Unwetter:Flut wird für Versicherer noch teurer

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz

Zerstörte Autos in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Es sind bereits tausende Schadensmeldungen bei den Versicherern eingegangen - und weitere dürften folgen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Sturmtief "Bernd" kostet die Branche mehr als gedacht: bis zu 5,5 Milliarden Euro. Dabei sind längst nicht alle Schäden versichert.

Von Friederike Krieger, Köln

Das Sturmtief "Bernd", das Mitte Juli vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie Bayern und Sachsen für schwere Verwüstungen gesorgt hat, kommt die Versicherer teurer zu stehen als bisher gedacht: Auf zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden Euro schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) inzwischen allein die versicherten Schäden. Zuletzt hatte die Prognose noch bei vier bis fünf Milliarden Euro gelegen. Diese Summe bezog sich aber nur auf Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. In den neuen Zahlen sind jetzt auch die anderen betroffenen Bundesländer enthalten. Von den Gesamtschäden entfallen fünf bis zehn Prozent auf Bayern und Sachsen, vom Rest sind etwa zwei Drittel in Rheinland-Pfalz entstanden und ein Drittel in Nordrhein-Westfalen.

Durch anhaltenden Starkregen hatte das Sturmtief viele Ortschaften hart getroffen. Bäche und Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, mindestens 170 Menschen starben in den Fluten. Häuser stürzten ein, Keller liefen voll, Autos wurden davongespült.

"Laut aktualisierter Schadenschätzung sind rund 40 000 Kraftfahrzeuge durch die Fluten beschädigt oder zerstört worden", sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. "Der versicherte Schaden für die Kfz-Versicherer liegt bei rund 200 Millionen Euro und für die Transportversicherer bei rund 100 Millionen Euro." Letztere haben Lkws und ihre Ladung sowie Warenlager versichert, die in den Fluten untergegangen sind. Ebenfalls zu Buche schlagen werden laut GDV verschiedene versicherte Großschäden im gewerblichen Bereich mit jeweils zweistelligen Millionen-Summen.

Allein die Allianz rechnet nach eigenen Angaben mit Schadenzahlungen von mehr als einer halben Milliarde Euro an ihre Kunden. "Inzwischen liegen uns schon rund 10 000 Schadenmeldungen zu beschädigten Häusern und Hausrat und etwa 3000 Schadenmeldungen zu beschädigten Fahrzeugen vor", sagte Allianz-Vorstand Jochen Haug. Der Versicherer geht davon aus, dass diese Zahlen in den nächsten Tagen noch steigen werden. Die Signal Iduna hat bisher Schadenmeldungen in Höhe von 44 Millionen Euro erhalten. Die R+V, der Versicherer der Volks- und Raiffeisenbanken, hatte zuletzt von einer Summe von 167 Millionen Euro gesprochen. Andere Gesellschaften wie die Provinzial und die Versicherungskammer Bayern, die große Marktanteile in den betroffenen Regionen haben, haben bisher keine Zahlen veröffentlicht.

Eins aber ist schon klar: Für die Versicherer wird 2021 das schadenträchtigste Jahr seit 2002, als Unwetter für Schäden in Höhe von 10,9 Milliarden Euro gesorgt hatten. Aber längst nicht alle von "Bernd" verursachten Verwüstungen sind versichert. In Rheinland-Pfalz verfügen beispielsweise nur rund 37 Prozent der Gebäude über die nötige Elementarschadenversicherung, die auch Hochwasser abdeckt. Der Versicherungsmakler Aon geht deshalb von wirtschaftlichen Schäden von insgesamt rund 8,5 Milliarden Euro durch das Unwetter in Europa aus.

© SZ
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