HSH Nordbank Käufer gesucht

Abenddämmerung am Hamburger Hafen: Vor der Finanzkrise ließ sich die HSH Nordbank noch als weltgrößter Schiffsfinanzierer feiern. Die staatlichen Eigentümer unterstützten die Expansion.

(Foto: Fabian Bimmer/REUTERS)

Die Rettung der HSH Nordbank ist kompliziert. Wenn sie scheitert, droht der Bank die Abwicklung. Damit wächst die Angst vor einem Ende wie bei der West-LB. Ein Überblick über die verworrene Lage.

Von Meike Schreiber

Wenn eine Bank den Besitzer wechselt, ist das stets eine komplizierte Angelegenheit. Sämtliche Kredite und Schulden müssen neu bewertet werden. Selten aber war die Lage so brisant, waren die Interessen der Beteiligten so vielschichtig, wie beim Verkauf der HSH Nordbank, jener angeschlagenen Landesbank mit Sitz in Hamburg und Kiel. Im Extremfall könnte die Causa sogar die Bundestagswahl im Herbst mit beeinflussen.

Bis Februar 2018 muss die Landesbank verkauft werden, andernfalls droht die Abwicklung. Verkäufer sind die Mehrheitseigner Hamburg und Schleswig-Holstein; jeweils gut fünf Prozent gehören den Sparkassen und dem US-Finanzinvestor J.C. Flowers. Die HSH hatte sich in der Finanzkrise am US-Häusermarkt verzockt; kurz darauf mussten die Länder sie stützen, später kamen noch Verluste aus Schiffskrediten hinzu. Die SZ gibt einen Überblick, wer bei dem Verkauf welche Rolle spielt:

Die EU-Kommission

Angeordnet hat den Verkauf die Wettbewerbsbehörde in Brüssel. Wann immer in der EU Unternehmen staatlich gestützt werden, wertet die EU-Kommission dies als staatliche Beihilfe, die genehmigt werden muss. Selbst wenn das gerettete Unternehmen - wie die HSH Nordbank - bereits zuvor in Staatsbesitz war, sieht Brüssel dadurch den Wettbewerb verzerrt. Nach ihrer Rettung musste die HSH daher zum Ausgleich schrumpfen. Als die Bank dann aber ein zweites Mal staatliche Unterstützung erhielt (weil die Länder einen Garantierahmen erst verkleinerten und dann wieder aufblähten), ordnete Brüssel den Verkauf an - quasi als Test, ob das Geldhaus auch ohne Staatshilfe ein Geschäftsmodell hat. So etwas kann für ein Unternehmen übel enden: 2010 verlangte Brüssel den Verkauf der Düsseldorfer Skandalbank West-LB. Weil sich damals kein Interessent fand, wird die Landesbank seither abgewickelt.

Die Bundesländer im Norden

Eine Bank wirft ihren Eigentümern nicht nur Dividende ab und ermöglicht den Zugriff auf Kredite, sie birgt auch Risiken - das wissen sie in Hamburg und Schleswig-Holstein inzwischen ganz genau. Egal welche Partei gerade das Sagen hatte: Die jeweiligen Landesregierungen beziehungsweise Senate vor und nach der Finanzkrise versagten auf ganzer Linie bei der Kontrolle der HSH. Dafür müssen sie jetzt teuer bezahlen: Was die Rettung die Steuerzahler im Norden insgesamt kosten wird, lässt sich noch nicht erahnen. Finanzstudenten der Hochschule Hannover haben aber gerade ausgerechnet, dass von der Gründung der HSH Nordbank im Jahr 2003 bis Ende 2016 im günstigsten Fall ein Verlust von rund 14,5 Milliarden Euro aufgelaufen ist. Im schlimmsten Fall sind es sogar 19 Milliarden Euro. Die Länder hoffen daher auf einen Käufer, der mindestens einen Euro für die Bank bezahlt und sie dafür von einem großen Teil der Risiken entbindet. Das Horrorszenario wäre jedoch, dass der Verkauf scheitert, dann könnte es im schlimmsten Fall zu einer Abwicklung mit Gläubigerbeteiligung kommen, so sehen es die neuen EU-Bankengesetze vor. Mit einer Bilanzsumme von gut 80 Milliarden Euro ist die HSH zwar nur noch eine mittelgroße Bank; eine Schieflage könnte aber ein Finanzbeben auslösen, weil Anleihegläubiger auch das Vertrauen in andere Banken verlieren würden. Das wollen alle Beteiligten verhindern. Auch im Bundesfinanzministerium in Berlin fürchtet man eine Abwicklung dieser Art - zumal kurz vor der Bundestagswahl. Sollte der Verkauf scheitern, werden die Länder wohl versuchen, die Bank langsam abzuwickeln. Dabei können sie versuchen, die Verluste über viele Jahre zu strecken, damit die Steuerzahler denken: So viel ist es ja dann doch nicht.

