Hochgeschwindigkeitssystem Münchner Studenten gewinnen Hyperloop-Wettbewerb

Studenten der TU München transportieren ihr Fahrzeug beim SpaceX Hyperloop Pod Competition in Hawthorne/Kalifornien.

(Foto: AFP)
  • Der Hyperloop ist ein Projekt von Elon Musk: In Unterdruck-Röhren sollen irgendwann Reisekapseln als Transportmittel eingesetzt werden.
  • In Wettbewerben treten Teams gegeneinander an, die möglichst schnell ein Gefährt durch eine bislang noch oberirdisch verlaufende Röhre schicken.
  • Erneut hat nun das Münchner Studententeam gewonnen und dabei eine neue Höchstgeschwindigkeit von mehr als 466 km/h erreicht.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es passiert ja nicht häufig, dass sich bei einem Wettbewerb, in dem es um Geschwindigkeit geht, für einen der Teilnehmer eine gewaltige Verzögerung lohnt. Die Studenten der Technischen Universität München, Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR), warteten am Sonntag auf dem Gelände der Raumfahrtfirma SpaceX in Los Angeles auf ihren Einsatz bei der "Hyperloop Pod Competition". Die Konkurrenten aus der Schweiz hatten aufgrund technischer Probleme viel länger gebraucht als geplant, also verzögerte sich der Start um mehr als eine Stunde.

Da fuhr ein silbernes Luxusfahrzeug der Marke Tesla heran, Kennzeichen BCYB294, und die Leute ahnten, dass darin Elon Musk sitzen würde, der Milliardär und Futurist, Gründer der Unternehmen SpaceX und Tesla und Initiator der Idee, den Personentransport nicht nur mit Elektroautos zu revolutionieren, sondern über ein Netzwerk, bei dem Kapseln mit mehr als 1000 Kilometern pro Stunde durch fast vollständig luftbefreite Röhren gejagt werden. "Hyperloop" nannte Musk das in einem Konzeptpapier vor fünf Jahren, seit zwei Jahren gibt es dieses Wettrennen, bei dem die Studenten ihren Kollegen (und auch Musks Ingenieuren) ihre (nicht durch Patente geschützten) Ideen präsentieren.

Musk wollte wie bei den vergangenen beiden Wettbewerben, die das WARR-Team jeweils gewonnen hatte, erst zur Siegerehrung erscheinen, doch aufgrund der Verzögerungen kam er gerade rechtzeitig, um die Fahrt der Kapsel aus München im 1,6 Kilometer langen Tunnel zu erleben.

Künftig könnte der Wettbewerb unterirdisch ausgetragen werden

Da stand er also, inmitten der aufgeregten Studenten, er starrte gebannt auf den Bildschirm - viel mehr ist ja nicht zu sehen bei so einem Rennen -, und am Ende, da sah er die Geschwindigkeit: 290 Meilen pro Stunde. Mehr als 466 Stundenkilometer. Neuer Rekord in der Hyperloop-Röhre. Ein Erfolg für die Studenten, und ein Erfolg für Musk, der ja alle, die seine Visionen nicht vollständig teilen, gerne mal ewiggestrige Vollidioten schimpft.

"Es gibt Leute auf der Welt, die wollen immer die gleichen Sachen machen", rief Musk den begeisterten Studenten zu: "Was wir hier sehen, das ist Zeug aus der Zukunft - das ist so aufregend wie die Mondlandung." Nach der Erfindung des Autos hätten auch einige Leute behauptet, dass so ein Pferd doch eine prima Antriebsmöglichkeit sei: "Es gibt genügend Menschen, die pessimistisch oder gar deprimiert in die Zukunft blicken. Ideen wie diese sind die wenigen Dinge auf der Welt, weswegen sich die Leute auf die Zukunft freuen dürfen." Jubel bei den Studenten, denen es ganz offensichtlich egal ist, dass sich Musk da vor allem selbst lobt.

Aus dem Umfeld von Musk ist nun zu hören, dass er den nächsten Wettbewerb in einer unterirdischen Röhre durchführen möchte, den Tunnel dazu gräbt gerade auf dem Space-X-Gelände ein riesiger Bohrer der Firma The Boring Company, die Musk vor eineinhalb Jahren gegründet hat, weil ihn der Verkehr in Los Angeles kolossal genervt hatte. Er war schon immer ein Meister in der Kunst, Ideen und auch Firmen miteinander zu kombinieren.

"Es ist schon ein besonderes Erlebnis für einen Studenten, wenn jemand wie Elon Musk bei so einer Fahrt mitten im Team steht und sich für unsere Kapsel begeistert", sagte Gabriele Semino, einer der Teamleiter des WARR-Teams: "Das entschädigt für die vielen Stunden, die wir in dieses Projekt investiert haben." Viel geschlafen habe er nicht in den vergangenen Wochen, das wolle er nach einer Feier mit seiner Mannschaft nachholen: "Obwohl, das stimmt nicht: Einige von uns können sich nicht ausruhen - wenn sie heimkommen, dann müssen sie Klausuren schreiben."

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