Hollywood:Das Netz der Traumfabrik

Lesezeit: 3 min

Hollywood: Leonardo DiCaprio, Robert De Niro und Martin Scorsese (von links) werben für ein Casino in Macau.

Leonardo DiCaprio, Robert De Niro und Martin Scorsese (von links) werben für ein Casino in Macau.

(Foto: Philippe Lopez/AFP)

Star-Regisseur Martin Scorsese hat einen 70-Millionen-Dollar-Kurzfilm gedreht. Er will zeigen, wie Hollywood funktioniert - und macht vor allem Werbung für ein Casino.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am Ende stehen Leonardo DiCaprio und Robert De Niro ziemlich bedröppelt in einem Hotel in Japan. Da haben sie sich ordentlich zum Affen gemacht, um eine Rolle im neuen Film von Martin Scorsese zu bekommen: DiCaprio hat in einem Casino erfolglos so getan, als könne er Blackjack spielen, De Niro hat ebenso erfolglos versucht, Champagner in eine Pyramide aus Glaskelchen zu kippen.

Nun sehen sie aus wie zwei Spinnen, denen eine fette Fliege durchs Netz geflogen ist: Der Regisseur vergibt die Rolle an Brad Pitt. Der sieht zwar wunderbar aus, hat aber ganz offensichtlich keine Ahnung, wen er da überhaupt verkörpern soll.

13 Millionen Dollar sollen die Stars in einer Woche verdient haben

So läuft das manchmal in Hollywood, das ist die Botschaft des satirischen und selbstreferenziellen Kurzfilms "The Audition" von Scorsese, der gerade bei der Eröffnung eines 3,2-Milliarden-Dollar-Casinos in Macao gezeigt wurde. Scorsese, DiCaprio und De Niro standen dabei brav auf der Bühne und lächelten in die Kameras.

Studio City heißt das Casino, es soll an die Traumfabrik in Los Angeles erinnern, der Film passt dazu wie Chips auf den Roulettetisch. 70 Millionen Dollar soll die Produktion des nun wahrlich nicht weltbewegenden und nicht einmal besonders witzigen 15-Minuten-Streifens gekostet haben. Die Entstehung ist ein herrlicher Beleg dafür, wie das manchmal funktioniert beim Geschäftemachen in Hollywood.

Für ihr Mitwirken sollen Scorsese, De Niro, DiCaprio und Pitt jeweils 13 Millionen Dollar erhalten haben, obwohl die Dreharbeiten ausschließlich in New York stattgefunden und nicht einmal eine Woche lang gedauert haben.

"Das ist die beste Marketingkampagne der Welt", sagt der australische Unternehmer James Packer, der am Casino beteiligt ist und den Film mitfinanziert hat. Er wollte die Produktionskosten nicht bestätigen, dementierte sie jedoch auch nicht: "Meine Firma zahlt die Hälfte, die meines Geschäftspartners zahlt die andere Hälfte - und das über drei Jahre. Wenn die Zahlen also stimmen, dann reden wir über ein bisschen mehr als elf Millionen Dollar pro Jahr für jeden. Wenn man es so betrachtet, dann ist es plötzlich nicht mehr so viel."

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