Die Bank

Vorstandschef Stefan Ermisch nimmt derzeit jede Gelegenheit war, für den Verkauf der HSH zu werben. Deren "geschäftliche Vitalität" sei "hervorragend", sagte er unlängst in einem Interview. Tatsächlich verdreifachte die sogenannte Kernbank der HSH ihr Ergebnis im Jahr 2016, die Abbaubank mit faulen Schiffskrediten aber schrieb Verlust. Übrig blieb ein überschaubarer Vorsteuergewinn von 121 Millionen Euro. Immerhin gelingt es der Bank, weiterhin viele neue Kredite zu vergeben, an Mittelständler, Immobilienkunden oder auch im Bereich erneuerbarer Energien. Die gut 2160 Mitarbeiter in Hamburg und Kiel hoffen daher, dass es für sie und ihren Arbeitgeber weitergeht.

Die Kaufinteressenten

Ob der Verkauf gelingt, hängt davon ab, ob Bieter in der Kernbank mehr Wert erkennen, als sie die Altlasten noch kosten werden. Zum Schwur könnte es bereits in den nächsten Wochen kommen. Seit Kurzem bietet die HSH Nordbank Kaufinteressenten Einblick in die Bücher. Bis Ende Juni müssen die Bieter verbindliche Angebote abgeben. Dann werden die Länder im Idealfall zwei Bieter auswählen, mit denen sie in Endverhandlungen treten. Interessiert sind dem Vernehmen nach vor allem Finanzinvestoren wie die Fonds Cerberus, Apollo, Lone Star und auch Flowers. Letzterer besitzt als Altaktionär ein Vorkaufsrecht und schaut sich die Bücher wohl eher nur pro forma an. Auch die chinesische Versicherungsgruppe Anbang war zuletzt unter den Bietern, während sich der chinesische Mischkonzern HNA jedoch wieder zurückzog. Europäische Banken hingegen sind offenbar nicht interessiert. Was die Bieter mit der Bank vorhaben, ist noch unklar. Finanzinvestoren dürften es eher darauf abgesehen haben, das Geldhaus abzuwickeln. In jedem Fall sind solche Gebote kein Selbstläufer. Wollen Private-Equity-Fonds eine Bank kaufen, verlangt die Aufsicht hohe Garantien. Sie will verhindern, dass das Geldhaus bei der nächstbesten Gelegenheit gleich wieder umkippt.

Die Sparkassen

Als Minderheitseigner der HSH sind die Sparkassen auf den ersten Blick außen vor. Weil aber Landesbanken und Sparkassen über einen Haftungsverbund füreinander einstehen, ist die HSH auch für die Sparkassen ein Risiko. Mehr noch: Von einer Abwicklung mit Gläubigerbeteiligung wären eventuell nicht nur Profianleger betroffen, sondern auch ganz normale Sparkassenkunden. Ihnen hatten die Sparkassen HSH-Zertifikate im Wert von sieben Milliarden Euro verkauft, die im Extremfall ausfallen könnten. Auch die Sparkassen wollen so eine Gemengelage also unbedingt verhindern. Im Umkehrschluss heißt das: Sollte die Bank über einen längeren Zeitraum abgewickelt werden, müssen sich die Sparkassen wohl an den Kosten beteiligen.