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Hotelketten:Wenn nur der Notverkauf bleibt

/ Dorint Hotel / Hygiene ATP Tennis Turnier Dorint Hotel Köln Deutschland 16.10.2020 *** ATP Dorint

Neun Hoteliers trafen sich am Donnerstag zu einer Krisenrunde im Kölner Dorint-Hotel.

(Foto: Eduard Bopp/imago images)

Zu groß für ausreichende Hilfen, zu klein für eine Staatsbeteiligung: Hotelketten wie Maritim oder Dorint beklagen mangelnde Unterstützung - und treffen teils bittere Entscheidungen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Der Tag begann mit einem Warnschuss erster Güte. Früh am Morgen gab die Hotelkette Maritim bekannt, dass sie einen Teil ihrer Standorte verkaufen müsse. "Obwohl wir vor der Pandemie über hohe Liquiditätsreserven verfügt haben, müssen wir nun über Hotel-Notverkäufe unser Überleben sichern", sagte Monika Gommolla, Inhaberin des Familienunternehmens mit 40 Hotels. Etwa 140 Millionen Euro habe Maritim bislang während der Corona-Krise verloren.

Schon voriges Frühjahr mussten Hotels für Touristen zusperren, um Ansteckungen zu vermeiden. Im Sommer erlebten Gastgeber zwar einen Boom des Inlandtourismus. Doch mit den strengeren Regeln seit November meldet die Branche wieder Umsatzausfälle um die 90 Prozent.

Maritim ist nicht die einzige Firma, die nun notverkauft, das zeigt am Donnerstagmittag eine Krisenrunde in Köln, zu der neun gestandene Hoteliers aus ganz Deutschland geladen hatten. "Wir haben vergangenes Jahr 13 Betriebe schweren Herzens abgeben müssen", sagt etwa Homeira Amiri, Chefin der Kette Centro mit 40 Hotels.

Solche sogenannten Verbundunternehmen sehen sich in einer fatalen Mittelposition: Mit einer jeweils vierstelligen Beschäftigtenzahl und gewöhnlichen Jahresumsätzen von mehr als 50 Millionen Euro sind sie zu groß, um gezielte Hilfen für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) beantragen zu können. Sie sind zugleich viel kleiner als Konzerne wie Lufthansa oder Tui, an denen sich der Bund als Retter beteiligt hat.

Zwar hat der Staat längst mit sogenannten November- und Dezemberhilfen sowie der Überbrückungshilfe III nachgelegt. Aufsichtsratschefin Gommolla moniert jedoch, dass etwa Maritim bisher nur zwei Millionen Euro erhalten habe.

Hotelkonzerne aus dem Ausland stehen bereit, um hiesige Standorte zu übernehmen

Auch Otto Lindner, Vorstand der gleichnamigen Gruppe mit etwa 30 Hotels, hat seine November- und Dezemberhilfe nach reichlich Beratung erst im März beantragt. "Es hat eine Komplexität erreicht, die kaum noch nachvollziehbar ist", beklagt Lindner, zugleich Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA). Vor wenigen Tagen seien die Hilfen gebilligt worden; erhalten habe er sie noch nicht.

Das Kölner Podium fordert daher nicht nur eine Öffnungsperspektive, wie viele andere auch. Gastgeber Dirk Iserlohe, Mehrheitsgesellschafter der Dorint-Gruppe, spricht sich zudem dafür aus, dass der Staat Hotelunternehmen schlicht entschädigen sollte, statt komplizierte Hilfsanträge auszutüfteln. Alternativ sollten Verbundunternehmen künftig auch mehr als drei Millionen Euro Überbrückungshilfe monatlich erhalten dürfen, fordert Iserlohe. Auch Otto Lindner argumentiert, dass seine Gruppe alleine Fixkosten in Höhe von sieben Millionen Euro zahlen müsse. Da reichten drei Millionen Euro Überbrückungshilfen nicht aus, allen anderen Maßnahmen wie etwa dem Kurzarbeitergeld zum Trotz. Der Bund führt hier bislang beihilferechtliche Bedenken an.

Notverkäufe indes, wie Maritim und Centro sie schon tätigen mussten, haben immer auch eine Kehrseite: den Käufer. So haben Hotelkonzerne wie beispielsweise Deutsche Hospitality mit ihrer Marke Steigenberger bereits angekündigt, dass sie gerade in Krisenzeiten weitere Standorte übernehmen wollen. Das Unternehmen befindet sich seit vergangenem Jahr in chinesischer Hand.

© SZ/vit
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