HSH Nordbank Freitag, Punkt 18 Uhr

Faule Schiffskredite machten aus der einst so ambitionierten HSH Nordbank einen norddeutschen Albtraum.

(Foto: Morris MacMatzen/Getty Images)

Verkauf oder Abwicklung? Faule Schiffskredite machten die HSH zum norddeutschen Albtraum. Nun fällt die Entscheidung über das Schicksal der Bank.

Von Meike Schreiber und Angelika Slavik, Hamburg

Man kann jedenfalls nicht sagen, Stefan Ermisch habe sich nicht genug angestrengt. Ermisch, 51, Vorstandschef der HSH Nordbank, macht seit Wochen bei jeder Gelegenheit Werbung für seinen Laden. "Unglaublich motiviert", sei die Mannschaft, ließ er wissen. Operativ habe man "abgeliefert", konstatierte er. Deshalb habe diese Bank "einen Käufer verdient".

An diesem Freitag, Punkt 18 Uhr, wird sich herausstellen, ob all das Werben etwas genützt hat. Dann läuft die Angebotsfrist für mögliche Käufer der HSH Nordbank ab. Es ist der Moment der Entscheidung: Verkauf oder Abwicklung - welches Ende findet dieser norddeutsche Albtraum?

Nach SZ-Informationen wird es am Freitag mindestens ein Gebot für die Kernbank und ein Gebot für die Gesamtbank geben - und zwar von den beiden US-Finanzinvestoren Apollo und J. C. Flowers, die sich jüngst zu einer Bietergemeinschaft zusammengeschlossen haben. "Der Umschlag wird nicht leer sein", hieß es am Donnerstag in Finanzkreisen.

Bislang unklar ist, ob die anderen verbliebenen Interessenten mitbieten werden. Im Rennen sind noch der amerikanische Investor Cerberus sowie Socrates Capital aus London. Hinter Socrates soll dem Vernehmen nach aber ein anderer, bisher unbekannter Bieter stehen. Der US-Fonds Lone Star soll sich aus dem Kreis der Interessenten zurückgezogen haben. Auch Investoren aus China, zu Beginn des Verkaufsprozesses als Favoriten auf den Zuschlag gehandelt, sind nicht mehr im Spiel.

Dass die Bank einen neuen Eigentümer bekommen muss, ist eine Auflage der EU-Kommission: Die erlaubte die Milliardenhilfen durch die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein während der Finanzkrise 2009 nur mit der Auflage, die Bank bis Februar 2018 zu verkaufen - klappt das nicht, muss sie abgewickelt werden.

Die HSH, die ihre faulen Wertpapiere in Milliardenhöhe mittlerweile in eine Abbaubank ausgelagert hat, hat in den vergangenen Monaten erhebliche Fortschritte gemacht beim Abbau der Risiken. Dennoch sei es möglich, dass problematische Teile der älteren Kreditportfolios im Volumen von vier bis acht Milliarden Euro nicht verkauft werden könnten, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Für diesen Fall hätten jedoch der Sparkassenverband DSGV und die Länder signalisiert, bestimmte Restrisiken zu übernehmen - das würde wohl auch die EU-Kommission akzeptieren. Das Schreckenszenario einer Abwicklung bliebe dann aus.

Käme einer der Bieter oder das Bieterkonsortium zum Zuge, muss die Finanzaufsicht Bafin noch die "Zuverlässigkeit" der neuen Eigentümer prüfen - ob sie also über ausreichend Kapital verfügen und ob alle maßgeblichen Personen juristisch unbelastet sind. Finanzinvestoren eilt bisweilen der Ruf voraus, Banken nicht mit ausreichend Eigenkapital auszustatten. Zumindest bei Apollo und Cerberus hätte es die Bafin jedoch mit Bietern zu tun, die sie schon kennt: Apollo stieg erst in diesem Sommer bei der Oldenburgischen Landesbank ein, Cerberus ist an der Commerzbank beteiligt und hat zudem gerade die österreichische Bawag an die Börse gebracht. Beide dürften daher die Bafin-Prüfung überstehen. Auch J.C. Flowers ist nicht neu im Geschäft, sondern hat bereits eine Minderheitsbeteiligung an der HSH.

Der Verkauf muss bis Februar besiegelt sein, das Closing, also der Abschluss der Transaktion wäre für Dezember 2018 geplant. Bis dahin müsste auch die Frage geklärt werden, ob die HSH unter das gemeinsame Haftungsdach der privaten Banken schlüpfen kann. Bisher ist sie in der öffentlich-rechtlichen Einlagensicherung, müsste diese aber spätestens zwei Jahre nach dem Verkauf verlassen. Fraglich ist aber, ob die privaten Banken für die Fehler aus der öffentlich-rechtlichen Zeit haften wollen. Doch eine Bank, für die nur die gesetzliche Sicherung gilt, bekäme bei der Refinanzierung enorme Schwierigkeiten. Mögliche Lösung: "Es könnte Teil der Verhandlung sein, dass die HSH zwei Jahre länger, also vier Jahre in der öffentlich-rechtlichen Sicherung bleibt", sagte ein Insider.