Hypo-VereinsbankSpartag

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Vor dem Umbau: Zentrale der Hypo-Vereinsbank in München.
Vor dem Umbau: Zentrale der Hypo-Vereinsbank in München. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die deutsche Tochter der Unicredit, Hypo-Vereinsbank, bestätigt ihre Pläne für einen Stellenabbau in der Zentrale. Die Bank will kräftig wachsen und durch geringere Kosten profitabler werden.

Von Stephan Radomsky, München

Im Frühjahr soll alles fertig sein im Turm. Dann sollen die Mitarbeiter zurückkehren in das auffällige und nun generalüberholte Hochhaus, das die Zentrale der Hypo-Vereinsbank (HVB) beherbergt. Nur: Es werden weniger Leute dorthin zurückkehren, als vor der Sanierung ausgezogen sind. Denn die Bank baut weitere Stellen ab, diesmal in der Zentrale. Seit Mittwoch ist klar, wie viele: nochmals insgesamt 1200 Jobs, etwa die Hälfte davon in der Hauptverwaltung. Damit kommen die Hypobanker noch vergleichsweise glimpflich davon.

Am Vortag hatte die italienische HVB-Konzernmutter Unicredit in Mailand ihre Sparpläne für die nächsten Jahre vorgelegt - die mit einem Job-Abbau von insgesamt mehr als 18 000 Stellen und dem weitgehenden Rückzug aus Österreich noch einmal heftiger ausfielen, als vermutet worden war.

Geholfen haben dürfte den Münchnern, dass sie gerade eine erste einschneidende Sparrunde beenden. Auch der auf 461 Millionen Euro gesteigerte Reingewinn aus den ersten neun Monaten des Jahres dürfte nicht schaden. Es bleibt deshalb bei 1200 Stellen, die bei der HVB und bei ihren Töchtern wegfallen, hinzu kommen weitere 800 Mitarbeiter, deren Stellen durch Filialschließungen bereits weggefallen sind, die das Unternehmen aber noch nicht verlassen haben. Bis Ende des Jahres werden etwa 240 der zuvor rund 580 Filialen der Bank dichtgemacht haben, dort fallen insgesamt 1500 Stellen weg. Darüber hinaus stünden in den kommenden Jahren voraussichtlich keine weiteren Sparrunden an, stellte HVB-Chef Theodor Weimer klar, weder in den Filialen noch in anderen Bereichen.

1200 Verwaltungsjobs fallen weg, die Hälfte davon in der Münchner Zentrale

"Wir werden als Bank strukturell verwundbarer, vor allem durch die niedrigen Zinsen", begründete Weimer die Einschnitte. "Wir müssen jetzt reagieren, bevor es uns kalt erwischt." Die gesamte Branche leidet unter den anhaltend niedrigen Zinsen, die Banken haben Schwierigkeiten, Einlagen von Kunden sicher und zugleich gewinnbringend anzulegen. Zugleich steigen der Aufwand und damit die Kosten für die Regulierung. Deshalb will etwa die Deutsche Bank ihre Tochter Postbank verkaufen, 200 eigene Filialen schließen und bis 2018 allein in Deutschland etwa 4000 Stellen streichen.

Auch die HVB nimmt sich für ihren neuerlichen Stellenabbau drei Jahre Zeit. Dann soll etwa jede sechste Stelle in der Verwaltung weg sein, "relativ durchgängig in allen Zentralbereichen", wie Weimer sagte. Auf betriebsbedingte Kündigungen will er nach Möglichkeit verzichten, ausschließen will er diese aber nicht. Lieber sollten Mitarbeiter aber von zu streichenden Posten im Haus verschoben werden. "Das sind ja gute Leute", so Weimer, die auch gehalten werden sollten. Etwa 850 der nun betroffenen Jobs sollen direkt bei der HVB wegfallen, davon grob 600 in der Münchner Zentrale, der Rest an anderen großen Standorten wie Nürnberg oder Hamburg. Weitere etwa 350 Mitarbeiter sollen bei HVB-Tochterunternehmen gehen.

Geringere Kosten und mehr Neugeschäft: Die HVB will profitabler werden

Dadurch, so der Plan, sollen die Ausgaben der Bank in den kommenden drei Jahren spürbar schrumpfen, während das Geschäft der HVB zugleich deutlich wachsen soll. "Wir werden nicht nur auf die Kosten setzen", so Weimer. "Wir brauchen Wachstum." Dafür will er einerseits intensiver mit bestehenden Kunden arbeiten und zugleich Neugeschäft gewinnen, vor allem bei Firmenkunden.

Unter dem Strich soll die HVB so deutlich profitabler werden. Derzeit liegt ihr Verhältnis von Aufwand und Ertrag bei gut 77 Prozent, die Bank gibt also von jedem eingenommenen Euro rund 77 Cent für Gehälter und andere Kosten aus. An diesem vergleichsweise hohen Wert hatte sich Unicredit-Chef Federico Ghizzoni schon länger gestört, arbeitet der gesamte Unicredit-Konzern doch mit nicht einmal ganz 60 Prozent. Dem will sich Weimer nun annähern: Ende 2018 sollen für jeden eingenommenen Euro noch höchstens 65 Cent ausgegeben werden.

Ob das klappt, wird maßgeblich davon abhängen, ob das Wachstum tatsächlich kommt. Bleibt es aus, dürfte der Druck aus Italien schnell wieder steigen.

© SZ vom 13.11.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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