Honorare für 2015 Ärzte bekommen mehr Geld

Fach- und Hausärzte bekommen ab kommendem Jahr 800 Millionen Euro zusätzliches Honorar.

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800 Millionen Euro zusätzlich ab dem kommenden Jahr: In nur zwei Verhandlungsrunden einigen sich Kassen und Ärzte-Vertreter auf neue Honorare für Mediziner in Praxen. Trotzdem liegt das Ergebnis weit unter den Vorstellungen der Ärzteschaft.

Von Guido Bohsem, Berlin

Ärzteschaft und Kassen haben sich überraschend schnell auf höhere Honorare für die rund 162 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verständigt.

800 Millionen Euro zusätzliches Honorar soll es im kommenden Jahr geben. Rein rechnerisch wären das gut 4900 Euro pro Mediziner oder Psychotherapeut. Die Chefin des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, sprach von einer guten Lösung. Auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Einigung.

Während es in den vergangenen Jahren mitunter zu heftigem Streit zwischen Ärzte- und Kassenfunktionären gekommen war, wurde die Stimmung in diesen Verhandlungen als nüchtern und sachlich beschrieben. Die schnelle Verständigung auf ein Ergebnis überrascht, da insbesondere auf KBV-Chef Gassen hohe Erwartungen der niedergelassenen Mediziner lasteten. Er ist erst seit gut einem halben Jahr im Amt und es handelte sich um seine ersten Honorarverhandlungen - ein Thema, das für viele Ärzte sehr sensibel ist.

Das Ergebnis liegt weit unter der Vorstellung der Ärzteschaft

Das Ergebnis liegt weit unter der Summe von fünf Milliarden Euro, die von der Ärzteschaft zuvor ins Spiel gebracht worden war. Gassen hatte allerdings immer wieder betont, dass es sich dabei um ein Fernziel handele, das er in mehreren Stufen erreichen will. Eine genaue Forderung hatte der KBV-Chef vor den Verhandlungen nicht erhoben.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes erzielt ein Arzt derzeit pro Jahr einen sogenannten Reinertrag von 166 000 Euro. Der Reinertrag ergibt sich, wenn man von den Einnahmen die Kosten der Praxis und die Gehälter für Personal abzieht. Aus der verbliebenen Summe muss der Mediziner unter Umständen auch die Ablöse finanzieren, die er seinem Vorgänger für die Praxis gezahlt hat.

Bei den Verhandlungen auf Bundesebene wurde zum einen die zu erwartende Menge der ärztlichen Leistungen festgelegt als auch der Preis, der für diese Tätigkeiten zu zahlen ist. Die Menge richtet sich danach, wie sehr die Erkrankungen der Bevölkerungen zugenommen haben - ein Prozess, der vor allem durch das Altern der Gesellschaft, den demografischen Wandel angetrieben wird.

Diese auf Bundesebene erzielte Einigung dient allerdings nur als Richtwert. Die genauen Mengenveränderungen werden in den Regionen zwischen den lokalen Kassenärztlichen Vereinigungen und den dortigen Kassen im Einzelnen verhandelt. Mit diesem zweistufigen Verfahren soll den unterschiedlichen Bedingungen in den einzelnen Bundesländern Rechnung getragen werden.

Hausärzte sollen für Hausbesuche besser honoriert werden

Bei den Preisverhandlungen müssen sich die beiden Parteien darauf verständigen, wie sich beispielsweise die Lohnentwicklung bei den Praxishilfen, die Energiekosten oder die Mieten auf die Preise der ärztlichen Leistungen ausgewirkt hat. Je komplexer eine medizinische Leistung ist, desto mehr Punkte werden ihr zugewiesen. Um den Wert der Leistung in Euro und Cent zu errechnen, werden die Punkte dann mit dem sogenannten Orientierungswert multipliziert. Dieser stieg nun um 1,4 Prozent auf 10,27 Cent.

Je 132 Millionen Euro der Gesamtsumme sollen auf die Fachärzte und die Hausärzte verteilt werden. Letztere sollen damit eine bessere Honorierung ihrer Hausbesuche erhalten. Gassen würdigte diesen Teil der Vereinbarung als Einstieg in feste Preise. In den meisten Bereichen der ärztlichen Honorierung sinken die Preise, wenn die Ärzte im Quartal mehr behandeln als zuvor vereinbart.