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Holzindustrie:Kahlschlag im Regenwald

Unkontrollierter Kahlschlag ist nach wie vor an der Tagesordnung, nicht nur in Südamerika, sondern auch in Asien und Afrika, bestätigt Johannes Zahnen, Forstexperte bei der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). "48 Prozent aller aus Asien nach Deutschland importierten Holzprodukte stammen aus illegalem Einschlag", ergänzt er. Auch Russland zählt Zahnen zu den schwarzen Schafen. Das Land exportiert nach seinen Angaben ein Drittel mehr Holz, als eigentlich über offizielle Konzessionen zulässig wäre.

Handel nur über Drittländer

Beim Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) weist man die von den Umweltschutzorganisationen genannten Zahlen über das Ausmaß des illegalen Holzhandels zurück. "Uns gefällt nicht, wie hier eine Branche kriminalisiert wird, obwohl das die Datenlage eigentlich nicht hergibt", sagt GD-Holz-Geschäftsführer Rudolf Luers. "Bei den Angaben handelt es sich meist nur um Schätzungen, das sind keine belastbaren Zahlen." Er verweist stattdessen auf Studien der amerikanischen Holzindustrie aus den Jahren 2000 und 2004, die von weitaus geringeren Ausmaßen ausgehen. Luers räumt jedoch ein, dass der illegale Holzhandel ein Problem für die Branche ist. "Die Situation ist unübersichtlich", ergänzt er. Auch deshalb, weil sich die Herkunft von Holz nicht immer eindeutig klären lasse. "Wenn ein Sperrholzplatte nach Deutschland kommt, ist nicht klar was tatsächlich drin steckt", erklärt er.

Der Handel mit illegaler Ware erfolgt nach Angaben von Umweltschutzorganisation meist über Drittländer, so dass sich der Ursprung des Rohstoffs später kaum noch nachvollziehen lässt. Tropenholz, das beispielsweise aus Südostasien stammt, wird demnach häufig über China nach Europa geschleust, Hehlerware aus Russland kommt laut Kaiser meist auf dem Umweg über Finnland.

EU-Kommission plant Strafvervolgung

Was im Akkord in den Urwäldern illegal abgeholzt wird, taucht meist schon ein paar Monate später ganz legal im Handel auf, auch in Deutschland. Möglich ist das, weil der Handel mit illegal geschlagenem Holz in den Ländern der Europäischen Union und auch in vielen anderen Ländern nicht strafbar ist. Einzige Handhabe wäre hierzulande laut Zahnen vom WWF eine Strafverfolgung nach dem Geldwäschegesetz. "Das ist aber so kompliziert, dass es in Deutschland noch nicht zu einer einzigen Verurteilung auf dieser Basis gekommen ist."

Gesetzesvorlagen, die den Handel mit illegal geschlagenem Holz unter Strafe stellen sollen, scheiterten in der Vergangenheit sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene unter anderem am Widerstand der Holzlobby. Die letzte Eingabe im vergangenen Jahr wurde abgelehnt, mit der Begründung, dass der bürokratische Aufwand zu hoch sei. Einen neuen Vorstoß für eine gesetzliche Regelung will die EU-Kommission Mitte des Jahres unternehmen.

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