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Automobilindustrie:Hildegard Müller soll neue VDA-Chefin werden

Hildegard Müller

Hildegard Müller war war bis Oktober Netzchefin des Energiekonzerns Innogy.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
  • Die einstige Staatsministerin im Bundeskanzleramt und frühere Innogy-Managerin Hildegard Müller soll neue Cheflobbyistin der Automobilindustrie werden.
  • Der Posten gilt allerdings als kompliziert, da es immer schwieriger wird, mit einer Stimme für alle deutschen Autokonzerne mit ihren unterschiedlichen Zielen zu sprechen.

Von Markus Balser und Cerstin Gammelin, Berlin

Die Automobilbranche ist auf der Suche nach einer neuen Cheflobbyistin fündig geworden: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wolle die ehemalige CDU-Politikerin Hildegard Müller zu seiner neuen Präsidentin machen, heißt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Branchenkreisen. Demnach soll sie bereits einen ausverhandelten Vertrag vorliegen haben, der in diesen Stunden unterzeichnet werde. "Wir gehen alle davon aus, dass sie zum VDA kommt", heißt es.

Unterschreibt Müller in den nächsten Tagen beim VDA, wird sie zum 1. Januar zwar nicht die erste Frau an der Spitze des VDA. Von 1989 bis 1996 führte Erika Emmerich den Verband. Die Juristin war damals von der Spitze des Kraftfahrzeug-Bundesamtes zum VDA gewechselt. Doch noch immer ist der Verband wie kaum ein anderer von Männern geprägt: Unter den 19 Vorständen der Verbandsspitze findet sich bislang nur eine Frau. Auch die Spitzen der großen Autohersteller werden bislang von Männern dominiert.

Die 52-Jährige war war bis Oktober Netzchefin des Energiekonzerns Innogy. Dort war sie unter anderem für den Ausbau der Ladestationen für Elektroautos zuständig. Zuvor war sie von 2008 bis 2016 Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Von 2005 an war sie Staatsministerin im Bundeskanzleramt und gilt vor allem in der Union als gut verdrahtet.

Neben Müller war zuletzt auch der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, als Kandidat genannt worden. Er gelte jedoch auch wegen seiner Nähe zu Daimler nicht als Wunschkandidat aller Konzerne, heißt es aus der Branche.

Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland

Der Posten des Spitzenlobbyisten der Autoindustrie muss neu besetzt werden, nachdem der frühere Ford-Manager Bernhard Mattes im September überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte. Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Autobranche mit mehr als 800 000 direkt Beschäftigten eine Schlüsselindustrie.

Der Posten, den Müller nun übernehmen soll, gilt allerdings als schwierig. Zum einen hat die Branche nach dem Dieselskandal und wegen des zunächst schleppenden Umbaus zu emissionsärmeren Antrieben in der Politik einen schlechten Stand. Zum anderen wird es immer komplizierter, mit einer einheitlichen Stimme zu sprechen. Konzerne wie VW, BMW oder Daimler verfolgen beim Umbau unterschiedliche Ziele. Während VW voll auf Elektromobilität setzt, wollen sich andere Hersteller weitere Optionen offen halten, etwa Antriebe auf Basis von Wasserstoff.

© SZ.de/vit
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