Digitale Identifikation:IDnow kauft französischen Marktführer Ariadnext

Felix Haas

Mit der Übernahmestrategie will IDnow mit Co-Gründer Felix Haas dem Münchner Unternehmen Flixmobility nacheifern.

(Foto: oh)

Es ist bereits der dritte Zukauf in zwölf Monaten, womit das Start-up aus München einer der Marktführer im Bereich digitale Identifikation in Europa wird. Und die Firma plant weitere Zukäufe.

Von Nils Wischmeyer, Düsseldorf

Das Münchner Start-up IDnow expandiert in der Corona-Krise und kauft Ariadnext aus Frankreich. Das Unternehmen gilt im Bereich der digitalen Identifikation als einer der europäischen Marktführer und hat zum Zeitpunkt der Übernahme rund 125 Mitarbeiter, die IDnow übernehmen wird. Bezahlt haben soll das Unternehmen für die Übernahme einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag, wie die Süddeutsche Zeitung vorab erfuhr. Teils wurde die Summe in cash an Gründer und Altinvestoren ausgezahlt, teils als Anteile am neuen, größeren Unternehmen. Es soll zudem nicht der letzte Zukauf sein. Dank eines Geldgebers aus den USA hat IDnow offenbar schon weitere Übernahmeziele in Europa ausgemacht und blickt auch schon in Richtung USA.

Mit Ariadnext kauft IDnow bereits das dritte Unternehmen im immer stärker umkämpften Markt der digitalen Identifikation. Zum Einsatz kommt diese Dienstleistung immer dann, wenn man einen Kunden einwandfrei identifizieren will, ohne dass er oder sie in eine Filiale kommen muss.

Der wohl bekannteste, wenn auch nicht einzige Anwendungsfall für diese digitale Identifikation ist die Registrierung für ein Online-Bankkonto. Dabei sitzt der Kunde vor der Webcam, dem Laptop oder dem Smartphone und telefoniert via Video mit einem Mitarbeiter in einem Callcenter. Dieser prüft, ob der Kunde auch der ist, der er vorgibt zu sein, etwa in dem der Verbraucher seinen Ausweis in die Kamera halten und ihn schwenken muss.

Mit dem Zukauf von Ariadnext in Frankreich ist es bereits die dritte Übernahme in weniger als zwölf Monaten, die sich die deutsche Firma leistet. Bereits im September 2020 hatte IDnow kleinere Teile des in sich zusammen gebrochenen Wirecard-Konzerns aufgekauft. Die sogenannte Wirecard Communication Services ist am ehesten vergleichbar mit einem Call-Center und soll auch nicht teuer gewesen sein. Anders sah das aus, als das Start-up mit der Identity Trust Management AG aus Düsseldorf einen gleichwertigen Konkurrenten schluckte.

IDnow will jene Münchner Erfolgsgeschichte gerne wiederholen

Mit der Übernahmestrategie will IDnow rund um Co-Gründer Felix Haas dem Münchner Unternehmen Flixmobility nacheifern - auch wenn die in einer ganz anderen Branche unterwegs sind. Das Unternehmen war eines von vielen, die mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes entstanden und schnell wuchsen. Nach Jahren des erbitterten Preiskampfes ist Flixmobility dank vieler pan-europäischen Akquisitionen als eines der wenigen Unternehmen übrig geblieben und gilt heute als europäischer Marktführer.

Diese Münchner Erfolgsgeschichte würden sie mit IDnow nur zu gern wiederholen, nur eben nicht mit Fernbussen, sondern mit ihren Identitätslösungen. Auch dort ist der Markt erst seit ein paar Jahren liberalisiert und durch viele neue Unternehmen, die quer über Europa verteilt und meist national fokussiert sind, stark fragmentiert. Das will das Start-up nutzen und kauft ähnlich wie früher Flixmobility seine Konkurrenten in Europa Stück für Stück auf. Und hofft, als einer der wenigen Unternehmen den Kampf um Kunden gewinnen zu können.

Mit dem Zukauf in Frankreich wird es gerade deshalb nicht getan sein. Bereits im Jahr 2019 hat sich der US-Investor Corsair Capital bei IDnow für 40 Millionen Euro eingekauft und treibt das Unternehmen seither dazu, stärker zu expandieren. Mehrere Manager der Private-Equity Firma sollen ausschließlich dafür zuständig sein, den europäischen Markt zu durchleuchten und potenzielle Zukäufe für IDnow zu finden. 100 Unternehmen haben sie demnach identifiziert, 15 sind auf einer Shortlist gelandet, Ariadnext war einer davon. Das Ziel ist klar, wie Co-Gründer und Anteilseigner Felix Haas sagt: "Absolute Dominanz in Europa ist der erste Schritt, dann im zweiten schauen wir auch in die USA." Wann die Expansion in Übersee starten könnte, ließ die Firma aber noch im Vagen. Zunächst wolle man sich auf Europa konzentrieren.

© SZ/shs
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