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Henkel:Ende einer Rekordjagd

Henkel AG - Produktion

Erstmals seit langer Zeit ist der Umsatz von Henkel zurückgegangen. Für Anleger bleibt das Unternehmen dennoch attraktiv.

(Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa)

Der Persil-Hersteller wuchs zuletzt Jahr für Jahr. Nun gibt es schlechte Zahlen.

Wenn der berühmte Investor Warren Buffett Anlegern empfiehlt, sie sollten nur Aktien kaufen, die sie auch verstehen, dann klingt Henkel zunächst nach einer guten Wahl: Der Traditionskonzern verkauft Klebstoffe wie Pritt, Waschmittel wie Persil, Kosmetik wie Schwarzkopf. Viele Menschen kaufen diese Marken regelmäßig; dementsprechend zuverlässig meldete Henkel zuletzt ein Rekordjahr nach dem anderen. Obendrein sei man global aufgestellt, so Vorstandschef Hans Van Bylen vor Kurzem im SZ-Interview: "Wir sind stark in den USA, in der Türkei, in Russland."

Doch haben Währungen wie die Lira oder der Rubel jüngst an Wert verloren. Die Wirtschaft wächst vielerorts langsamer, Handelskonflikte verschärfen sich. "Die Chemieindustrie insgesamt spürt eine deutliche Abkühlung", sagt Van Bylen. So kommt es, dass der Umsatz von Henkel 2018 zurückgegangen ist, erstmals seit langer Zeit. Daraufhin hat die Henkel-Aktie am Montag zeitweise zehn Prozent an Wert verloren. Mit knapp 88 Euro notierte sie so tief wie seit vier Jahren nicht.

Denn auch für dieses Jahr stellt Henkel die Aktionäre auf "anhaltende Belastungen durch Währungen und steigende Materialpreise" ein. Der Konzern will nun jährlich 300 Millionen Euro zusätzlich investieren, damit er künftig wieder wachsen kann. Etwa wollen die Düsseldorfer den Markenauftritt von Haarpflegemitteln wie Gliss, Schauma oder Syoss erneuern. Diese Konzernsparte Beauty Care wäre im vergangenen Jahr auch ohne ungünstige Währungskurse geschrumpft. Henkel verweist auf den Wettbewerbs- und Preisdruck.

Immerhin will der Konzern fortan bis zu 40 Prozent seines Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Bisher galten 35 Prozent als Obergrenze für die Dividende. Ohnehin muss Henkel keine Revolte allzu kritischer Investoren befürchten: Die Nachfahren des Unternehmensgründers Fritz Henkel halten noch immer mehr als 60 Prozent der Anteile. "Das gibt uns Stabilität, das Unternehmen langfristig zu entwickeln", sagt Van Bylen. Bei anderen Industriekonzernen mit mehreren Geschäftsbereichen hingegen, etwa Thyssenkrupp oder General Electric, sind in den vergangenen Jahren sogenannte aktivistische Investoren eingestiegen. Sie dringen in aller Öffentlichkeit darauf, dass Mischkonzerne den einzelnen Sparten mehr Freiheiten geben - oder sich gar in mehrere Firmen zerteilen sollten.

Derlei Fantasien hat der Henkel-Chef eine Absage erteilt: "An unseren drei Geschäftsbereichen halten wir grundsätzlich fest", sagte Van Bylen. "Das bedeutet Stabilität und Ausgleich." Langfristig trauen Analysten der Aktie im Durchschnitt einen Kurs von 109 Euro zu. Nur eine kleine Minderheit der Analysten empfiehlt Anlegern, den Konzern mit seinen vielen bekannten Marken aus dem Aktiendepot zu werfen.

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