Home-Office:Vollzeit im Büro? Muss nicht sein

Home-Office: Mancher Schreibtisch im Büro ist nicht mehr an jedem Arbeitstag besetzt.

Mancher Schreibtisch im Büro ist nicht mehr an jedem Arbeitstag besetzt.

(Foto: Florian Küttler/imago/Westend61)

3,2 Tage in der Woche verbringen Angestellte wieder im Büro, wie eine Umfrage zeigt. Auf eine Anwesenheitspflicht verzichtet die Mehrheit der Arbeitgeber.

Bürobeschäftigte, die eine volle Arbeitswoche im Unternehmen verbringen, sind einer Umfrage zufolge in der Minderheit. Inmitten des Home-Office-Trends kamen zuletzt in den sieben Bürohochburgen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart Büroangestellte im Schnitt 3,2 Tage in der Woche zur Arbeit, zeigt eine Umfrage des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL). Das entspricht einer Quote von rund 63 Prozent bei einer Fünf-Tage-Woche. Vor den ersten Corona-Lockdowns im März 2020 habe die Anwesenheit im Büro im Mittel bei vier Tagen gelegen, hieß es in der repräsentativen Umfrage unter 1540 Menschen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Fünf-Tage-Woche im Büro in den sieben Metropolen werde lediglich von etwa einem Drittel der Beschäftigten praktiziert (2020: 55 Prozent).

An der Umfrage im Juli und August nahmen sowohl Büroangestellte als auch Beschäftigte von Industrieunternehmen teil, die im Büro arbeiten. IT-Angestellte arbeiten öfter zu Hause. Zwischen den Branchen gibt es große Unterschiede. Demnach ist die Rückkehr ins Büro in Marketing, Kultur und Medien recht stark ausgeprägt: Dort wurden 86 Prozent des Anwesenheitsniveaus vom März 2020 erreicht - ähnlich wie im öffentlichen Dienst, in Erziehung und Gesundheit sowie im Bau-, Grundstücks- und Wohnungswesen. In der Branche IT und Telekommunikation lag die Rate hingegen bei 53 Prozent.

Während Vorschriften eine große Rolle für die Büronutzung spielten, hätten die Lage des Büros und die Entfernung zum Wohnort wenig Einfluss, teilte JLL mit. Nur in Berlin und Frankfurt liegt demnach die Rückkehrquote bei Bürobeschäftigten, die im Umland wohnen, deutlich unter der von Angestellten aus der Stadt. Sonst waren die Werte ähnlich. "Das bedeutet, dass der Effekt der Pendelzeiten für die Entscheidung des Arbeitsorts weniger ausschlaggebend ist als häufig angenommen", sagte JLL-Experte Helge Scheunemann.

Dafür gibt es andere wichtige Faktoren für die Anwesenheit. "Je mehr Beschäftigte und je internationaler das Unternehmen, desto weniger wird im Büro gearbeitet", heißt es in der JLL-Umfrage. Seit der Pandemie hat sich das Home-Office fest im Arbeitsleben etabliert - auch wenn einige Firmen ihre Beschäftigten nun wieder zu mehr Büroarbeit verpflichten. Mit dem Trend sind Büroimmobilien unter Druck geraten. Im zweiten Quartal gab es laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken einen Preiseinbruch um fast zehn Prozent. Nach einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Ifo-Instituts will eines von elf Unternehmen Büroflächen als Reaktion auf die vermehrte Heimarbeit verkleinern. Viele Firmen hätten schon reagiert. Andere planten das in den kommenden Jahren, wenn die oft langfristigen Mietverträge ausliefen. Jedoch ist Home-Office längst nicht in allen Branchen verbreitet. Nur knapp die Hälfte aller Stellen in Deutschland ist laut Ifo überhaupt mit der Arbeit zu Hause vereinbar.

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