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Hypo Real Estate:Sich selbst abschaffen

Wie ist es, wenn man die Aufgabe hat, sich selbst überflüssig zu machen? Die Chefs der Finanzgesellschaft FMS Wertmanagement kehren die Scherben der Skandalbank HRE zusammen. Mehr als die Hälfte haben sie geschafft.

An dem großen Tisch in der Münchner Prinzregentenstraße 54 sitzen drei ungewöhnliche Banker: Ihr Job ist es, die eigene Bank und sich selbst mit der Zeit überflüssig zu machen. Stephan Winkelmeier, der Chef, Christoph Müller und Frank Hellwig bilden den Vorstand der FMS Wertmanagement. Sie wurde 2010 gegründet, um die Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) abzuwickeln, die in der Finanzkrise Pleite ging und vom Staat gerettet werden musste. Am Dienstag berichten die Drei, wie weit sie mit dem Zusammenkehren der Scherben gekommen sind.

Das Portfolio, überwiegend Immobilienkredite und Staatsanleihen, betrug ursprünglich 175 Milliarden Euro. 8,3 Milliarden Euro wurden 2018 abgebaut. Neun Jahre nach der Gründung sind noch 69 Milliarden Euro an Vermögenswerten übrig, deutlich weniger als die Hälfte. Auch was die Lebensdauer betrifft, hat die FMS Wertmanagement ihre Halbwertszeit überschritten: 2025 will man sie an den Eigentümer, den Bund, übergeben, der sie dann selbst fortführen oder verkaufen könne.

"Unser Ziel ist es, das bestmögliche Ergebnis für den Bund zu erwirtschaften", sagt Winkelmeier. Der rettete die HRE 2008 mit zehn Milliarden Euro. Davon stecken noch 7,6 Milliarden Euro in den HRE-Überbleibseln. Dass die Steuerzahler ungeschoren davonkommen, hält Winkelmeier für unwahrscheinlich. "Da müsste schon ein Wunder passieren", sagt er. "Wir sind eine Abwicklungsanstalt, wir werden am Ende Verlust machen."

Je länger die FMS tätig ist, umso komplizierter wird das Geschäft. Die guten Teile des Portfolios sind nach und nach weg, übrig bleiben schwer verkäufliche und lang laufende Kreditverträge; der längste läuft bis 2078. Die Hauptarbeit der drei Vorstände besteht darin, die Sorgenkinder im Portfolio so umzustrukturieren, dass sie für Käufer attraktiv werden. Ein Problem sind die alternden Computersysteme. Sie zu ersetzen, lohnt sich kaum bei einer Bank, deren Ziel die eigene Abschaffung ist.

Dabei gab es in den letzten sieben Jahren unterm Strich stets Gewinn. Doch der Zenit ist überschritten. 2018 betrug der Jahresüberschuss 115 Millionen Euro, im Jahr davor war es dreimal so viel. Für 2019 erwartet Winkelmeier lediglich ein "mindestens ausgeglichenes Ergebnis". Die sinkende Gewinnkurve liegt in der Natur einer Abwicklungsbank: Da das Portfolio schmilzt, sinken die Einnahmen schneller, als die Kosten abgebaut werden können.

Zwei der drei Vorstände gehen nun übrigens, bevor sie sich selbst überflüssig gemacht haben: Winkelmeier wird Chef der BayernLB, Hellwig nimmt ein Sabbatical. Die Nachfolge, heißt es, soll bald geregelt werden.

© SZ vom 10.04.2019
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