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HNA:Wer hat eigentlich die Macht bei HNA?

Was nach einer Formalie klingt, könnte schwerwiegende Folgen haben. Wie in vielen anderen Ländern gilt auch in Deutschland: Sobald Aktionäre mehr als drei Prozent an einem börsennotierten Unternehmen halten, müssen sie per Stimmrechtsmitteilung angeben, welche Gesellschaften oder bedeutenden Einzelaktionäre dort das Sagen haben. Das soll etwa verhindern, dass sich Anteilseigner heimlich zulasten anderer Minderheitsaktionäre absprechen und die Strategie eines Unternehmens beeinflussen. Melden musste HNA die komplette Konzernstruktur.

Im Fokus der Untersuchung steht nun die Frage, ob HNA in der Mitteilung an die Aufsicht auch die Männer um Gründer Chen Feng hätte angeben müssen, da sie möglicherweise das Unternehmen beherrscht haben. Normalerweise ist ein solcher Zusammenschluss kaum nachzuweisen. Im aktuellen Fall aber hat die Schweizer Behörde schon beachtliche Vorarbeit geleistet und im Abschlussbericht kurz und bündig dargelegt, warum sie die Investoren um Chen Feng, die zumindest bis Sommer 2017 gemeinsam mehr als 70 Prozent der HNA-Anteile kontrollierten, für eine "beherrschende Gruppe" halten.

Ende Juli dieses Jahres etwa wurden knapp 30 Prozent der Anteile, die ein Strohmann aus Peking für die Firmengründer hielt, an eine Stiftung in den Vereinigten Staaten verschoben. Wer wie viele Aktien übertrug, ist nicht ersichtlich. Ein Indiz für ein Konsortium. Ebenfalls merkwürdig: Im September 2016 gaben die sechs Herren angeblich 4,75 Prozent ihrer Anteile an Manager des Konzerns weiter. Wieder ist unklar, wer wie viele Aktien abgetreten hat.

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Die Deutsche Bank ließ HNA bereits durchleuchten

HNA lässt dazu mitteilen: "Die Stimmrechtsmitteilungen von HNA in Bezug auf die Deutsche Bank waren und sind korrekt. Darüber hinaus äußern wir uns grundsätzlich nicht zu unserem Austausch mit den Aufsichtsbehörden."

Sollte die Bafin dennoch zu dem Ergebnis kommen, dass HNA falsche Angaben gemacht hat, womöglich sogar wissentlich, droht HNA ein sogenannter "Rechtsverlust" als Aktionär bei der Deutschen Bank. Das könnte bedeuten, dass HNA die letzte Dividende zurückzahlen muss, die in diesem Jahr allerdings recht mager ausgefallen ist. Auch deren Abstimmung auf der Hauptversammlung im Mai 2017 könnte für ungültig erklärt werden.

Eine Bafin-Überprüfung könnte auch für die Deutsche Bank unangenehm werden: Aufsichtsratschef Paul Achleitner hätte bei einem Anfangsverdacht als Leiter der Hauptversammlung womöglich die Pflicht gehabt, die Verhältnisse intensiv zu prüfen. Hinweis und Spekulationen gab es bereits. Im Frühjahr 2017 machten erste Presseberichte die Runde, wonach HNA zu weiten Teilen von Strohmännern gehalten werde. Von New York aus twitterte ein chinesischer Milliardär im Exil in schöner Regelmäßigkeit Anschuldigungen gegen HNA. Sein Kernvorwurf: HNA sei fremdgesteuert, die Familie des ehemaligen obersten Anti-Korruptionsbekämpfers Wang Qishan führe Regie. Bislang lassen sich für diese Vorwürfe keine Belege finden. Wurde diesen Vorwürfen je nachgegangen? Hätte die Deutsche Bank gar wissen können, dass die Stimmrechtsmeldung möglicherweise nicht korrekt war?

Bereits Mitte Februar hat die Bank bei den hauseigenen Investmentbankern eine Untersuchung des neuen Großaktionärs in Auftrag gegeben. Damals war HNA zunächst mit gut drei Prozent eingestiegen. Kostenpunkt der Studie: 1,7 Millionen Euro. Das geht es aus einer internen Aufstellung hervor, die der SZ vorliegt. Welches Ergebnis der Bericht hatte, dazu will sich die Bank nicht äußern.

Für HNA ist der Imageschaden ohnehin bereits gewaltig und die Bafin-Überprüfung noch nicht einmal die größte Herausforderung. Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank überlegen seit dem Sommer, ob sie HNA einem sogenannten Inhaberkontrollverfahren unterziehen sollen. Im schlimmsten Fall könnte HNA sogar gezwungen werden, die Anteile an der Deutschen Bank teilweise zu verkaufen.

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