Jetzt will es weiter expandieren - und Marktführer in Europa werden.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Das Münchner Start-up IDnow hat innerhalb von knapp einem halben Jahr bereits das zweite Unternehmen erworben und sich selbst ehrgeizige Ziele gesteckt. Wie die Süddeutsche Zeitung vorab erfuhr, kauft IDnow die Identity Trust Management AG mit Sitz in Düsseldorf für eine ungenannte Summe. Die dort ansässigen Mitarbeiter und auch der Standort sollen erhalten bleiben, künftig aber unter dem Dach von IDnow laufen.

Mit dem Zukauf schnappt sich IDnow einen Konkurrenten auf dem hart umkämpften Markt für Identifikationen. Diese Dienstleistung wird immer dann gebraucht, wenn ein Unternehmen sich sicher sein will, dass der Kunde auch der ist, der er vorgibt zu sein. Ein sehr bekannter Anwendungsfall ist beispielsweise die Registrierung bei einer Onlinebank. Der Kunde chattet dafür mit einem Servicemitarbeiter per Video, muss Fragen beantworten und seinen Ausweis in die Kamera halten. Eine solche Technik und auch die Mitarbeiter stellt das Start-up IDnow beispielsweise für die Neobank N26 oder die Commerzbank. Härtester Konkurrent ist derzeit WebID mit Sitz in Berlin.

Mit der Übernahme kauft sich IDnow zum einen ein breiteres Portfolio an Identitätslösungen und zum anderen auch teils große Kunden ein. Auf der Kundenliste der Identity Trust Management stehen bisher immerhin die Deutsche Telekom, Volkswagen, Audi, die Bundesdruckerei und Telefonica.

Das Start-up sammelte bisher mehr als 50 Millionen Euro Wagniskapital ein

Der Zukauf ist die zweite Übernahme von IDnow in knapp sechs Monaten. Im September vergangenen Jahres hatte sich das Start-up bereits "Wirecard Communication Services" geschnappt. Die Leipziger Firma erbrachte vor allem Callcenter-Dienste für die Wirecard AG aus Aschheim, die im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmelden musste. IDnow kaufte die Firma und übernahm eigenen Angaben zufolge einen Großteil der Mitarbeiter.

Das Start-up aus München wurde 2014 von Armin Bauer, Dennis von Ferenczy, Felix Haas und Sebastian Baerhold gegründet, sammelte bisher mehr als 50 Millionen Euro an Wagniskapital ein und ist teils stark gewachsen, auch weil die Nachfrage nach Online-Identifikationen in Zeiten der Corona-Pandemie stark anstieg. Mittlerweile unterhält das Start-up neben Deutschland auch Niederlassungen in Frankreich und Großbritannien. Beide Zukäufe sollen IDnow helfen, weiter zu expandieren und das angestrebte Umsatzziel von 100 Millionen Euro im Jahr 2024 zu erreichen. Zuletzt hatte sich IDnow für die Expansion auch ein Darlehen in Höhe von 15 Millionen Euro gesichert.

© SZ
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