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Hensoldt:Bund kauft sich bei Rüstungskonzern ein

Das neue 3-D-Multifunktionsradar von Hensoldt: Die Firma gehörte früher zu Airbus.

(Foto: oh)

25 Prozent von Hensoldt sollen an den Staat gehen. Als Grund wird die Sicherheitspolitik genannt.

Von Caspar Busse

Die Option wäre in zwei Wochen, Ende des Jahres, ausgelaufen. Jetzt nutzte die Bundesregierung die Möglichkeit noch und hat sich an Hensoldt, einem bedeutenden Hersteller von Rüstungselektronik, beteiligt. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Erwerb einer Sperrminorität von 25,1 Prozent beschlossen. Für den Einstieg des Bundes sollen mehr als 400 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das Verteidigungsministerium hatte gegenüber Bundestagsabgeordneten auf "sicherheitspolitische Aspekte" verweisen. Hergestellt werden unter anderem Hightech-Kameras für Tornado-Flugzeuge, Panzer-Periskope und Radarsysteme für den Eurofighter.

Die Hensoldt-Aktie rutschte um gut drei Prozent ab und liegt jetzt bei 14,20 Euro. Die Firma ist damit an der Börse etwa 1,5 Milliarden Euro wert, das Paket der Bundesregierung liegt demnach bei 375 Millionen Euro, der Bund zahlt etwas mehr. Die Aktien werden vom Finanzinvestor KKR übernommen. Hensoldt wurde zuletzt als Anwärter für den M-Dax gehandelt.

Das Unternehmen ist die ehemalige Radarsparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus. 2017 hatte der amerikanische Investor KKR das Unternehmen übernommen und dafür etwa 1,1 Milliarden Euro bezahlt. Der Hauptsitz ist in Taufkirchen bei München, beschäftigt werden 5400 Menschen, der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 1,1 Milliarden Euro. Erst im September hatte KKR Hensoldt an die Börse gebracht, dabei waren die Aktien zu zwölf Euro ausgegeben worden. Das Unternehmen liefert auch Technologien für Kryptotechnik und Sensorik, bei denen die Bundesregierung einen Zugriff "unfreundlicher Mächte" verhindern will. Sensorik und Verschlüsselungstechnik für den militärischen Einsatz gelten als Schlüsseltechnologie, vor allem für die Bundeswehr. Die Aktien sollen bei der Staatsbank KfW geparkt werden. Operativen Einfluss wolle der Bund nicht nehmen.

Die Firmengeschichte reicht mehr als 125 Jahre zurück. 1892 baute der Optiker Moritz Hensoldt Zielfernrohre für die Gewehre der preußischen Armee. Zu den Zukunftsprojekten von Hensoldt zählt die Beteiligung an der Ausrüstung des Milliarden Euro teuren neuen deutsch-französischen Kampfjets, des bei weitem größten europäischen Rüstungsvorhabens derzeit.

Kritisch wird der Staatseinstieg von der FDP gesehen. Der Obmann der FDP-Fraktion im Verteidigungsausschuss, Alexander Müller, sagt, die Ziele des Bundes bei Hensoldt seien unklar. Angesichts der Beteiligung könne der Bund kein neutraler Einkäufer mehr sein. Es gebe auch offensichtlich keine Notwendigkeit, die Firma vor dem Zugriff andere Nationen, wie etwa China, zu schützen. Der Bund zahle mit Steuerzahlergeld einen Premiumpreis.

© SZ vom 17.12.2020
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