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Home-Office:Allein mit der Zimmerpalme

Wer im Praktikum von zu Hause aus arbeitet, kann sich zunächst isoliert fühlen - doch das muss nicht so sein.

Von Clara Thier

Den meisten geht es im Home-Office so: Die eigene Höhle, also das Zimmer, in dem sich der Arbeitsalltag abspielt, ist vertraut, ebenso sind es die Aufgaben und die Kollegen und Kolleginnen vor dem Bildschirm - ungewöhnlich ist nur die Kombination aus Arbeit und Aufenthaltsort, die bekanntlich schon genug Schwierigkeiten bereitet. Noch komplizierter wird das Arbeiten aber als Praktikant oder Praktikantin, wenn nur die Zimmerpalme immer noch die gleiche ist, die Arbeit sowie Kolleginnen und Kollegen aber völlig neu und unvertraut.

Am Anfang ist ein Praktikum im Home-Office ein Zustand der Unsicherheit und des permanenten (Selbst-)Zweifels: Wen kann ich was fragen? Was darf ich überhaupt fragen und was sollte ich schon wissen? Hat sie meine E-Mail bekommen? Hat er meine Nachricht gelesen? Darf ich einfach so anrufen? Wie lange kann ich mittags spazieren gehen? Und merkt überhaupt irgendjemand, dass ich (nicht) arbeite?

Eine weitere existenzielle Frage: Soll die Kamera bei Konferenzen an oder aus sein? An - das zeigt Präsenz. Aus - Präsenz zeigen beim Müsli essen ist vielleicht doch nicht so gut. An - heute sagt man vielleicht mal was. Aber man hat gar nichts zu sagen zu dem Thema, also wieder aus.

Dann ist man einmal im Büro und stellt nüchtern fest: Hier ist auch (fast) niemand. Nur der andere Praktikant, der ist zwei Köpfe größer als gedacht. Aber immerhin weiß man jetzt, neben welchen Zimmerpalmen man eigentlich sitzen würde, an welchem Kaffee-Automaten man eigentlich "nur kurz einen Kaffee holen" würde, um dann doch ewig mit jemandem zu quatschen. Nur die ganzen Kollegen zum quatschen, die fehlen.

Es gibt zwei tröstliche Tatsachen: Erstens, momentan gibt es keine bessere Alternative. Ein Praktikum im Home-Office ist immer noch besser als gar kein Praktikum. Und zweitens: Kommunizieren lohnt sich. Ein nettes Gespräch am Telefon, eine Antwort auf Slack, ein spontaner Videocall - das gibt Sicherheit, auch in diesen Zeiten.

© SZ/pauw
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