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Hygienemängel in Geflügelproduktion:Wiesenhof darf weiter schlachten

Die Behörden haben den Produktionsstopp für Wiesenhof in Möckern aufgehoben. Wieder einmal, denn der Betrieb ist auch früher schon wegen mangelnder Hygiene aufgefallen. Das Landratsamt verspricht nun strengere Kontrollen. Welche das jedoch sein sollen, wird nicht verraten. Das Schlachten geht also vorerst weiter.

Der wegen Hygienemängeln geschlossene Schlachtbetrieb von Wiesenhof in Sachsen-Anhalt darf seit Mittwochmorgen wieder arbeiten. Allerdings seien dem Betrieb in Möckern Auflagen erteilt worden, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Jerichower Land. Details wollte er nicht preisgeben. Er betonte, es werde weiterhin strenge Kontrollen geben. Der Betrieb war am Montagnachmittag stillgelegt worden.

Behoerden verbieten Betrieb von Wiesenhof-Schlachthof wegen Hygienemaengeln

Seit Mittwochmorgen wird bei Wiesenhof in Möckern wieder geschlachtet (Archivbild). Bereits im Jahr 2011 wurde der Betrieb wegen Hygienemängeln vorübergehend geschlossen.

(Foto: dapd)

Laut Wiesenhof waren zuvor Mängel in der Bratfertiglinie beanstandet worden. In diesem Teil der Produktion werden geschlachtete Tiere untersucht und ausgeweidet. Es habe sich um kleinere technische Mängel gehandelt, sagte der Sprecher des Konzerns. Die Mängel seien durch den Umbau des Betriebs aufgetreten. Wiesenhof hatte auf Druck der Behörden im letzten Sommer eingewilligt, die Kühlanlage umzugestalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schlachterei auffällig wird: Sie ist auch im Visier der Staatsanwaltschaft Magdeburg. "Bei uns läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wiesenhof GmbH in Möckern", sagte Oberstaatsanwältin Silvia Niemann. Ihnen werde Subventionsbetrug und Untreue vorgeworfen, dafür kann es Haftstrafen bis zu fünf Jahren geben. Ein Rechtsanwalt hatte die Firma im August 2011 angezeigt. Er vermutet, dass die Schlachtgenehmigung 2002 ausgelaufen, aber erst 2008 neu beantragt worden sei. Daher könnte der Betrieb zu Unrecht millionenschwere EU-Subventionen bezogen haben. Der Wiesenhof-Sprecher bestreitet diese Vorwürfe. "Der Betrieb hatte permanent eine Zulassung."

Schon zu DDR-Zeiten war Möckern ein wichtiger Standort für Geflügelproduktion. Hier hatte das Kombinat Industrielle Mast (KIM) seinen Sitz. Der Betrieb wurde von Wiesenhof übernommen. Heute arbeiten dort 400 Mitarbeiter. Die Beziehungen zwischen Stadt und Firma sind eng. Zu eng, findet etwa die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International.

Grund dafür ist ein ganz anderes Geschäft. Wiesenhof betreibt die Abwasserversorgung von Möckern und der umliegenden Gemeinden. Damit liegt ein wichtiger Teil der Infrastruktur in Händen des Geflügelproduzenten. Transparency sieht darin einen möglichen Interessenkonflikt. Möckerns Bürgermeister Frank von Holly hält das für Unfug. "Sollte sich Wiesenhof zurückziehen, kaufen wir die Abwasserversorgung und betreiben sie selbst."

Wiesenhof bezeichnet Möckern als "Vorzeigestandort für die Herstellung tiefgefrorener Geflügelprodukte". Pro Woche werden dort 800.000 Tiere geschlachtet und verarbeitet. Der Betrieb war bereits 2011 in die Kritik geraten. Kontrolleure beanstandeten Schimmel und Mängel in der Kühlkette. Wiesenhof hatte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen.