Baustoffe:Wenn das Holz plötzlich knapp wird

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Naturprodukt wird knapp: Holzmangel führt zu Lieferengpässen und hohen Preisen

Teure Balken: Innerhalb weniger Monate hat sich der Preis für manche Holzprodukte mehr als verdoppelt.

(Foto: Robert Schmiegelt/ Future Image/action press)

Der Baustoff ist besonders wichtig - und derzeit Mangelware. Das liegt nicht nur am anhaltenden Bauboom.

Von Jochen Bettzieche

Der Holzmarkt ist derzeit kein Spaß für Stefan Fichtl. Seit Herbst haben sich die Preise teilweise mehr als verdoppelt. "Statt 320 zahlen wir mittlerweile zum Teil mehr als 700 Euro für Standardkonstruktionsholz", sagt der Zimmermeister und Geschäftsführer von Holzbau Fichtl aus dem oberbayerischen Hechenwang. Es geht um alle Arten von Holz am Bau, ob Balken oder Platten. Das Material ist nicht nur teuer geworden, sondern auch knapp, obwohl hierzulande eigentlich viel Holz vorhanden ist.

Einerseits treibt der Bauboom in Deutschland die Nachfrage, andererseits wird exportiert, weshalb es auf dem Bau zum Teil erhebliche Probleme gibt.

Wenn heimisches Holz ins Ausland geht, dann muss Deutschland unter Umständen künftig mehr Holz importieren. "Wir müssen global denken, wenn wir die Holzversorgung auch in den kommenden Jahren sicherstellen wollen", sagt Thomas Goebel, Geschäftsführer beim Gesamtverband Deutscher Holzhandel. Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, dem Bund Deutscher Zimmermeister, fordert wiederum, mehr Holz zu verbauen, das von Stürmen oder Borkenkäfern geschädigt wurde. Das habe nahezu die gleiche Qualität wie herkömmliches Bauholz.

Die Zimmereien sind nicht die einzigen, denen der Rohstoff fehlt. Auch andere Gewerke wie Dachdecker melden Engpässe und Preissteigerungen. Betroffen sind nicht nur die beliebter werdenden Holzhäuser, auch für konventionelle Bauweisen wird der Werkstoff benötigt. Selbst beim Beton hakt es. Denn es geht auch um Holz als Hilfsmittel, beispielsweise bei Verschalungen. Auch da ist es knapp.

Früher war die Lieferung in zehn Tagen da. Heute dauert es viele Wochen

"Wir waren es gewohnt, unser Material innerhalb von zehn Tagen geliefert zu bekommen, jetzt reden wir von acht bis zwölf Wochen", sagt Zimmermeister Fichtl, zum Teil noch mehr. Anfang Mai wollte er für September und Oktober bestellen und wurde auf November und Dezember vertröstet. Fichtl hat jetzt zusätzliche Lagerflächen gemietet und ein großes Zelt als weiteres Lager erworben, um sich einen Vorrat anzulegen: "Wir planen jetzt langfristig."

Die Corona-Pandemie hat das Problem verschärft. Viele renovieren jetzt das Haus oder machen den Gartenzaun neu. "Gleichzeitig haben die Sägewerke zu Beginn der Krise ihre Produktion gedrosselt", sagt Wendelin von Gravenreuth. Der Forstwirt ist zuständig für die Forstinvestitionen bei der Investmentgesellschaft Meag in München.

Der Markt verlangt vor allem Bauholz. "Die Nachfrage aus dem Papiersektor hingegen ist zumindest im Westen rückläufig", sagt Gravenreuth. Er zeigt eine Grafik, wonach der Preis für Schnittholz in den USA von April 2020 bis Mai 2021 zeitweise auf das Sechsfache gestiegen ist. Der Holzmangel dort ist groß, auch, weil Käfer große Waldteile zerstören. Kein Wunder also, dass die Produzenten ihre Bretter und Balken gerne verschiffen.

Eine Lösung könnte sein, mit weniger Holz zu bauen, zum Beispiel künftig auf Massivholzwände zu verzichten. Wände baut Fichtl ohnehin ressourcenschonend in Holzrahmenbauweise: "Die Decken sind aus Kreuzlagenholz, da haben wir jetzt eine Lösung gefunden, mit weniger Material auszukommen."

China will die eigenen Wälder erhalten

Rundholz ist im Vergleich zu bearbeitetem Material billig. Borkenkäfer, Trockenheit und Stürme haben den Wäldern zugesetzt, sodass viel Holz da ist. Aber das geht oft mit Zügen und Schiffen entlang der Seidenstraße nach China, denn dort herrscht ein großer Mangel, sagt Gravenreuth: "China hat kaum Forstwirtschaft und die eigenen Naturwälder von der Nutzung ausgenommen." Er geht davon aus, dass Knappheit und hohe Preise längerfristig den Markt bestimmen werden.

Und dann ist da noch der Klimawandel. Der erfordert, dass Wälder umgebaut werden, mehr Laubbäume, weniger Nadelholz. Und eine Buche etwa wächst viel langsamer als eine Fichte.

Fichtl kennt noch einen Bedarf für Holz: Holzfaserdämmstoffe. Die sind ebenfalls rar. Zum Glück bieten Jute, Flachs und Hanf Ausweichmöglichkeiten. Bis Mitte 2022 sind seine Auftragsbücher voll. Eigentlich ein gutes Zeichen, aber da er nicht an genügend Material kommt, ist er sich jetzt schon sicher: "Dieses Jahr wird eine organisatorische Herausforderung."

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