HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher:Omega 55 kostete die Steuerzahler Milliarden

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Um die Deals der Bank zu verstehen, sind die Ermittler tief in die Ereignisse im Herbst 2007 eingetaucht. Damals nahm die Finanzkrise ihren Anfang, Hamburg und Schleswig-Holstein wollten die HSH Nordbank an die Börse bringen. Doch der Vorstand sorgte sich um die dünne Kapitaldecke. Rating-Agenturen drohten die Bank sogar herabzustufen. Das war bedrohlich: Das Institut brauchte doch eine gute Note für den Börsengang.

Die Lösung schien ein windiges Überkreuz-Geschäft mit der französischen Großbank BNP Paribas zu sein. Dieser Deal bestand aus zwei Teilen. Zunächst versicherte die HSH ein milliardenschweres Immobilienpaket bei der BNP Paribas gegen Verluste und einen Ausfall. Dieses Paket musste nicht mehr mit Eigenkapital der HSH unterlegt werden - das polierte die Bilanz auf. Dadurch stieg die Kapitalquote und damit konnte sich die Bank über den Jahreswechsel retten. Denn im April, so soll es von vorneherein festgestanden haben, sollte das Geschäft wieder abgewickelt werden. Vier Monate für eine aufgehübschte Bilanz. Das klingt windig und soll es auch gewesen sein: Die Bankenaufsicht Bafin wurde damals nicht über die Kurzfristigkeit informiert.

Abzeichnung im Eilverfahren

Im Gegenzug übernahm das norddeutsche Geldhaus die Liquiditätsgarantie für ein Finanzvehikel namens Omega 55. Das erwies sich als fatal. Denn in Omega 55 hatte die BNP Paribas große Pakete mit Papieren geparkt, die dann enorme Verluste verursachten. Etwa Papiere von der späteren Pleitebank Lehmann Brothers. Dieser zweite Teil des Deals und seine Risiken seien weder gründlich noch angemessen geprüft worden, meint die Staatsanwaltschaft Hamburg. Die Computer-Systeme der Bank und die Teams in Hamburg und Kiel waren angeblich mit solchen Einschätzungen überfordert. Außerdem sei die Zeit zur Prüfung zu kurz gewesen. Die Risiken des zweiten Teil sollen sogar schlichtweg ignoriert worden sein. Das klingt nach Blindflug oder sogar Spielcasino. Aber so ist es in der 602 Seiten starken Anklageschrift festgehalten. Und so werden es die zwei Staatsanwälte des Verfahrens, Karsten Wegerich und Maximilian Fink, vertreten.

Getätigt hatte die dubiosen Geschäfte die Londoner Niederlassung der HSH. Das führte die Ermittler auch nach Großbritannien. Fast 50 Zeugen wurden befragt, darunter auch britische Banker.

Die einstigen Vorstände haben die Deals kurz vor Weihnachten 2007 im Eilverfahren abgezeichnet, trotz Warnungen aus dem eigenen Haus. Das sollte sich rächen. Allein auf Omega 55 musste die Bank im Folgejahr mehr als 330 Millionen Euro abschreiben. Als das Paket sehr viel später verkauft wurde, war der Schaden aber kleiner: Er betrug 158 Millionen. 2008 aber war Omega 55 nicht das einzige Verlustgeschäft, und so geriet die Bank an den Rand der Pleite. Der Verlust häufte sich auf 2,8 Milliarden Euro. Die Länder mussten schließlich eingreifen, um ihre Bank zu retten. Sie gaben eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und eine Garantie über zehn Milliarden. Das half der Bank und kam teuer für die Steuerzahler.

In der Bankenwelt schauen sie jetzt mit Spannung darauf, welche Richtung der Prozess nehmen wird. Bei einer tatsächlichen Verurteilung wegen schwerer Untreue drohen Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Bilanzfälschung kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Doch solch hohe Strafen halten Strafrechtler wie Gerhard Strate für unwahrscheinlich. Der Hamburger Anwalt hatte das Verfahren mit einer Anzeige 2009 ins Rollen gebracht. "Da wird keiner mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe aus dem Saal gehen."

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