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Hintergrund:Der Flowtex-Fall

Sechs Fakten über das größte deutsche Wirtschaftsverbrechen.

Die Affäre rund um den Flowtex-Chef Manfred Schmider hat 2000 die Bundesrepublik erschüttert. Warum?

Gemessen an der Schadenssumme war es das größte deutsche Wirtschaftsverbrechen, das es je gab. Scheingeschäften mit nicht existierenden Bohrgeräten verursachten einen Schaden von mehr als zwei Milliarden Euro.

Wie lief das Geschäft?

Flowtex verkaufte rund 3000 so genannte Horizontalbohrsysteme, zum Stückpreis von 1,5 Millionen Mark - die meisten aber nur auf dem Papier. Banken und Leasinggesellschaften übernahmen die nicht existierenden Bohrer und Flowtex leaste sie wieder zurück.

Sind solche Leasinggeschäfte üblich?

Grundsätzlich ja. Das Konzept nennt sich Sale-and-lease-back und dient Unternehmen dazu, durch den Verkauf von Vermögen rasch die Liquidität zu erhöhen und trotzdem das verkaufte Gut nutzen zu können. Das Leasingunternehmen verdient hingegen an der Rückzahlung der Leasingraten. Viele Fluglinien verkaufen beispielsweise ganze Flugzeugflotten und leasen sie anschließend zurück.

Warum haben die Banken und Leasinggesellschaften nichts bemerkt?

Um einen hohen Bestand an Bohrern vorzutäuschen, hatte Flowtex vor Betriebsprüfungen die Seriennummern auf den Zulassungsschildern vorhandener Bohrer gefälscht und so einen hohen Bestand simmuliert.

Wie hoch war der Schaden, den Flowtex verursacht hat?

Bis zum Auffliegen des Skandals verkaufte Flowtex Bohrer für mehrere Milliarden Mark, rund die Hälfte des Betrags wurde als Leasingrate zurückgezahlt. Das Gericht nannte eine Schadenssumme von mehr als zwei Milliarden Euro.

Wurden die Schuldigen verurteilt? Der Flowtex-Gründer Manfred Schmider wurde wegen Betrugs in 243 Fällen schuldig gesprochen. Wie sein Kompagnon Klaus Kleiser wurde er zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Länger schon hatte Schmider-Freigänger-Status. Jetzt wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.

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