Hotel-Magnat Dieter Bock 500 Kunstwerke - einfach abgeholt

Für Furore sorgte der Aufsteiger dann in den neunziger Jahren: 1992 kaufte er sich in den verschachtelten britischen Konzern Lonrho ein - 800 Einzelfirmen, völlig unübersichtlich. Lonrho-Boss Roland Rowland war erst begeistert und kührte Bock zum Kronprinzen. Doch die Freundschaft schlug in erbitterte Feindschaft um - denn der Deutsche war nichts anderes als eine frühe "Heuschrecke".

Er schubste seinen Ziehvater vom Thron und nahm dessen Platz ein. Rowland drohte, den Widersacher bis zum Ende seiner Tage zu verfolgen. Doch Bock gewann das Rennen. Später übernahm er die Anteile von Rowland und reichte sie mit üppigem Gewinn an die britisch-südafrikanische Anglo American Group weiter.

Dieter Bock war in seinem Element. Mal kaufte er einen Fußballverein in Südafrika, dann wieder Aktienpakete von Baukonzernen wie Holzmann und Dywidag. Er stieg groß bei der Hotelkette Kempinski ein und stellte dem Frankfurter Museum für Moderne Kunst drei Millionen Mark zum Bilderkauf zur Verfügung.

Doch am Ende gab es überall, wo der Mann auftauchte, heftigen Streit. Bei Kempinski kam es zu jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzung. Noch aufsehenerregender war, als er im Sommer 2005 plötzlich am Hintereingang des Museums Lastwagen auffahren ließ, nach 15 Jahren seine 500 Dauerleihgaben wieder mitnahm und teils teuer verkaufen ließ. Das Ausstellungshaus blieb halbleer zurück. Dabei hatte die gemeinsam mit seiner Frau Olga initiierte "Stiftung zur Förderung der Bildenden Kunst" zumindest vom Namen her doch so einen guten Eindruck gemacht.

Möglicherweise brauchte Bock aber Geld: 2005 stellte die Nachfolgegesellschaft der Advanta AG wohl Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Alles lief sehr verschwiegen - der Spiegel nannte es eine "stille Beerdigung".

In München sorgte er für Ärger, als er sich vor vielen Jahren auf der Praterinsel einkaufte. Dort wollte er gemeinsam mit dem Heidelberger Unternehmer Roland Ernst das "Museum der Phantasie" von Lothar-Günther Buchheim errichten. Doch am Ende kam alles anders, am Ende vergrätzte Bock die dort ansässige Kunstszene und verkaufte die Gebäude an die Augsburger Patrizia Immobilien AG weiter. Derzeit stehen sie leer.

Zuletzte wohnte Dieter Bock in Darmstadt und in London. Der umstrittene Kapitalist lebte extrem zurückgezogen. Doch dann kam die Essensbestellung nach Mitternacht.